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Jogis Chaos-Camp: die PR-Desaster-Woche der DFB-Elf

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Schon länger wird der DFB-Elf vorgeworfen, nur noch eine langweilige Gruppe professioneller Fußball-Ich-AGs zu sein, die eine ideale, weil leere Projektionsfläche für Werbepartner biete. Über die braven Buben ohne "echte Typen" wurde ständig geschimpft. Dieses Image ist Vergangenheit. Spätestens nach dem gestrigen Horror-Crash wurde die WM-Vorbereitungswoche der Nationalmannschaft zum PR-Desaster- und Chaos-Camp.

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Nicht nur für das Team von Jogi Löw, sondern auch für Mercedes standen die vergangenen Tage unter keinem guten Stern. Erst musste sich der Bundestrainer, der sonst gerne in unzähligen Ansprachen immer wieder die Vorbildfunktion seiner Kicker hervorhebt, zugeben, dass er seinen Führerschein wegen Geschwindigkeitsübertretungen und Telefonieren am Steuer für sechs Monate abgeben musste. Dabei vergaß kaum ein großes Medium zu erwähnen, dass er meistens in seinem Dienstwagen unterwegs war. Natürlich stammt dieser vom Sponsor Mercedes.

Spiegel Online sprach in Sachen Führerscheinentzug sogar mit dem Verkehrssoziologen Alfred Fuhr. Dieser erklärte: „Als Vertreter des DFB hat er eine besondere Sorgfaltspflicht. Er sollte ein Vorbild sein. Es gibt doch so viele hehre Grundsätze, die er als Fußballer verkörpern soll. Kein Foulspiel, kein Rassismus, null Gewalt – all das sind ja Slogans, die der Sport für sich beansprucht und die zu Herrn Löws Verhalten im Straßenverkehr offenkundig nicht passen“.

Dann folgte der Horror-Crash. Dagegen wirken die anderen Aufreger, wie die Verletztenmisere und Wildpinkler-Affäre oder Sportreporter, die von Nationalspieler in den Pool geworfen werden, wie kleine Lappalien.

Der Unfall passiere am gestrigen Dienstag. Für einen Mercedes-Werbedreh fuhren der Formel Eins-Pilot Nico Rosberg und der DTM-Fahrer Pascal Wehrlein in zwei Autos mit den Nationalspielern Benedikt Höwedes und Julian Draxler über eine abgesperrte Strecke. Weil offenbar eine Frau am Straßenrand Rosberg irritierte, soll der PS-Profi abgebremst haben, was wiederum Wehrlein zu einem Ausweichmanöver zwang. Dabei wurden ein Streckenposten und ein Urlauber verletzt.

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Bei der schwer verletzten Person handelt es sich um einen 63 Jahre alten Urlauber aus Thüringen. Bei ihm besteht der Verdacht auf ein Schädelhirntrauma. Das zweite Unfallopfer ist ein Angestellter der Gemeinde St. Leonhard, der bei der PR-Aktion als Streckenposten eingesetzt war. Er soll mittelschwere Verletzungen an der Wirbelsäule und im Beckenbereich erlitten haben.

Der Unfall war lediglich der Höhepunkt einer Trainingswoche, die überwiegend von Bad News gekennzeichnet ist. Selten lief eine Vorbereitungswoche einer Nationalmannschaft so zerfasert. Bei so viel schlechter Presse dürften die Verantwortlichen immer mal wieder an Andreas Brehme gedacht haben, der solche Pech-Phasen treffend mit „haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß!“ umschrieb.

In Sachen Öffentlichkeitsarbeit bzw. in der öffentlichen Wahrnehmung der Vorbereitungswoche der Nationalmannschaft läuft es nicht. Auch wenn die Medien, frei nach einer alten Fußballerweisheit von Bruno Labbadia zur Zeit alles „hochsterilisieren“, sind die vergangenen Tage eine Ansammlung von Hiobsbotschaften. Labbadias Stürmerkollege Jürgen Wegman hätte auch hier den passenden Sinnspruch zur Hand: „Zuerst hatten wir kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu“.

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