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Die peinliche Pseudo-Promi-Werbemasche von Lieferheld

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Beim Blick in die heutige Bayernausgabe der Bild werden sich einige Leser über eine Anzeige von Lieferheld.de gehörig erschreckt haben. Die Web-Experten für Bringdienste nehmen den Antritt der Haftstrafe von Uli Hoeneß zum Anlass, eine vermeintlich witzige Anzeige dazu zu platzieren. Für die Berliner ist das keine Premiere und nicht zum ersten Mal ist die Aktion nicht lustig, sondern eher peinlich.

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Das aktuelle Motiv zeigt einen Häftling von hinten, der einen Bayernschal hoch hält, als ob er etwas feiern würde. Dazu stehen an den Wänden Sätze wie „Esst auf, wenn Ihr Bayern seid“ oder „Uli was here!“. Der Claim der Anzeige lautet: „Uli, wir liefern auch nach Landsberg“. Geistreich ist das nicht, auch nicht sonderlich smart oder clever. Das Startup nutzt einfach eine möglichst aufmerksamkeitsstarke Nachricht, um in ihrem Windschatten möglichst weit mit zu segeln. Das ist nicht verwerflich, nur leider machen die Berliner das fürchterlich lieblos. So ähnelt der Protagonist auf dem Hoeneß-Motiv noch nicht einmal dem ehemaligen Bayern-Manager.

Lieferheld

Bereits als Angela Merkel sich Anfang Januar an der Hüfte verletzte, nutze Lieferheld den Unfall für einen kleinen PR-Stunt. Auch damals wurde eine Anzeige geschaltet, inklusive Pressemitteilung. Der Betreff der PM lautete: „Kanzlerin Merkel beweist Humor als bettlägerige Werbefigur“. Diesmal ist die Pressemitteilung mit dem Satz überschrieben „Uli Hoeneß beweist Humor als Neu-Häftling“. Konsequent hätte die Headline dieses Artikels dann eigentlich lauten müssen: „Lieferheld beweist keinen Humor mit dem Schalten seiner Hoeneß-Anzeige“.

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Ähnlich lieblos gehen die Chefs von „Deutschlands führendem Anbieter von Online-Essenslieferungen“ mit ihren eigenen Zitaten um. In der Pressemitteilung zur JVA-Anzeige lässt sich Lieferheld-CEO David Rodriguez mit dem folgenden Satz zitieren: „Uli Hoeneß hat schon oft Sinn für Humor bewiesen, den wird er sicher auch hier zeigen. Und vielleicht steht ihm der Sinn ja wirklich bald nach Abwechslung von der Gefängnis-Kost und bestellt bei uns. Wir sind bereit.“

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Am 9. Januar sagt Niklas Östberg (ebenfalls als CEO von Lieferheld): „Frau Merkel hat schon oft ihren Sinn für Humor bewiesen, den wird sie sicher auch hier zeigen. Und vielleicht bekommt sie ja wirklich Hunger und bestellt… Wir jedenfalls sind bereit.“

Zur Ehrenrettung von Lieferheld sei allerdings auch angemerkt, dass die Hoeneß-Anzeige insofern einen realen Hintergrund hat, als das Lieferheld wirklich in die JVA Landsberg liefern darf.

Das Beispiel Lieferheld zeigt, dass das Nachrichten-Hijacking, also die Entführung eines News-Themas zu Werbezwecken, eine wirklich schwierige Disziplin ist. Richtig gemacht, sorgt selbst eine kleine Anzeige für maximale Aufmerksamkeit. Unangefochtener deutscher Meister dieser Werbegattung ist der Autovermieter Sixt. Viele seiner Motive, die jeweils die aktuelle Nachrichten-Lage inklusive vieler Promi-Opfer aufs Korn nahm, sind längst Kult.

Doch so einfach und improvisiert die viele Sixt-Motive aussehen, scheint es dann doch nicht zu sein. Auch hinter diesen Bildern steckt viel Arbeit und Erfahrung. Die meisten Startups sind jedoch äußerst lernwillig. Deshalb lässt sich hoffen, dass auch Lieferheld noch dazu lernt und schon bald klasse Print-Anzeigen liefert. Wir, die Zielgruppe sind jedenfalls bereit.

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