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BDZV-Jahreskonferenz: Zeitungsverleger sagen Revolution ab

BDZV-Geschäftsführer Dietmar Wolff
BDZV-Geschäftsführer Dietmar Wolff

Die Umsätze der deutschen Zeitungsverlage sind im vergangenen Jahr um 4,4 Prozent gegenüber 2012 gesunken. Besonders hart traf es die Wochen- und Sonntagszeitungen mit einem Minus von 7,5 Prozent. Die Anzeigenumsätze sanken signifikant, die Vertriebsumsätze nur marginal. BDZV-Chef Dietmar Wolff spricht von einem "längerfristigen strukturellen Problem" - und beklagte sich über Google und den Mindestlohn.

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Endlich ernst genommen von der Politik fühlen sich die Verleger in Sachen Google. Die Politik sei „aufgewacht“, namentlich beispielsweise Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel. Wolff hob bei einer Pressekonferenz insbesondere auf das EU-Beschwerdeverfahren gegen Google ab. Der bekannte Vorwurf: Google hebe bei den Suchergebnissen insbesondere eigene Angebote oder solche von Partnern nach oben. Das Verfahren läuft seit geraumer Zeit, einen Kompromissvorschlag von Google, den EU-Kommissar Almunia anzunehmen bereit ist, lehnen die Verlage ab. Was Google, auch andere „Internet-Player“ machten, sei „nicht fair“, sie hielten sich nicht an „Spielregeln“.

Zum Leistungsschutzrecht äußerte sich Wolff nicht. Dies sei darum keineswegs abgehakt, weil politisch durchgesetzt, sagte er auf Nachfrage. Die Durchsetzung des Rechtes, mit anderen Worten die Einforderung von Zahlungen an die Verleger u.a. von Google, sei aber Sache der Verlage.

Ebenfalls als unfair erachtet der BDZV das Vorgehen der Bundesregierung beim Mindestlohn. Der soll auch für Zeitungszusteller eingeführt werden. Hier fordern die Zeitungsverleger eine „Sonderregelung“. Einen Kompromissvorschlag, der von einem Ausschuss unter Leitung von SPD-Frau Andrea Nahles erarbeitet wurde, wurde im Bundestag (mutmaßlich mit den Stimmen von CDU und CSU, vermuten die Verleger) „vom Tisch gewischt“. Nun komme der Nettolohn von 8,50 Euro im Jahr 2017. Wolff: „Das Problem wird bleiben, eine Lösung gibt es nicht.“

Nachfrage bei der Pressekonferenz: warum überhaupt eine Ausnahmeregelung für die Verlage? Antwort Dietmar Wolff: Es gehe um den Erhalt der etablierten Zeitungstitel. Verlage hätten eine grundsätzlich geschützte Position, da dürfe der Staat nicht „unangemessen“ einschreiten und diese Stellung infrage stellen. Diese Ausnahmestellung sei vom Wirtschaftsministerium auch anerkannt worden. Wenn diese Sonderstellung der deutschen Verlage politisch nicht gewollt sei, müsse dies seitens der Politik deutlich gemacht werden.

Liegt die Lösung für die strukturellen Probleme in neuen Geschäftsmodellen? Auch das, findet der BDZV. Man sei bemüht, nicht „zu larmoyant“ zu wirken, beteuern die Verbandschefs. Schließlich seien die Verlage „mutig und innovativ“. Man rechnet damit, dass noch in diesem Jahr etwa hundert Zeitungstitel mit digitalen Bezahlinhalten arbeiten. Erfolgsmodelle sind freilich namentlich bisher nicht zu nennen. „Es muss gelingen, die Bezahlkultur ins Internet zu transferieren“, sagte Kommunikationschef Hans-Joachim Fuhrmann. „Die Werbefinanzierung allein wird es nicht bringen, denn die Werbepreise im Netz sind am Boden, und daran wird sich auch nichts ändern.“

Die Einsicht, dass es nicht nur Einflüsse von außen sind, die den Zeitungsverlegern zu schaffen machen, ist gereift. „Wir müssen die Gattung besser verkaufen“, findet Fuhrmann. Die Zeitung sei Leitmedium, die wirtschaftliche Entwicklung könne aber derzeit nicht mithalten. Fuhrmann wies auf die unterschiedlichen regionalen Märkte hin: „Die Gruppe von Verlagen, die Tag für Tag kämpfen muss, ist nicht klein.“

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Die Aufgabe der Verlage liege nun darin, die langsam sinkenden Printumsätze mittelfristig mit steigenden digitalen Umsätzen auszugleichen. Und die neuen Umsätze müssten aus vielen Quellen gespeist werden. Eine radikale, marktumwälzende Idee, eine Lösung für die anhaltende strukturelle Schieflage sieht man beim BDZV nicht. Fuhrmann: „Es wird keine Revolution geben.“

Die Zahlen für 2013 im Detail:

Gesamtumsatz Tages- und Wochenzeitungen: 7,87 Milliarden Euro (- 4,4 Prozent)

Gesamtumsatz Tageszeitungen: 7,41 Mrd. Euro (- 4,2 Prozent)

Gesamtumsatz Wochen- und Sonntagszeitungen: 383 Mio. Euro (- 7,5 Prozent)

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