Konzentration bei den Tageszeitungen auf historischem Höchststand

Horst Röper vom FORMATT-Institut untersucht die Pressekonzentration in Deutschland
Horst Röper vom FORMATT-Institut untersucht die Pressekonzentration in Deutschland

Publishing Zeitungsforscher Horst Röper von Dortmunder FORMATT Institut hat wieder einmal eine Bestandsaufnahme zur Konzentration des Pressewesens in Deutschland vorgelegt. Sein Befund: Die Konzentration bei Tageszeitungen war noch nie so hoch wie derzeit. Grund ist auch die prekäre wirtschaftliche Lage, in der sich manche Zeitungsverlage befinden. Auflagen- und Werbeerlöse befinden sich weiter auf Talfahrt, auch die Zahl der Redakteure sinkt.

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Im Boom-Jahr 2000 erreichte die Zahl der Zeitungsredakteure in Deutschland mit 15.300 einen Höchststand. Anschließend sank sie wieder. 2013 waren es noch knapp 13.000 Redakteure. Die meisten Stellen sind laut FORMATT-Institut bei Lokalredaktionen gestrichen worden. Viele Lokalredaktionen wurden geschlossen oder zusammengelegt. Besonders stark betroffen vom Rückgang eigenständiger Lokalredaktionen ist Nordrhein-Westfalen. Horst Röper schreibt: „Inzwischen haben rund 45 Prozent der nordrhein-westfälischen Bevölkerung keine Auswahl mehr, wenn sie sich über das lokale Geschehen am Wohnort informieren wollen. Sie leben diesbezüglich in Monopolgebieten. Zwar werden vielerorts noch zwei unterschiedliche Titel angeboten, aber beide mit identischer Lokalberichterstattung.“ So will beispielsweise der Kölner Verlag M. DuMont Schauberg an allen Standorten außer Köln die Lokalredaktionen von Kölner Stadt-Anzeiger und Kölnischer Rundschau zusammenlegen.

Bundesweit stieg der Marktanteil der zehn führenden Verlagsgruppen an der verkauften Tageszeitungsauflage 2014 um 0,2 Prozentpunkte auf 59,3 Prozent. Allein die Top 5 der auflagenstärksten Verlage verkaufen laut FORMATT-Studie 42,9 Prozent der Tagespresse in Deutschland. Auflagen und Werbe-Erlöse sind dabei weiter deutlich rückläufig. Im 1. Quartal 2012 lag die Gesamtauflage der deutschen Tageszeitungen bei 21,355 Millionen Exemplaren. Aktuell sind es laut Studie noch 19,943 Mio., was einem Verlust von 6,6 Prozent entspricht. Vor zehn Jahren lag die Auflage sogar bei 26,284 Mio. Exemplaren. Der bittere Befund: Die Zeitungsbranche hat in den vergangenen zehn Jahren knapp ein Viertel ihrer Auflage verloren.

Ebenfalls rückläufig sind die Werbeerlöse bei Tageszeitungen. Das Boomjahr 2000 markiert den Höhepunkt des Geschäfts mit Anzeigen in Tageszeitungen. Damals erwirtschafteten die Tageszeitungen in Deutschland über 6,5 Mrd. Euro mit Werbung. 2012 waren es noch 3,2 Mrd. und 2013 2,9 Mrd. Aufgrund der zurückgehenden Werbung wurden Vertriebserlöse immer wichtiger für Zeitungsverlage. Früher galt als Faustregel, dass Werbung rund zwei Drittel zum Gesamtumsatz im Zeitungsgeschäft beiträgt, mittlerweile machen die Vertriebserlöse deutlich mehr als die Hälfte aus. Das liegt auch daran, dass viele Verlag mit Preiserhöhungen auf den Werberückgang reagierten. Röper weist allerdings völlig zu Recht darauf hin, dass Preiserhöhungen irgendwann ausgereizt sind: „Preiserhöhungen lösen aber auch Käuferverluste aus. Sie sind also auch riskant und nicht beliebig wiederholbar.“

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