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Die mediale post mortem Ferndiagnose von RP Online zum „Schirrmacher-Tod“

Der verstorbene FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher, RP-Online-Text
Der verstorbene FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher, RP-Online-Text

Verdachtsberichterstattung ist mittlerweile zu einer um sich greifenden Unsitte im Medienbetrieb geworden. Ein besonders krasses Beispiel lieferte jüngst RP Online, die Web-Ausgabe der Rheinischen Post. Ein mehr oder weniger zeitloser Text über Risiken und richtiges Verhalten bei einem Herzinfarkt wurde mit reichlich Räsonieren über den Tod von FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher angereichert. "Dürfte", "könnte", "möglicherweise". Eine mediale post mortem Ferndiagnose, die man besser hätte bleiben lassen.

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Diesen einen Satz aus dem Artikel „War Schirrmachers Herzinfarkt vermeidbar?“ bei RP Online muss man sich mehrfach durchlesen, bis man begreift, dass er tatsächlich veröffentlicht wurde: „Glaubt man den Hinweisen seiner Kollegen, die im Gewand von Nachrufen in der FAZ ausgebreitet wurden, dürften mehrere Faktoren zu seinem Tod geführt haben: Rauchen, ungesunde Ernährung, wenig Schlaf, Stress, Übergewicht.“ Die vielen und sehr differenzierten Nachrufe auf Schirrmacher rückwirkend zu einer Art Gesundheits-Zeugnis umzuinterpretieren, das ist schon dreist. Weiter heißt es in dem Text: „Diesen Schirrmacher-Tod sterben täglich viele Menschen, obwohl sie – wie Schirrmacher auch – möglicherweise hätten gerettet werden können.“ Aus dem Herzinfarkt wird hier der „Schirrmacher-Tod“. Personalisierung kann zu weit gehen.

Die erste Hälfte des Texts bei RP Online strotzt vor „möglicherweise“, „vielleicht“, „könnte sein“, „glaubt man …“. Das ist ein ähnliches Muster wie bei vielen Berichten, die sich ausgehend von dem Unfall Michael Schumachers mit den Symptomen von Koma-Patienten auseinandergesetzt haben. Im hinteren Teil des Herzinfarkt-Textes bei RP Online fehlen dann die eingestreuten Verweise auf den verstorbenen FAZ-Herausgeber und es ist nur  noch die Rede vom „Infarkt-Opfer“. Klar, denn der Artikel enthält allgemeingültige und gewiss auch richtige Informationen zum Thema Herzinfarkt. Da noch eine prominente Persönlichkeit reinzupacken mag gut für die Klicks sein – es ist aber auch geschmacklos.

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