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So unversöhnlich rechnet Christian Wulff im Spiegel mit den Medien ab

Aktuelle Spiegel-Titelstory: Ein Exklusiv-Interview mit Christian Wulff
Aktuelle Spiegel-Titelstory: Ein Exklusiv-Interview mit Christian Wulff

Im großen Spiegel-Interview, das vom Nachrichtenmagazin als "Streitgespräch" bezeichnet wird, übt Ex-Bundespräsident Christian Wulff erneut kräftig Medienschelte. Die Bild-Zeitung, die öffentlich-rechtlichen Sender aber auch die FAZ und der Spiegel bekommen tüchtig ihr Fett weg. MEEDIA fasst die Medienkritik Wulffs in Zitaten zusammen und ordnet sie ein.

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Der Antrag (Auf Aufhebung der Immunität, Anm.d.Red.) hätte aber schon deshalb nicht erfolgen dürfen, weil er auf einer konstruierten Geschichte der Bild-Zeitung beruhte, was ein Gericht auch so festgestellt hat. Nach dem Freispruch hieß es dann: Na ja, rechtlich mag das alles in Ordnung sein – aber moralisch! Das erinnert mich an eine Jagdgesellschaft, die ein nicht zum Abschuss freigegebenes Tier erlegt und anschließend sagt: War trotzdem richtig, das Tier hatte sicher Tollwut.

Einige Leitmedien hatten bereits während meiner Kandidatur und dann in den ersten hundert Tagen meiner Amtsführung eine Schablone für mich entworfen, in die alles hineingepackt wurde, was man nur finden konnte.

Die Jagd der Medienmeute auf das Opfer Wulff – ein immer wiederkehrendes Motiv bei den Einlassungen des Ex-Präsidenten.

Diese Formulierung „in der Summe“ kann ich inzwischen nicht mehr hören. Journalisten haben mit Hunderte Fragen gestellt, teilweise völlig absurde Fragen, und ich habe sie allesamt beantwortet. Die Staatsanwaltschaft hat Hunderte Vorwürfe geprüft, kein einziger hielt stand. Und dann sagen Sie: „aber in der Summe!“ Mir kommt es so vor, als ob viele dieser Fragen gar keinen Sinn hatten als den, mich ins Zwielicht zu rücken. „Wulff dementiert“ hieß soviel wie: „Es wird schon was dran sein.

Lesart Wulff: Es waren doch nur Kleinigkeiten, schlimmstenfalls fehlendes Fingerspitzengefühl. Nichts wurde bewiesen.

Wer ist denn dem Gerücht, ich hätte das Geld von Carsten Maschmeyer bekommen, hinterhergelaufen? Die Medien, und allen voran der Spiegel. Es war völliger Quatsch. Trotzdem haben Sie monatelang recherchiert und sind bis nach Karlsruhe gezogen, ohne mich bis dahin überhaupt einmal mit der Frage zu unserer Hausfinanzierung zu konfrontieren.

Dass nicht Maschmeyer der Kreditgeber war, konnten die Medien freilich erst nach der Recherche wissen und nicht vorher.

Ich find einfach, ich habe weniger verbockt und falsch gemacht, als mit an Niederträchtigkeiten begegnet ist.

Anders gesagt: Wulff fühlt sich schlicht unfair behandelt. Kann man sogar nachfühlen.

Die ganze Republik lachte über den „kotbraunen Klinkerbau“, so wörtlich im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zur besten Sendezeit.

„Kotbrauner Klinkerbau“ – im Ernst? Warum sollte ein Reporter so etwas sagen? Würde „rotbrauner Klinkerbau“ nicht mehr Sinn ergeben?

Was ich beklage, ist die Verrohung des Diskurses, diese ganze Häme, mit Diffamierung und Denunziation. Die Unverhältnismäßigkeit in meinem Fall. Das darf sich in Deutschland nie wiederholen.

Wulff und Deutschland – in seiner Sicht untrennbar verwoben.

Warum zielen Sie immer häufiger auf die Person, die Familie, das Private? Manches Inhaltliche ist manchen vielleicht auch zu kompliziert oder sperrig für die Auflage.

Vieles, was gestern aus gutem Grund am Stammtisch verblieb, geht heute in Echtzeit in die ganze Welt.

Genau diese Trennschärfe zwischen seriösen Blättern und Boulevardmedien vermisse ich häufiger. Die seriöse FAZ verortete meine Frau im Milieu von Rockerbanden und Prostituierten – wegen eines Tattoos! Jetzt sei die „Unterwelt“ im Schloss Bellevue angekommen, hieß es in dem Artikel. Das war Rufmord.

Wulff-These: Medien sind allesamt Boulevard und Quoten- oder Auflagengeil. Der angesprochenen FAZ-Artikel war allerdings tatsächlich ziemlich daneben.

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An einem bestimmten Punkt entstand der Eindruck, Wulff ist von Springer zum Abschuss freigegeben. Da wollten viele schlicht nicht abseitsstehen.

Bild-Chef Kai Diekmann twitterte als Replik auf das Wulff-Interview:

Ich halte einige Titelseiten des Spiegel für absolute Entgleisungen, zum Beispiel die mit der Zeile „In Amt und Würden“ – wo dann „Würde“ durchgestrichen war. Ich finde, dafür sollten sich die Verantwortlichen schämen.

„Würde“, „Ehre“, „Niedertracht“, „Scham“ – große Themen für Christian Wulff. Um dieses Titelbild vom Januar 2012 geht es:

Bildschirmfoto 2014-07-21 um 12.40.27

Sie beschönigen Ihre Rolle. Ich bin der Letzte, der das nicht versteht.

 

 

Sagt Wulff an einer Stelle zu den Spiegel-Leuten. Vielleicht auch ein Hauch von Selbsterkenntnis?

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Alle Kommentare

  1. Ausgerechnet der BILD gibt er ein Interview. Der BILD, die mit dem Spiegel derart eng verflochten ist, dass kein Stück dazwischen passt.
    Es scheint, er hat die Lage nicht so richtig erkannt.
    Natürlich hat auch BILD gehetzt, was so eine Drecksschleuder nur hetzen kann.
    Aber im Grunde genommen hat er gar nicht so unrecht: Ihm konnte nichts Wesentliches bewiesen werden. Zudem trat er vom Amt zurück-was ich bei vielen anderen „Würdenträgern“ seiner Art schwer vermisse.
    Man sollte ihn und seine Frau einfach in Ruhe lassen. Sie sind beide abgelutscht.

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