Erst künstliche Autoren, jetzt TV-Sprecher: Japaner entwickeln Nachrichten-Roboter

„Tagesschau“ der Zukunft? In Japan wurden die ersten Roboter-Nachrichtensprecher vorgestellt.
"Tagesschau" der Zukunft? In Japan wurden die ersten Roboter-Nachrichtensprecher vorgestellt.

Bedroht der Roboterjournalismus nicht nur die schreibende Zunft? Im technischen Nationalmuseum von Tokio haben Wissenschaftler die ersten Roboter-Nachrichtensprecher der Welt vorgestellt. Bei der Entwicklung der sprechenden Maschinen haben die Entwickler nicht nur auf fehlerfreie Sprachsteuerung, sondern auch auf realitätsgetreues Erscheinungsbild geachtet.

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Es ist kurz vor 20.00 Uhr. Die Nachrichtensprecherin steht bereits am Nachrichtenpult, hat ihre Haare streng zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden, das Studiolicht fährt herunter, die Kameras zoomen schnellen auf Ausgangsposition. In wenigen Sekunden eröffnet die Synrchonstimme von Angelina Jolie die „Tagesschau“. Die Zuschauern vor den TV-Geräten bekommen aber nicht Judith Rakers aus Fleisch und Blut zu sehen, sondern eine Kopie aus Plastik und Silikon, die der 38-Jährigen zum Verwechseln ähnlich sieht. Diese Reproduktion, die die Nachrichten auch noch zu 100 Prozent fehlerfrei ausspricht, heißt Otonaroid. Sie ist eine Maschine und keine Science Fiction mehr, sondern seit dieser Woche ein reales Zukunftsszenario.

Der japanische Roboterexperte Hiroshi Ishiguro (re.) und sein Android Otonaroid Foto: dpa

Der japanische Roboterexperte Hiroshi Ishiguro (re.) und sein Android Otonaroid Foto: dpa

Denn Otonaroid – und ihr Kompagnon Kodomoroid – haben am Sprechertisch längst Platz genommen, zumindest im technischen Nationalmuseum in Tokio. Dort hat der japanische Roboterwissenschaftler Hiroshi Ishiguro seine Sprecherbots präsentiert. Kabel und Metall haben die Hersteller mit künstlichen Muskeln und Silikon umspannt, um realitätsgetreue Menschenbilder zu erschaffen. Sie blinzeln, lächeln, ziehen ihre Augenbauen hoch, sprechen flüssig und fehlerfrei. Per Fernsteuerung können sie in groben und feinen Zügen miteinander oder mit Menschen agieren. Zumindest vor dem TV-Bildschirm braucht es des Öfteren schon mal einen zweiten Blick, um Mensch und Roboter voneinander zu unterscheiden.

Laut Ishiguro sind seine Roboter speziell für Kinderfernsehen gedacht, bleiben vorerst allerdings dem Museum vorbehalten. Klar ist für den Professor allerdings: „Wir werden in Zukunft mehr und mehr Roboter um uns herum haben.“ Wie die britische Daily Mail berichtet, hat der Japaner sogar schon eine Kopie von sich selbst bauen lassen, die für ihn Vorlesungen hält. Ob seine Roboter schon bald in Serienproduktion gehen sollen, ist offenbar noch nicht entschieden. Und ob sie wirklich das Nachrichtengeschäft revolutionieren und Nachrichtensprecher aus Fleisch und Blut ersetzen werden, ist sogar sehr fraglich. Ein Zukunftsszenario sind sie aber allemal.

 

 

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