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Nur wegen guter Quoten: ARD hält an kaputtem „Quizduell“ fest

Bals als Programmierer bei „Verbotene Liebe“? Jörg Pilawa Foto: Das Erste
Bals als Programmierer bei "Verbotene Liebe"? Jörg Pilawa Foto: Das Erste

Auch am dritten Tag sind die Techniker immer noch nicht hinter das Problem der "Quizduell"-App gestiegen. In den beiden ersten Sendungen konnte Moderator Jörg Pilawa die Show nicht so präsentieren, wie Das Erste sie geplant hatte - als Verbindung aus App und TV. Das Konzept ist kaputt, aber die Quoten sind gut. Deshalb geht die Pannenshow "Quizduell" weiter. Ein Armutszeugnis für die ARD.

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Es ist pure Ironie. Als Das Erste im April ankündigte, mit dem „Quizduell“ das Genre der Quiz-Shows revolutionieren zu wollen, sprach der ARD-Koordinator Vorabend, Frank Beckmann, noch davon, dass es so viel Interaktion zwischen Fernsehen und Internet „noch nie gegeben“ habe. Seit Montag ist die neue Show mit Jörg Pilawa im Programm und entwickelt sich zur absoluten Peinlichkeit. Zwar war sich Das Erste des Risikos, ein Social-TV-Quiz zu starten, bewusst und merkte an, dass es sich um ein Experiment handle, „dessen Ausgang keiner vorhersehen kann“. Damit bezog er sich aber sicher nicht darauf, die Show gar nicht erst funktionsfähig auf Sendung gehen würde. Denn bisher konnte der Sender sein Versprechen, dass Zuschauer via App von zuhause aus mitspielen und gewinnen können, nicht einlösen. Die Produktion hat mit der Technik zu kämpfen. Direkt in der ersten Sendung schmierten aus bisher ungeklärten Gründen die Server ab. Erst wollten die Produzenten einen angeblichen Hacker verantwortlich für das Chaos machen. Schon am Dienstag musste Moderator Jörg Pilawa aber zurückrudern und auch „andere Gründe“ zugeben, weil die App immer noch nicht funktionierte.

Und auch am heutigen Mittwoch stehen die Techniker noch immer vor einem Rätsel. Auch heute kann das „Quizduell“ vermutlich nicht wie geplant stattfinden, was es zu einer herkömmlichen Quiz-Sendung macht, bei der Studio-Kandidaten und Studio-Zuschauer mitraten können. Trotzdem hält Das Erste an der Show fest, weil sie bisher ganz ordentliche Quoten eingefahren hat. Auf Nachfrage von MEEDIA erklärt ein Sendersprecher: „Das ‚Quizduell kommt beim Publikum gut an – auch bei den jüngeren Zuschauern.“ Konzept kaputt, Quote gut. Das Erste hält also an einer – nicht nur aus Produzentensicht – Katastrophe fest, weil ein Publikum erreicht wird, das sich nicht so häufig ins Programm verirrt. Dass viele Zuschauer am zweiten Tag vielleicht einfach nur eingeschaltet haben, um zu sehen, ob wieder was schiefläuft – egal. Hauptsache die Quote stimmt einigermaßen. Entspricht das etwa dem öffentlich-rechtlichen Selbstverständnis?

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Für Pilawas „Quizduell“ verbannte Programm-Macher Beckmann die Vorabend-Soap „Verbotene Liebe“ für drei Wochen ins Internet. Zwar lässt die Seifenoper quotentechnisch zu wünschen übrig, funktioniert aber immerhin so wie sie soll. Eigentlich müsste die ARD die längst produzierten Folgen zurück ins Programm holen und das „Quizduell“ so lange pausieren lassen, bis ein reibungsloser Ablauf garantiert werden kann. Gute Quoten allein bedeuten noch lange kein gutes Fernsehen. Die Schwächen der ersten beiden Folgen konnte Pilawa noch mit Charme und Witz überspielen – langfristig kann das keine Lösung sein.

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