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Lokal, überregional, alles egal? FR-Chefin Bascha Mika verwirrt mit Interview

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Co-Chefredakteurin der Frankfurter Rundschau: Bascha Mika

"Jeder weiß, dass ich keine Lokalfrau bin, und für den Stillstand bin ich auch nicht zu haben." Markige Worte von Bascha Mika, der ehemaligen taz-Chefredakteurin. Im Interview mit der taz, über ihren neuen Arbeitgeber, die Frankfurter Rundschau. Die hatte sich ja eigentlich einen deutlich lokaleren Kurs verordnet. Frau Mika sieht die FR dagegen als "linksliberales Blatt mit überregionalem Anspruch und starkem regionalen Standbein". Was denn nun?

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Nachdem die FAZ die insolvente Frankfurter Rundschau übernommen hatte, war eigentlich klar, wie die Positionierung der Traditionszeitung sein sollte. Linksliberales Blatt mit starker lokaler und regionaler Ausrichtung, geadelt durch ihre überregionale Bekanntheit. Einen faktischen überregionalen Anspruch musste die FR aufgeben, weil sie ihn sich nicht leisten konnte. Jedes außerhalb von Frankfurt und Umgebung verkaufte Exemplar kostete den Verlag schlicht Geld, er zahlte drauf. Auch darum ging es für die FR unter DuMont und ddvg in die Pleite.

Das ficht Erfolgsautorin Bascha Mika („Mutprobe“) nicht an. Aus ihrer Sicht vermutlich vollkommen zu Recht, denn in der Tat gäbe es keinen Grund, die Journalistin anzuheuern, um mit ihrer Hilfe aus Frankfurts Vorstädten zu berichten. Ihr Co-Chefredakteur Arnd Festerling ist der Kenner der Region, Mika soll offenbar Themen wie die große Politik und die gesellschaftliche Debatte besetzen. Die Frage ist nur, wie und ob die FR ihren „überregionalen Anspruch“ erhalten kann – oder ob es letztlich nur ein behaupteter Anspruch ist, der da von Mika verteidigt wird. Um vielleicht noch ein paar Leser im Bundestag zu behalten, einige Markenkampagnen zu bekommen – und dabei am Rande etwas für das Selbstbewusstsein der Redaktion und das eigene Ego zu tun.

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Eine Kernredaktionsmannschaft von etwa 25 Journalisten arbeitet fest für die Frankfurter Rundschau, dazu kommen, wie auch die taz im Interview mit Mika festhält, fast doppelt so viele Leiharbeiter. Überregionale Inhalte kommen wie bereits vor der Übernahme vor allem von der DuMont-Redaktionsgemeinschaft in Berlin. Insofern spricht Mika von einem überregionalen Anspruch, der mit zugekauften Inhalten aufrecht erhalten wird. Das bedeute ja nicht gleichzeitig eine schlechtere Qualität, sagt sie im Interview. Die Redaktion wähle aus und gewichte, dazu kämen eigene Artikel für den Mantel.

Dass es die FR noch gibt, ist nicht nur ein Verdienst des kühl kalkulierenden Verlags der FAZ. Der die Gelegenheit nutzte und einen Zeitungsnamen günstig erwarb, mittlerweile sogar wieder Geld verdient. Weil er den lokalen und regionalen Zeitungsmarkt in Frankfurt beherrscht. Dass es die FR noch gibt, ist auch und vor allem ein Verdienst der Redaktion, die stark geschrumpft ist. Das soll nicht kleingeredet werden. Doch auch die WAZ, der Kölner Stadt-Anzeiger und die Saarbrücker Zeitung haben einen „überregionalen Anspruch“, weil sie einen Mantelteil mit entsprechenden Inhalten haben, für die sich ihre Leser interessieren. An erster Stelle steht bei diesen Titeln aber die regionale und lokale Positionierung. Zu dieser Gruppe gehört jetzt auch die FR. Darum wäre es für die neue Chefredakteurin so realistisch wie hilfreich, sich ehrlicher zu machen.

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Alle Kommentare

  1. Wie Frau Mika sich in Ihre derzeitige berufliche Position bringen konnte ist mir schleierhaft. Ihre oeffentlichen Auftritte strotzen vor mangelndem Realitaetssinn und dem Unvermoegen, klaren Argumenten sachlich gegenueber zu treten. Sie sollte Ihre Meinung nicht ueber oeffentlich rechtliche Anstalten vertreten duerfen.

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