Anzeige

Kommentare null: Das langsame Sterben des Spiegel-Blogs

Buechner-Spiegel.jpg

Die Ankündigung war vielversprechend: "Mit dem Spiegel-Blog wollen wir Ihnen Einblicke in die Arbeit der rund 200 schreibenden Spiegel-Redakteure, 87 Dokumentationsjournalisten und der weiteren Verlagsabteilungen liefern, die allwöchentlich für Sie an der nächsten Magazin-Ausgabe arbeiten“, schrieb der damalige Chefredakteur Georg Mascolo im Herbst 2012. Im Frühsommer 2014 ist die Seite zur Abladestelle für Eigenwerbungstexte zum aktuellen Heft verkommen.

Anzeige
Anzeige

Zum Start ging das Blog mit vielen Vorschusslorbeeren und großem Leser- und Branchen-Interesse online. Tatsächlich gab sich die Redaktion unter der Anleitung von Stefan Niggemeier, der damals noch für das Nachrichtenmagazin arbeitete, redlich Mühe. Der Bildblog-Gründer kümmerte sich zusammen mit Marcel Rosenbach um das neue Projekt. Seine Kurzbeschreibung hinter der Idee: „Im Spiegelblog findet das Gespräch zum Spiegel statt.“

Selbst nach dem Weggang von Niggemeier zurück zur FAS gab es auch weiterhin interessante Einblicke in dem Redaktions-Journal zu lesen. So bloggte beispielsweise Özlem Gezer spannende Hintergründe zu ihrer preisgekrönten Gurlitt-Reportage.

Mittlerweile verbirgt sich hinter der Adresse Spiegel.de/thema/spiegelblog ein Ort der Stille. Seit Wochen gibt es nur noch ein Posting pro Woche, in dem ein Spiegel-Redakteur oder Redakteurin seine oder ihre Lieblingsstorys aus der aktuellen Ausgabe vorstellt. Reine Heft-PR. Resonanz in der Regel: null Kommentare.

Dabei stand doch am Anfang des Blogs die Erkenntnis, dass die Arbeit der Journalisten längst nicht mehr mit der Publikation der fertigen Artikel enden dürfe. Damals schrieb Mascolo: „Wir wollen deshalb hier am Gespräch über unsere Arbeit teilnehmen – etwa indem wir über den Ablauf, aber auch die Folgen und Auswirkungen von Spiegel-Recherchen berichten.“

Anzeige

Ein weiterer Grund für die Einrichtung der Seite war der Trend, dass sich Debatten ins Internet verlagern. „Es ist der Ort, an dem unsere Geschichten der aktuellen Ausgabe zuerst aufgegriffen, analysiert und kommentiert werden. Betroffene melden sich zu Wort, Blogger sezieren Thesen und Argumente, Leserinnen und Leser loben und kritisieren unsere Geschichten.“

Auch wenn Mascolo nicht mehr Chefredakteur des Nachrichtenmagazins ist, trifft seine damalige Analyse heute mehr denn je zu. Trotzdem vegetiert die Unterseite von Spiegel Online längst ein Dasein am Rande des Webs. Ob die Redaktion plant, die weitgehend verwaiste Plattform wiederzubeleben, ist unklar. Eine entsprechende MEEDIA-Anfrage wurde noch nicht beantwortet.

Noch immer heißt es in der Selbstbeschreibung. „Hier im Spiegelblog stellen wir uns der Diskussion, geben Einblicke in die Arbeit der Spiegel-Redaktion und führen Debatten weiter, die der Spiegel ausgelöst hat.“ Könnte das also auch bedeuten, dass es den Hamburgern nicht mehr gelingt, Debatten auszulösen? Da lässt sich der Redaktion fast wünschen, dass das Projekt eher am Desinteresse der rund 200 schreibenden Spiegel-Redakteure, 87 Dokumentationsjournalisten und der „weiteren Verlagsabteilungen“ gescheitert ist.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*