Anzeige

SZ-Abo gefällig? Die Medienkontakte der „Nazi-Braut“-Anwälte

WochenRueckblick1.jpg

RTL-Chef Frank Hoffmann und der zweifelhafte Trend zur "Eventisierung". Sascha Lobo regt sich bei Spiegel Online über Spiegel-Online-Phrasen auf. Udo van Kampen erkundet als Geburtstagsständchen-Sänger für die Kanzlerin neue Dimensionen der Peinlichkeit. Und die Bild enthüllt Medienkontakte eines Zschäpe-Anwalts. Der MEEDIA-Wochenrückblick.

Anzeige
Anzeige

Wie einige Tage zuvor ProSiebenSat.1 hat in dieser Woche auch RTL sein neues Programm für die kommende TV-Saison in Hamburg vorgestellt. Senderchef Frank Hoffmann meinte zu diesem Anlass, dass sich der “Trend zur Eventisierung” fortsetze. Was für eine seltsam gestelzte Formulierung: Eventisierung. Während Hoffmann davon spricht, dass das Fernsehen Ereignisse (= Events) schaffen müsse, “über die das ganze Land redet”, steht das vorgestellte Programm in krassem Gegensatz zu diesem Anspruch. Es wird eine Handvoll TV-Movies geben. Alte Shows werden neu aufgelegt, ein paar neue kommen dazu, u.a. die Nackt-Datingshow “Adam sucht Eva”. Aber wird am Tag der Ausstrahlung “das ganze Land” von so etwas reden? Oder von einem Film zur Starfighter-Affäre? Kaum. Die Programm-Perle für die kommende Saison bei RTL ist mit “Rising Star” eine Mitmach-Castingshow. Das sagt schon ziemlich viel über die Kreativ-Krise, in der das TV-Biz steckt. Bei der Konkurrenz von ProSiebenSat.1 sieht es nämlich keineswegs besser aus. Selbst teuer produzierte Shows, wie etwa “The Voice of Germany”, wirken nach der dritten Staffel bereits inhaltlich ausgelaugt. Und kaum steht jemand im Verdacht ein bisschen originell zu sein, wie Jan Böhmermann oder Palina Rojinski, werden diese Leute inflationär von Sender zu Sender gereicht. Böhmermann bei ZDFneo, bald bei RTL und er produziert für den WDR. Palina bei ProSieben und RTL. Die wirklichen Events heißen Fußball, Olympia oder Eurovision Song Contest. Und die lassen sich nicht am Fließband produzieren. Immerhin hat sich RTL mit den Qualifikationsspielen der Nationalmannschaft zur nächsten EM nun auch ein bisschen Fußballglanz eingekauft. Der Rest sind herbeigeredete Schein-Events der Programm-Strategen. In Wahrheit besteht das Gros des TV-Programms heute mehr denn je aus einem Klein-Klein mehr oder weniger anspruchslos und vor allem günstig produzierter Formate. Das ist die Kehrseite der „Eventisierung“.

Spiegel Online bringt jeden Morgen einen so genannten “News Blog”, in dem Netz-Auskenner Sascha Lobo live Nachrichten kommentiert. Am Donnerstag regte sich Lobo über eine Sportjournalistenphrase auf: “Der Wechsel von xy zu z ist perfekt.” Er schrieb: “Toni Kroos geht also zu Real Madrid, schreibt die Sportagentur sid und benutzt dabei die phrasigste Sportphrase in der Geschichte der Sportjournalismusphrasen: „Kroos-Wechsel zu Real Madrid ist perfekt“. Wenn man „Wechsel perfekt“ das zwölfmillionste Mal schreibt, warum bekommt man dann nicht einen feinen Ausschlag auf den Fingerkuppen und der Hornhaut, herrührend von einer Überdosis der immer gleichen, immer gleich freud- und substanzlosen Formulierungen?” Klar, was jetzt kommt oder? Sie dürfen genau einmal raten, welche Überschrift Spiegel Online für die Meldung vom perfekten Kroos-Wechsel wählte:

Bildschirmfoto 2014-07-17 um 11.55.37

 

Das Geburtstagsständchen, das der ZDF Europa-Korrespondent Udo van Kampen Bundeskanzlerin Angela Merkel zum 60. Geburtstag darbrachte, eröffnete neue Dimensionen der Peinlichkeit.

Anzeige

Was bringt einen gestandenen Reporter dazu, in aller Öffentlichkeit vor Kameras der Kanzlerin ein Geburtstagslied zu singen? Noch schlimmer ist es, wenn man van Kampen dabei sieht. Wie er sich heischend umschaut, ob jemand mitsingt (nein). Wie er mit dem mikrofonlosen Arm rudert. Es ist bewundernswert, wie souverän die Kanzlerin bleibt. Andererseits – es war ja nicht sie, die sich zum Affen gemacht hat. Dieses Ständchen und der Skandal um die manipulierten Stimmen bei der Ranking-Show “Deutschlands Beste!” sorgten für eine gehörige Entzauberung der Öffentlich-Rechtlichen. Wenigstens hat uns das ZDF in Sachen „Deutschlands Beste!“ längeres Herumegeiere erspart und Unterhaltungschef Oliver Fuchs schnell in die Wüste geschickt.

Beate Zschäpe, die Hauptangeklagte im NSU-Prozess, möchte also ihre Anwälte loswerden. In der Bild war nun einiges über die Medienkontakte der Anwälte der „Nazi-Braut“ (O-Ton Bild) zu den Medien zu lesen. Die Angaben beruhen auf einer Aussage des Kriminalbeamten Rainer B., der Beate Zschäpe am 25. Juni 2012 von der JVA Köln nach Gera begleitete. Über ihren Verteidiger Wolfgang Heer sagte Zschäpe laut Bild: “Mein Verteidiger hat ja hervorragende Beziehung zu Herrn Leyendecker von der Süddeutschen Zeitung, der hat mir ein Jahresabo kostenlos angeboten. Ich habe das abgelehnt, ich möchte keine Verbindlichkeiten eingehen.” Hans Leyendecker soll Beate Zschäpe also ein SZ-Abo angeboten haben? Wirklich? Heer habe ihrer Mutter außerdem geraten, ein Interview mit “John G.” von der NDR-Sendung “Panorama” zu machen. Gemeint ist vermutlich John Goetz von der “Panorama”-Redaktion, der für Projekte auch schon mit der Süddeutschen Zeitung zusammengearbeitet hat. Der preisgekrönte Reporter sei ein Bekannter von ihm, habe Heer gesagt und es wäre “ganz gut, wenn dieses Interview zustande käme.” Zustande gekommen ist es dann trotzdem nicht. Vielleicht hätte sich Mama Zschäpe ja über ein SZ-Abo gefreut …

Schönes Wochenende!

 

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*