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„Erspart Dir den Klick“ verrät, welche Storys Sie nicht zu lesen brauchen

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Das Traffic-Zauberwort vieler Online-Portale heißt Clickbaits. Info-Happen werden im Social-Web gepostet und versprechen stets einen weit spektakulären Inhalt, als ihn die entsprechende Story tatsächlich bietet. Um die Nutzer vor solchen Link-Mogelpackungen zu schützen gibt es in den USA den Twitter-Account Saved You A Click. Unter "Erspart Dir den Klick" ging nun auch eine deutsche Version online.

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Seit dem Erfolg von Heftig.co diskutiert die Branche über den neuen Headline-Stil, den die Brandenburger geprägt haben. Aktuell heißt es dort gerade: „Dieser Mann half einem obdachlosen Mädchen. Was er dafür bekam, ist das schönste Geschenk der Welt.“

Die Mechanik dahinter ist einfach. Es soll ein maximales Verlangen beim Leser erzeugt werden, auf den Link zu klicken und die Story zu lesen. Immerhin will man wissen, was „das schönste Geschenk der Welt“ ist. Im Fachjargon heißt diese Form mittlerweile auch Clickbait, also „Klick Köder“.

Die ersten Meister dieser Technik waren die US-Portale Buzzfeed und die Huffington Post. Längst setzen aber auch unzählige deutsche Online-Medien auf diesen Stil, wie das Tumblr Heftigstyle zeigt. So arbeitet sogar schon die „heute“-Redaktion des ZDF mit Tweets wie „Uganda stellt Homosexualität unter Strafe. Ihr glaubt nicht, was die Weltbank daraufhin gemacht hat.“

Bei vielen Lesern sorgen die Link-Köder für Ärger, weil die eigentlichen Geschichten oft viel profaner sind, als es die marktschreierischen Social-Web-Ankündigung versprechen. Um diesen Menschen zu helfen, startete der US-Web-Worker Jake Beckman den Twitter-Kanal Saved You A Click. Beckman twittert dabei immer den Köder inklusive der banalen Auflösung. Ein Beispiel. „Money. RT @HuffingtonPost: Married couples fight over THIS more than anything else“. Oder: „Run away. Fast. RT @businessinsider: A former Navy SEAL explains how to escape a dangerous situation.“

Der Nutzen dabei: Die Follower müssen nicht mehr den Link klicken. Sie sparen sich den Klick und werden demnach auch nicht enttäuscht.

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Der Service ist natürlich nicht ganz ernst gemeint. Er nimmt das Clickbait-Phänomen aber wunderbar auf die Hörner und zeigt, zu was für einer Unsitte diese Köder-Technik mittlerweile verkommen ist. Beckmann sammelte damit bereits schon über 65.000 Follower.

Unter Erspart Dir den Klick gibt es jetzt auch eine deutsche Variante. Dort heißt es beispielsweise: „Sie wollte, dass weniger Menschen die Nummer besitzen. @BILD Warum die Kanzlerin Anfang Mai die Handy-Nummer wechselte…“ Oder: „Es wurde eingebrochen. RT @bravomagazin: SCHOCK für MILEY CYRUS! Am Wochenende gab es einen Polizeieinsatz in ihrer Villa. Was ist passiert?“.

Wer der Macher hinter Erspart Dir den Klick ist, ist noch nicht bekannt. Er will wegen des „ganzen Trubels anonym bleiben“. Sein Motivation: „Den Account zu erstellen war ein Experiment. Ich wollte sehen was passiert, wenn man ein erfolgreiches amerikanisches Twitter-Format wie @SavedYouAClick auf die deutsche Medienlandschaft überträgt – die doch weniger vom zumeist den Clickbait-Überschriften nutzenden Boulevard geprägt ist als die USA oder die britische Presse“, erzählt er in einem kurzen Twitter-Interview.

Eine erste Erkenntnis dürfte sein, dass sein Tun durchaus Aufmerksamkeit auf sich zieht: „Die Zahl der Follower ist in nur zwei Tagen auf rund 200 gewachsen, Tendenz steigend. Dazu kommt eine Verlinkung bei „6 vor 9“ auf Bildblog, die sicherlich zum schnellen Wachstum beigetragen hat“. Weiter erzählt der Macher: „Restriktiv zeigte sich hingegen TwitterDE. Mein Account wurde gleich nach den ersten Tweets kurz gesperrt. Angeblich, weil ich „unerwünschte“ @ genutzt hätte. Da hatten wohl gleich mehrere Redakteure keinen Humor und haben mich gemeldet. Es wäre schade, wenn solch ein Angebot in den USA funktioniert und hier willkürlich unterbunden wird.“

Schon jetzt ist aber klar, dass auch die deutsche Version den Clickbait-Trend auf das wunderbarste entlarven. Allerdings schwingt bei solch einer Negativ-Kuratierung, wie es die beiden Twitter-Feeds betreiben, auch immer eine gewisse Portion Arroganz mit. Immerhin sagen sie ja stets klipp und klar, welche Texte man nicht lesen sollte.

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