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“Leif trifft …” – wie sich der SWR-Chefreporter an AfD-Lucke abarbeitet

SWR-Chefreporter Thomas Leif (r.), AfD-Chef Bernd Lucke
SWR-Chefreporter Thomas Leif (r.), AfD-Chef Bernd Lucke

Da lief er, der dünne Professor mit dem dünnen Stimmchen und dem großen Rucksack. Bernd Lucke heißt er und er ist Vorturner der Alternative für Deutschland, der “Altparteien”-Schreck der Republik. SWR-Chefreporter Thomas Leif hatte sich für sein neues Format “Leif trifft …” im SWR-Fernsehen an seine Fersen geheftet. Über den AfD-Chef könnte man bestimmt einen erhellenden Film machen. Aber Leif ist Leif - leider. Selbstverliebt und tendenziös wie eh und je will er Lucke vorführen und tut ihm damit unfreiwillig einen großen Gefallen.

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Wenn Thomas Leif zum x-ten mal mit gewichtiger Betroffenheits-Miene Vergleiche zwischen der AfD und rechten Parteien aus anderen Ländern – wie der Front National aus Frankreich – zieht und Bernd Lucke mit zum x-ten mal geduldig widerspricht und Leif wie einem bockigen Kind erklärt, dass er mit diesen Parteien nichts zu tun haben wolle, dann hat man irgendwann Mitleid mit dem dünnen AfD-Professor.

Ach, der Leif. Er ist der Mr. Selbstverliebt des öffentlich-rechtlichen TV. Gegen ihn wirkt sogar der frühere, auch nicht eben für seine Kamerascheue bekannte, NDR-Chefreporter Christoph Lütgert wie ein Ausbund an Bescheidenheit. Es muss teilweise gar nicht so einfach gewesen sein, Thomas Leif in gefühlt 90 Prozent aller Kameraeinstellungen ins Bild zu bekommen. Selbst wenn alte Ausschnitte von Helmut Kohl gezeigt werden, sahen die Zuschauer Leif, wie er diese Ausschnitte am Bildschirm betrachtet. Leif läuft durch Weinberge, Leif fährt Auto, Leif lässt sich im Auto fahren, Leif darf irgendwo nicht rein.

Zum Beispiel zu einem Konzert, das von der Freiburger Uni veranstaltet wurde und bei dem Luckes Sohn im Orchester mitspielt. Die Uni wolle nicht mit der AfD in Verbindung gebracht werden, mutmaßt Leif aus dem Off und steht vor der Tür. Diese Aufnahmen, bei denen das ach so investigative Kamerateam irgendwo nicht reindarf, gehören zum Standard-Repertoire solcher Presenter-Reportagen. Nur sind es normalerweise böse Großkonzerne oder verbrecherische Gesellen, bei denen die Investigativ-Reporter vergeblich klingeln und dann auf das Türschild zoomen. Bei Leif war es halt nur die Freiburger Uni die offenbar keine Lust auf den aufgeblasenen Fernseh-Rummel hatte. Verständlich.

Zwischendurch konnte man glatt vergessen, dass es eigentlich um Bernd Lucke gehen sollte. Leif parlierte mit Politik-Beratern, mit Rainer Brüderle (der von der FDP), mit AfD-Mitgliedern. Leif guckte sich alte Videos an, Leif befragte Menschen mit Cowboyhüten, die auf eine Jagd-Messe gingen, die zufällig neben dem AfD-Parteitag stattfand. Was wollte uns der SWR-Chefreporter denn damit sagen? Leute mit Cowboyhüten wählen eher nicht die AfD? Leif machte dies, Leif machte das. Man fragt sich, wie die Anweisungen an das Kamerateam wohl aussehen. Weist Thomas Leif seine Leute darauf ihn, dass er selbst ständig im Bild sein möchte? Wissen die das schon von selbst? Egal, das Ergebnis spricht für sich.

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Mehrfach pfälzerte Leif aus dem Off etwas davon, dass die AfD nun aber wirklich vor einer Zerreißprobe stehe. Und wenn Lucke dann abwiegelte, bekam er von Leif im Off-Kommentar einfach das Gegenteil unterstellt. Das ist typischer Leif-Style, wie man ihn auch schon in seinem unsäglichen Film “Quoten, Klicks und Kohle” besichtigen konnte, in dem Leif seine Arbeitgeber vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen mit manipulativen Mitteln auf einen Sockel hob.

So besehen konnte Bernd Lucke gar nichts besseres passieren, als zur Zielscheibe des Thomas Leif zu werden. Leifs Unart, Suggestiv-Fragen zu stellen, seine ungebremst zur Schau getragene Eitelkeit und seine tendenziösen Off-Kommentare, die alles Gezeigte mit der Brechstange in Richtung seiner Thesen biegen, erreichen das Gegenteil von dem was er mutmaßlich will. Hier merkt auch der dümmste Zuschauer, dass da einer manipulativ zu Werke geht und es ist nicht Bernd Lucke. Wieso ließ Leif Lucke nicht einfach mal länger reden? Wieso muss er sich in jedes Bild drängeln? Wieso muss jede Aussage von anderen Leuten sofort in sein Leif’sches Weltbild reingezwängt werden? Weil dann zu wenig von Thomas Leif zu sehen wäre?

Für eine der nächsten Folge dieser Reihe wäre der Titel vorzuschlagen “Leif trifft … Leif”. Das wäre dann wenigstens konsequent.

„Leif trifft …“ in der ARD Mediathek

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