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WDR-Chef Buhrow und FAZ-Chef Lindner wollen keine Dinosaurier sein

Auf dem Medienforum NRW: WDR-Intendant Tom Buhrow, FAZ-Geschäftsführer Thomas Lindner
Auf dem Medienforum NRW: WDR-Intendant Tom Buhrow, FAZ-Geschäftsführer Thomas Lindner

Medienkonferenzen sind die Gelegenheiten für Verleger, Intendanten und Manager, sich als Versteher des Medienwandels zu präsentieren. WDR-Chef Tom Buhrow nutzte die Chance auf dem Medienforum NRW nach Kräften. Er nimmt einen neuen Anlauf, Kooperationen mit Verlagen einzutüten. FAZ-Chef Thomas Lindner bestätigte derweil einen Verlust für 2013 in Höhe eines "mittleren Millionenbetrags".

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Verlags-Websites sollen künftig bei Live-Events einen WDR-Player integrieren können. „Wir müssen mehr nach Gemeinsamkeiten suchen“, richtete sich der WDR-Chef in einer Rede vor allem an Verlagsvertreter. Das Player-Angebot sei gestern in der Geschäftsleitung beschlossen worden. Ganz neu ist die Kooperationsidee nicht. Beispielsweise die WAZ kooperierte einige Jahre mit dem WDR und zeigte Nachrichtenvideos. Die Zusammenarbeit wurde u.a. im Zuge des Streits um die Tagesschau-App beendet. Nun soll ein neuer Anlauf genommen werden. Der NDR hat bereits ein ähnliches Angebot.

Buhrows Mission an diesem Dienstag in Köln war zu spüren: Der Mann will Verständnis für den WDR, für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk wecken. „Wir sind nicht der Watschenmann“, sagte er mit Bezug auf die immer mal wieder aufwallende Kritik am Rundfunkbeitrag. Keineswegs dürften die Sender beispielsweise die Mehreinnahmen durch das steigende Aufkommen ausgeben, es liege auf Sperrkonten. Und vom WDR und anderen Sendern werde einerseits verlangt, weniger Geld auszugeben, und andererseits solle man immer mehr machen. Das gehe nicht zusammen.

Tatsächlich müsse der WDR sparen, wegen eines „strukturellen Defizits“, sogar „mit dem Rasenmäher“ sparen müsse man, allein in diesem Jahr 50 Stellen abbauen. Das gehe auch auf Kosten der Inhalte, der Budgets in Redaktionen. Und trotzdem investiere man in neue Formate vor allem für junge Zuschauer. In der Mache sei aktuell ein Comedy-TV-Format. „Wir sitzen nicht da wie die Dinosaurier“, sagte Buhrow in seiner munteren Rede. Leider sei bereits jetzt klar: „Das werden keine schönen zehn Jahre.“

Ähnlich hätte das vermutlich auch ein zweiter Hauptredner beim Medienforum NRW formulieren können, FAZ-Geschäftsführer Thomas Lindner. Er bestätigte Berichte, nach denen die FAZ im vergangenen Jahr einen Verlust in Höhe eines „mittleren Millionenbetrags“ gemacht habe. Aktuell hatte das Handelsblatt berichtet. Der Verlust stieg gegenüber dem ebenfalls defizitären Geschäftsjahr 2012. Die FAZ sei ein „extrem solides Haus“, habe früher „Dagobert Duck-mäßige Summen“ verdient, doch Verluste seien über mehrere Jahr hinweg nicht zu tolerieren.

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Lindner forderte einen Mentalitätswandel in Verlagen. Beispielsweise müsse viel mehr Geld für Technik ausgegeben werden. Auch und vor allem bei der FAZ, die über „gute Ideen“, aber nicht über ausreichend gute technische Möglichkeiten verfüge. Die FAZ habe sich im Wettstreit zwischen Geist und Materie immer für den Geist entschieden. Jetzt gelte die Botschaft an Chefs in Verlagen: „Machen sie ihren Digitalchef zum Stellvertreter oder sich zum Stellverteter des Digitalchefs.“

Andere Ratschläge von Lindner: mehr aus den Inhalten machen als bisher, effizienter sein, kosten sparen, innovativer sein. Über Qualität reden, aber nicht so wie bisher. Qualitätsdiskussionen erinnerten ihn an Star Trek. Immer wenn Klingonen das Raumschiff Enterprise angegriffen hätten, habe die Devise „Schilde hoch!“ geheißen. Wenn heute ein Verlagsmensch auf Redaktionen zugehe, um „Geld nicht auszugeben, das man nicht hat“, dann würde der Qualitätsbegriff wie ein Schild hochgehalten.

Die Kostendiskussion, sie müsse anders geführt werden, sagte Lindner in seiner stellenweise unkonventionellen Rede. Unkonventionell, weil offen und nicht mit einer unnötigen Gravitas vorgetragen. Ob Lindner so auch innerhalb des Hauses für seinen Weg werben kann, wird sich zeigen.

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