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Pilawa, der ewige Quizonkel, der biedere Selbstironiker

Der Quizonkel: Jörg Pilawa
Der Quizonkel: Jörg Pilawa

Jörg Pilawa ist ganz offenbar am Ende einer Reise angekommen. Der ewige Quizonkel hat im Land der Selbstironie eingecheckt. Seit der Pleiten, Pech und Pannen-Show “Quizduell” denkt er offenbar, dass sich sein TV-Schicksal mit Selbstironie besser ertragen lässt. Sogar seine neue ARD-Show hat er so benannt, wie er eigentlich nie sein wollte: “Quizonkel.tv”.

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Pilawa begann seine TV-Karriere als Moderator bei der Sat.1-Fußballsendung “ran” und später als Präsentator einer eigenen Nachmittagstalkshow. Dann übernahm er die “Wer wird Millionär?”-Kopie “Die Quiz Show” bei Sat.1 und irgendwo im großen Räderwerk der Entertainment-Industrie rastete etwas ein und machte Klick. Da hatte einer seine Bestimmung gefunden. Seitdem ist Pilawa der mediokre Quizonkel.

Die ARD hat nun angekündigt, dass Pilawa bald wieder eine neue Quizshow im Ersten präsentiert, die “Quizonkel.tv” heißt. Was klingt wie ein Witz, den sich die Spaß-Seite “Der Postillon” ausgedacht hat, meinen ARD und Pilawa ernst. Dazu muss man wissen, dass es Pilawa war, der mal von der ARD zum ZDF wechselte, weil er nicht als der ewige Quizonkel in die TV-Annalen eingehen wollte.

Pilawa wechselte als Quizonkel von Sat.1 zur ARD und von dort zum ZDF, um dort nicht länger nur den “Quizonkel” zu geben. Beim Zweiten wurde er eine Zeit lang als Gottschalk-Nachfolger für “Wetten dass..?” gehandelt, hatte dazu aber keine Lust. Was also hatte das Zweite für ihn in petto: ein Quiz namens “Rette die Million!”. Wer hätte das gedacht? Pilawa ging dann wieder zur ARD zurück, um weitere Quizshows zu moderieren.

Immer gut drauf, immer mit Bubi-Grinsen und leichtem Hamburger Zungenschlag. Das kommt an beim Mainstream-Publikum. Er ist ein Vertreter jener Moderatoren-Generation, die auch als Schwiegersohn-Typen bezeichnet wird. Markus Lanz gehört dazu, Kerner und Kai Pflaume. Von allen aber ist Pilawa der glatteste, eindimensionalste. Er ist der Typ, der unfallfrei ein Quiz moderieren kann. That’s it.

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Vielleicht tut man ihm damit unrecht. Vielleicht ist Pilawa, der auch ohne Berührungsängste für Industrie-Wurst warb und gegen Bezahlung für Autos mit Stern schwärmt, in Wahrheit ein tiefsinniger Typ. Einer, der eine intelligente und interessante Talkshow im TV hätte entwickeln können, irgendwo zwischen dem Fernseh-Boulevard von Lanz und dem selbstverliebten Intelligenzbestien-Geschwafel eines Reinhold Beckmann. Allein: Es fällt schwer zu glauben.

Wir, das Publikum, müssen uns an den Pilawa halten, den wir vom Bildschirm her kennen. Und da verströmt er nichts Tiefsinniges, Intelligentes oder Witziges. Die TV-Figur Pilawa ist glatt geschliffen wie ein Kieselstein. Als bei seiner Show “Quizduell” ohne sein Zutun plötzlich eine Ecke und eine Kante auftauchten, weil die Integration der gleichnamigen Smartphone-App nicht klappte, da witterte er vielleicht die Chance, es jetzt allen zu zeigen. Er, Pilawa, konnte doch mehr sein. Er ließ Einspieler in Edgar-Wallace-Manier produzieren (“Neues vom Hacker”) und zog sich slimme T-Shirts mit Wortspielen drauf an (“APPlaus”). Pilawa, wiedergeboren als Mr. Witzig.

Und er moderierte so angestrengt selbstironisch, dass es fast wehtat beim Zuschauen. Vielleicht wurde während dieser Pannenshow die Idee zu “Quizonkel.tv” geboren. Vergessen sei Pilawa, der Langweilige. Es lebe Pilawa, der Selbstironische. Schaut, wie witzig er ist: Er nennt jetzt sogar eine ganze Show “Quizonkel.tv”. Wie souverän. Wie selbstironisch. Und die ARD steigt natürlich sofort darauf ein, weil der Behördensender-Apparat nach allem giert, was auch nur ganz, ganz entfernt nach originellem Gedanken riecht. So wie ein Verdurstender nach ein paar Tropfen rottigem Brackwasser. 

Aber es klappt ja nicht. Es kann ja keiner aus seiner Haut. Pilawas Selbstironie ist auch schon wieder zu gefällig. So durchschaubar konstruiert, so offenkundig anbiedernd. Im Stahlbad dieser so genannten Entertainment-Branche bekommt ein jeder sein Etikett verpasst. Das wieder loszuwerden, schafft kaum jemand. Pilawa ist der ewige Quizonkel. Jetzt versucht der Onkel es halt mit Selbstironie. Wenn es ihm damit besser geht, bitte. Ändern wird sich dadurch nichts.

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