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Von Killerhunden bis Gauchogate: Witz und Wahrheit im Internet

Als Satire-Show hat es der  „Postillon“ sogar ins TV geschafft – die Website ist ein Social Media-Hit
Als Satire-Show hat es der "Postillon" sogar ins TV geschafft – die Website ist ein Social Media-Hit

An diesem Wochenende hat die Satire-Website “Der Postillon” bei Facebook wieder mal veröffentlicht, dass eine Nachrichtenseite auf zwei ihrer Satiren hereingefallen ist. Es ging um Hitler und darum, dass US-Präsident Obama Angela Merkel ein Handy zum Geburtstag geschenkt habe. In einer verwirrend komplexen Welt, fällt es im Internet nicht immer leicht, Witz von Wahrheit zu unterscheiden.

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Für den Postillon und seine zahlreichen Nachahmer ist es immer ein schöner Erfolg, wenn vermeintlich seriöse Medien auf ihre Witze hereinfallen. Dass ein Mann, der aussieht wie Adolf Hitler sich diskriminiert fühlt oder US-Präsident Barack Obama der deutschen Kanzlerin Angela Merkel zum 60 Geburtstag ausgerechnet ein neues Handy schenken soll – das fand die slowakische News-Website Noviny.sk offenbar glaubhaft und pinselte beide Artikel fast eins zu eins ab.

Für den Postillon wieder ein Eintrag in der immer größer werdenden “Reingelegt!”-Kladde. Aber es ist keineswegs nur der “Postillon” auf den Medien reinfallen. Ein beliebtes Thema, bei dem Obacht angebracht ist, ist zum Beispiel so ziemlich seltsame Nachricht, die angeblich aus Nordkorea stammt. Egal ob es nun darum geht, dass Studenten angeblich dieselbe bescheuerte Frisur tragen müssen wir Diktator Kim Jong Un, dass der Onkel des Diktators angeblich durch ein Rudel wilder Killerhunde hingerichtet worden sei oder dass Kim Jong Un die Ergebnisse der Fußball-Weltmeisterschaft im eigenen Interresse gefälscht habe, so dass Nordkoreas Medien angeblich berichtete, Nordkorea stehe im Finale – alles erfundene Witzchen auf die Medien hereingefallen sind. Den Nordkoreanern traut man offenbar so ziemlich alles zu.

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Auch MEEDIA ist auf die Räuberpistole mit der Fußball-WM reingefallen. Vielleicht war das für irgendeine Satire-Website in Südkorea ja der Anlass zu einem lustigen Facebook-Posting über die blöden Europäer. Es sei den Kollegen gegönnt. Tatsächlich ist es aber nicht immer ganz einfach, auf den ersten Blick zwischen Witz und Wahrheit im Netz zu unterscheiden. Die Satire-Websites geben sich absichtlich in Layout und Sprache die Anmutung seriöser Quellen. Und wenn diese dann noch aus dem Ausland stammen, nimmt sich nicht mehr jede Redaktion die Zeit, die Echtheit sorgfältig nachzuprüfen.

In einer Medienwelt, in der Melanie Müller WM-Songs aufnimmt und der doofe Gauchotanz der Nationalmannschaft für tagelanges Betroffenheits-Beben sorgt, können schon mal die Realitäts-Maßstäbe verrutschen. Auf den allerersten Blick könnte man so auch den Artikel “Götzes Gauchogate” der taz für bare Münze nehmen, wäre der nicht im Satire-Ressort “Die Wahrheit” erschienen und driftete kurz nach dem Beginn tatsächlich in offensichtlich satirische Gefilde ab. Es soll auch Kollegen gegeben haben, die die Meldung der österreichischen Tagespresse für echt hielt, dass einer brasilianischen Tanzgruppe die Flucht aus einem WM-Studio des ORF gelungen ist. Die Meldung der “Tagespresse” wurde dann aber doch noch rechtzeitig als Witz erkannt.

Gefährlich wird es nun, wenn Tempodruck und Schlendrian in Redaktionsstuben in immer größerem Maße auf Fake-Inhalte im Web treffen. Sieht irgendwie seriös aus, ist lustig, wird schon stimmen, also rauf damit auf die Seite. Und wenn es nicht stimmt, wird halt korrigiert. Egal, die Klicks sind dann ja schon da. Im Zweifelsfalle läuft die Meldung, dass die Bizarro-Story mit den Diktaturen-Frisuren ein Fake war, auch nochmal gut. Man sollte schon aufpassen, dass eine solche Schulterzucken-Denke nicht zur herrschenden Meinung in der guten News-Stube wird.

Es gibt den geflügelten Ausspruch von der Story, die zu gut ist, als dass sie stimmen kann. Das wird heute angesichts der Flut an Web-Skurrilitäten leider immer mal wieder vergessen. Die altmodischen und banalen Fragen “Ist das echt?” und „Kann das stimmen?“ sollte auch bei witzigen Geschichten zum Standard-Repertoire von Medienschaffenden gehören. Ganz im Ernst.

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