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Marseille-Kliniken kneifen vor Gespräch mit „Wallraff“-Reporterin

„Team Wallraff“-Reporterin Pia Osterhaus als „Praktikantin Diana“
"Team Wallraff"-Reporterin Pia Osterhaus als "Praktikantin Diana"

War alles nur eine windige PR-Aktion? Nach der aufsehenerregenden Reportage über Missstände in Alten- und Pflegeheimen im RTL-Format "Team Wallraff", bat die Marseille Kliniken AG die "Wallraff"-Reporterin Pia Osterhaus, die undercover recherchiert hatte, zu einem klärenden Gespräch mit Mitarbeitern ins Pflegehaus Kreuzberg. Osterhaus ging auf das Gesprächsangebot ein, doch seither herrschte von Seiten des Pflegeheims plötzlich Funkstille. Bis auf eine unverschämte Pressemitteilung ...

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Am 13. Mai ließ die Marseille Kliniken AG, die das Pflegehaus Kreuzberg betreibt, über eine PR-Agentur öffentlich eine “Einladung” an die “Team Wallraff”-Reporterin Pia Osterhaus verbreiten. Sie solle am Donnerstag, 15. Mai, um 13 Uhr im Pflegehaus Kreuzberg erscheinen, um dem “empörten” Personal Rede und Antwort zu stehen. Osterhaus hatte sich als “Praktikantin Diana” undercover in das Heim begeben und Filmaufnahmen gemacht, die für eine “Team Wallraff”-Folge bei RTL verwendet wurden. Dabei prangerte sie Missstände an: überlastetes Personal, mangelhafte Hygiene und es gab Hinweise auf tätliche Übergriffe gegen Heim-Bewohner.

Osterhaus reagiert noch am selben Tag auf die Einladung, indem sie sich bereit zum Gespräch zeigte. Sie bat lediglich um einen neuen Termin: “Leider können wir den von Ihnen vorgeschlagenen Termin innerhalb von 48 Stunden nicht möglich machen und melden uns daher in Kürze mit neuen Vorschlägen. Wir vom ‚Team Wallraff‘ kommen gerne zu Ihnen und sicher haben Sie nichts dagegen, wenn auch ein Kamera-Team von uns dabei ist für mögliche Interviews und Drehs vor Ort.” Daraufhin wiederholte das Pflegehaus Kreuzberg nochmals die Einladung für den 15. Mai. In einer Mail an die Reporterin hieß es: „Wir bedanken uns herzlich für Ihre Antwort, beiliegend möchten wir unsere Einladung für den Termin am 15. Mai noch einmal bekräftigen und würden uns über Ihr Erscheinen sehr freuen.“

Auf die Bitte nach einem neuen Termin wurde nicht eingegangen. Pia Osterhaus fragte mehrfach nach und machte sogar einen konkreten Alternativ-Vorschlag: den 22. Mai um 13 Uhr. Sie schrieb an das Pflegehaus: „Falls Ihnen dieser Terminvorschlag nicht entgegenkommt, melden sie sich doch gerne, damit wir gemeinsam einen für alle passenden Zeitpunkt finden können.“ Keine Antwort vom Pflegehaus Kreuzberg. Ebenso ein nochmaliges Nachhaken, ob der Termin nun passe, inklusive der Versicherung, dass man an einem Austausch mit dem Heim und allen Beteiligten sehr interessiert sei, blieb vom Pflegeheim unbeantwortet. Auch eine letzte Bitte, auf den Terminvorschlag zu reagieren oder einen anderen Terminvorschlag zumachen, blieb ohne Reaktion. Die „Team Wallraff“-Reporterin schrieb: „Falls wir nichts von Ihnen hören, müssen wir leider davon ausgehen, dass Ihrerseits – anders als zunächst auch öffentlich angekündigt – nun doch kein Interesse mehr an einem Zusammentreffen besteht.  Dies würden wir sehr bedauern.“

Statt auf die mehrfachen, durchaus konstruktiven Angebote von „Team Wallraff“ auf ein Gespräch einzugehen, stellten die Marseille Kliniken am 16. Mai eine Pressemitteilung online. Überschrift:  „Wallraff-Reporterin kneift vor Pfleger/innen – Ein leerer Platz sagt mehr als tausend Worte“ In der Pressemitteilung heißt es wörtlich: „Bis zur letzten Minute hatten die rund 25 Mitarbeiter des Pflegehauses Kreuzberg in Berlin noch gehofft, dass die Wallraff-Reporterin Pia Osterhaus sich doch noch traut. Doch dem war nicht so. Spätestens um 13 Uhr am Donnerstag, dem 15. Mai, war klar, dass die Dame, die sich als „Praktikantin Diana““ eingeschlichen hatte, nicht einmal ansatzweise den Mut hat, vor die verärgerten und traurigen Mitarbeiter zu treten, um ihnen zu erklären, warum ihr Bericht so einseitig war. Angeblich sei die Einladung für sie „zu kurzfristig“ gewesen, teilte sie mit. Einer anderen Person gegenüber sagte sie hingegen, dass sie „die Handwerker im Haus“ habe und deshalb nicht kommen könne. Na was denn nun, Frau Osterhaus?“ Von den mehrfachen, unbeantworteten Mails und Gesprächsangeboten seitens „Team Wallraff“ erfährt man auf der Presse-Seite der Marseille Kliniken AG nichts.

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Wer hier vor wem kneift dürfte ziemlich klar sein. Dass die Marseille Kliniken AG Pia Osterhaus und „Team Wallraff“ vorwerfen, eine „einseitige“ und „infame“ Reportage erstellt zu haben, klingt angesichts des zur Schau gestellten Kommunikationsgebarens des Klinik-Betreibers wie Hohn.

 

 

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