Anzeige

„Unangemessen sensationell“: Presserat rügt Focus Online

Wegen Schleichwerbung gerügt: Presserat kritisiert Focus Online und Chefredakteur Daniel Steil
Wegen Schleichwerbung gerügt: Presserat kritisiert Focus Online und Chefredakteur Daniel Steil

Diese Nachricht dürfte die Focus.de-Macher nicht so richtig freuen. Liefert sie doch den Kritikern der Seite weitere Munition, die schon länger über zu viel Boulevard in der Online-Ausgabe des Nachrichten-Magazin schimpfen. Der Presserat hat nun gegen das News-Portal eine Rüge ausgesprochen. Ebenfalls eine Rüge geht an Bild Nürnberg.

Anzeige
Anzeige

Die Beschwerdeausschüsse 2 und 3 des Deutschen Presserats rügten Focus.de für die Berichterstattung über einen Überfall in Ecuador. In einem Bus waren dort zwei Männer überfallen und erschossen wurden. Die Redaktion veröffentlichte daraufhin ein Video, auf dem zusehen war, wie eines der Opfer blutüberströmt aus dem Bus stürzte. „Aus Sicht des Ausschusses ist die Darstellung dieser sterbenden Menschen unangemessen sensationell und stellt einen Verstoß gegen Ziffer 11 des Pressekodex dar (Sensationsberichterstattung)“, argumentieren die Medienwächter.

Nach Meinung des Presserates gab es kein öffentliches Interesse an dieser detaillierten Darstellung. Focus.de hatte argumentiert, dass das Video zu Fahndungszwecken der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden sei. Auch dem widersprach der Ausschuss: „Die Täter waren zum Zeitpunkt der Berichterstattung bereits gefasst und der Fahndungszweck war nicht mehr gegeben.“

Ebenfalls öffentlich gerügt wurde auch die Bild Nürnberg. Die fränkische Regionalausgabe hatte über ein laufendes Strafverfahren berichtet und dabei zu viele Informationen über den Angeklagten publiziert. Der Ausschuss sah in der Berichterstattung einen schweren Verstoß gegen Ziffer 8 (Persönlichkeitsschutz) des Pressekodex. „Durch die Fülle der persönlichen Details und das Foto wurde der Angeklagte identifizierbar. Ein überwiegendes Interesse der Öffentlichkeit an der identifizierenden Berichterstattung bestand nicht“.

Anzeige

Daraufhin hatte sich die Zeitung offenbar bei dem Betroffenen schriftlich entschuldigt. „Dass Bild sich zwar bei dem Betroffenen, nicht aber bei ihren Lesern für den Fehler entschuldigt hat, sah der Ausschuss aber nicht als ausreichende Wiedergutmachung im Sinne des Pressekodex an“, schreibt der Presserat dazu.

Zudem sprachen die Medienwächter noch eine Missbilligung gegen eine nicht näher benannte „Online-Ausgabe einer überregionalen Tageszeitung“ aus. Diese hatte zwei private E-Mail-Adressen und einen Nickname von Sebastian Edathy genannt. Der Beschwerdeausschuss sah in der Veröffentlichung der privaten personenbezogenen Daten eine schwere Verletzung des redaktionellen Datenschutzes. Und weiter: „Zudem verstößt die Darstellung gegen die journalistische Sorgfalt bei der Recherche. Denn aus den Unterlagen ging, wie der Artikel einräumt, nicht klar hervor, ob sich der Nickname tatsächlich Edathy zuordnen ließ.“

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*