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Schimpftirade aus dem Glashaus: Facebook-Manager übt harte Medienkritik

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Nanu, was war das? Facebooks Produkt-Manager Mike Hudack hat in einem Rant mit dem Journalismus abgerechnet. Qualitätsmedien wären verschwunden, klickgetriebene Listen-Artikel von BuzzFeed & Co. würde den Journalismus dominieren. Bleibt die Frage: Ist nicht gerade das weltgrößte Social Network Schuld am Paradigmenwechsel?

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Welcher Journalismus funktioniert anno 2014? Die Antwort ist simpel: Die schnelle News mit hoher Keyword-Dichte bei Google einerseits, eine möglichst bildreiche Liste („Listicle“) voller Kuriositäten in den sozialen Netzwerken andererseits.

Bizarrerweise hat Mike Hudack, Produktmanager für Werbeanzeigen bei Facebook, damit so seine Probleme. In einem 500-Worte-Rant rechnet Hudack öffentlich auf Facebook mit dem Status quo des modernen Journalismus ab. „Die Abendnachrichten sind ein Witz, Copycat-Fernsehen hat längst seinen Niederschlag (im Print-Journalismus) in Firm von Tabloids gefunden – OK schlägt ‚Time’“, ereifert sich Hudsack.

„Wir bekommen die Erlösung dann mehr oder weniger von Vice“

Doch das ist erst der Auftakt. „Wir suchen die Erlösung im Internet“, findet der Facebook-Produkt-Manager. „Wir hätten sie von der Huffington Post bekommen können, haben es aber nicht. Wir hätten sie von BuzzFeed bekommen können, aber die Homepage sieht aus wie die von CNN, nur größer. Listicles mit ’28 jungen Paaren, die man kennt‘, ersetzen das gekidnappte weiße Mädchen.“ Hudack sieht schwarz.

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„Wir bekommen die Erlösung dann mehr oder weniger von Vice“, gibt sich der Facebook-Produktmanager sarkastisch. „Neben schlüpfrigen Artikeln über Atlantas Stripclubs bekommen wir manchmal etwas über Nordkorea und Donezk zu lesen. Wir feiern diesen Akt journalistischen Muts, weil er heute so rar ist. Vice traut sich, in gefährlichen Gegenden der Welt Gonzo-Journalismus zu betreiben! Vice ist der Retter der Nachrichten!“, bordet Hudacks Sarkasmus über.

Facebook ist ein wesentlicher Faktor des Paradigmenwechsel im modernen Journalismus

Auslöser von Hudacks Abrechnung mit dem modernen Journalismus war ein Artikel im Blog-Konglomerat Vox (The Verge), der am Donnerstag die meisten Abrufe generierte: „Sorry Levi’s, Du bekommst deine Jeans nicht sauber, indem du sie in den Kühlschrank steckst.“ Daraufhin haute Hudack in die Tasten.

Die Ironie des Rants jedoch: Die eigentliche Ursache für eine Entwicklung im Online-Journalismus liegt am Ende im Aufstieg von Facebook zum weltgrößten Social Network selbst. „Meine Wahrnehmung ist, dass Facebook der wesentliche Faktor in allen kritisierten Punkten ist“, merkt Alexis Madrigal von The Atlantic in direkter Erwiderung auf den Post an. Schließlich gilt für Medienmacher im Facebook-Zeitalter: Wer im Newsfeed vorne liegt, bekommt den Traffic.

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