Anzeige

Schwerverbrecher als Kandidaten: Polizei kritisiert Hensslers Knast-Kochshow bei RTL

„Henssler hinter Gittern“: der TV-Koch schwingt mit Schwerverbrecher Van Hiep V. (3. v.l.) den Kochlöffel Foto: RTL/Axel Kirchhof
"Henssler hinter Gittern": der TV-Koch schwingt mit Schwerverbrecher Van Hiep V. (3. v.l.) den Kochlöffel Foto: RTL/Axel Kirchhof

Mit "Henssler hinter Gittern" wollte RTL die Resozialisierung von Inhaftierten ins Licht der Öffentlichkeit rücken. Hinter schwedischen Gardinen sollte der TV-Koch den Knackis das Kochen lehren, auch um die eher mäßige Küche im Knast aufzupeppen. Nach der ersten Folge gibt es aber bereits Ärger - mit den Beamten des Landeskriminalamts (LKA).

Anzeige
Anzeige

Wie der Kölner Express und die Hamburger Morgenpost berichten, schwingt Henssler den Kochlöffel nämlich mit wirklich gefährlichen Schwergewichten. Einer seiner Kochschüler sitzt wegen Raubüberfall mit Todesfolge ein. Van Hiep V. war 2007 am Massacker von Sittensen beteiligt, bei dem in einem Chinarestaurant sieben Menschen erschossen wurden. Einzige Überlebende der Bluttat war die damals zweijährige Tochter der Restaurantbetreiber. Der Fall machte deutschlandweit Schlagzeilen. Hensslers Kochschüler wurde zu 14-jähriger Haft verurteilt, sitzt gemeinsam mit den Mittätern in der JVA Bremen.

Entsprechend schaltet sich nun das Landeskriminalamt Niedersachsen ein, das damals die Ermittlungen führte. Mopo und Express zitieren das LKA: „Jetzt wird diesem Täter als Stargast der Koch-Show von RTL zusammen mit dem Koch Steffen Henssler eine Bühne geboten.“ LKA-Präsident Uwe Kolmey kritisiert die Art der Resozialisierung. Sie sei zwar „bewiesenermaßen der richtige Weg für inhaftierte Strafttäter. Aber Resozialisierung auf diesem Wege der Massenmedien? Welche Signale wirken auf die Familienangehörigen der Opfer? Welche Botschaft kommt bei immer noch Trauernden, insbesondere bei der neunjährigen Tochter des Betreiberehepaares an?“

RTL: „Taten werden nicht glorifiziert“

RTL-Sprecherin Anke Eickmeyer weist die Kritik in einer offiziellen Stellungnahme des Beamten zurück. „Bei der Dokumentation ‚Henssler hinter Gittern‘ handelt es sich um ein Experiment.“ Darin wolle er meist ungelernten Strafgefangenen soweit das Kochen beibringen, um in der JVA ein Bistro betreiben zu können. „Nicht zuletzt will er den Straffälligen so mögliche Perspektiven für die Zeit nach der Haftentlassung aufzeigen“, so Eickmeyer.

 

Anzeige

Es gehe nicht darum, „Straftätern eine Bühne zu geben, sondern darum, inhaftierten Straftätern eine Chance auf Resozialisierung zu bieten.“  Die Zusammenarbeit habe in enger Zusammenarbeit mit der JVA stattgefunden. „Die Strafgefangenen und ihre Taten werden in kleinster Weise glorifiziert. Es wird nichts beachönigt oder gerechtfertigt.“

Mit diesen Antworten wird sich das LKA wohl nicht zufrieden geben wollen. Kolmey habe laut Zeitungen bereits angekündigt, sich mit einem gesonderten Schreiben an RTL wenden zu wollen.

 

 

 

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*