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Der Kölner „Tatort“ im MEEDIA-Check: Ballauf und Schenk in Topform

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Dritter Einsatz in diesem Jahr für Ballauf und Schenk. In "Ohnmacht" geht es um Jugendgewalt, jugendliche Feigheit und ein Ermittler-Dilemma. Ballauf wird Zeuge einer Prügelei in einem Kölner U-Bahnhof und wird selbst verletzt. MEEDIA verrät, ob der "Tatort" auch taugt.

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Die Story

Ballauf will nach einem Feierabendbierchen mit seinem Kollegen Schenk mit den Öffentlichen nach Hause fahren. In der U-Bahn-Haltestelle Rathaus wird er Zeuge einer Gewalttat. Ein junges Pärchen schlägt auf einen Nachwuchs-Violinisten ein. Auch Ballauf wird beim Eingreifen niedergeschlagen und sogar vor die einfahrende U-Bahn gestoßen. Ballauf überlebt, das Opfer stirbt kurze Zeit später im Krankenhaus. Wer die Täter sind, ist schnell geklärt. Allerdings können die Ermittler nichts beweisen. Auch, weil Ballauf nicht nach den Vorschriften handelt. Er selbst darf als Zeuge und Betroffener der Tat nicht ermitteln, setzt sich immer wieder über Schenk hinweg. Dass er am Tatabend ein, zwei Bierchen zu viel hatte, erschwert die Arbeit zusätzlich.

Die Story hinter der Story

Gewalt an oder in U-Bahnhöfen sind reale Krimis. Immer wieder kommt es zu Angriffen solcher Art . Die bekanntesten Fälle sind der Angriff mit Todesfolge auf Dominik Brunner im Jahr 2012 sowie der Totschlag von Johnny K., ebenfalls 2012 am Berliner Alexanderplatz. Wie in letzterem Fall bleiben auch die Täter aus dem „Tatort“ bis zu einer gerichtlichen Entscheidung weiter auf freiem Fuß. Im Jugendstrafrecht gibt es „Streicheleinheiten“, wie Ballauf es nennt. Das Thema Jugendgewalt ist brandaktuell, von Angriffen Jugendlicher ist immer öfter zu lesen. Auch Günther Jauch wird sich im Anschluss an den „Tatort“ damit befassen.

Sind die Ermittler in Form?

Ballauf und Schenk melden sich mit einem starken „Tatort“ zurück und sind in Topform. Allein Ballauf neigt dazu, es mit seinen Ausrastern und Emotionen zu übertreiben. Immerhin aber ist er unmittelbar Betroffener. Auch die Vergangenheit seiner Alkohol-Karriere dürfte langsam ausgedient haben. Spannend ist das Verhältnis zur Neuen im Team: Ballauf und Schenk haben eine neue Kriminalassistentin. Frau Haeslich (Lucie Heinze) – die nicht hässlich ist – ist Perfektionistin, vorausschauend (was Schenk gefällt) und vorauseilend (was Ballauf gar nicht gefällt). Die IT-Expertin liefert im Fall aber wichtige Anhaltspunkte und hält den Köln-Cops den Rücken frei – mal sehen, wie lange Frau Haeslich bleiben darf.

Der Satz zum Mitreden, bzw. Mitstreiten

„Moralische Empörung ist von der Axt nur der Griff“ – die zuständige Haftrichterin bezieht sich damit auf Ballaufs hochkochende Emotionen in diesem Fall.

Was taugt das Drehbuch?
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Die Story kann was. Spannend an diesem Fall ist nicht die Suche nach dem Täter – die beiden sind schnell gefunden. Interessant sind die Wendungen im Fall. Immer wenn es scheint, als seien die Ermittler am Ziel, rennen sie gegen eine Wand und brauchen neue Ansätze, um den erfolgbringenden Beweis zu finden. Auch, weil das Thema in der Realität aktuell ist, lässt die Story mitfühlen. Nach den brutalen Szenen im U-Bahnhof wird es aber schnell ruhig. Schauspielerisch überzeugend ist vor allem der Schauspiel-Nachwuchs im „Tatort“. Robert Alexander Baer, der den Raufbold und Täter Kai Göhden spielt, versetzt seinem Charakter eine jugendliche Arroganz und Respektlosigkeit, die beim Zuschauen wütend machen. Auch seine Kollegin und Film-Freundin Nadine Kösters, die als Janine Bertram eine Tochter aus gutem Hause spielt, macht einen tollen Job. Sie wird in ihrer Rolle zu einem blonden Teufel.

Gossip-Schnipsel: Mit dieser Hintergrund-Info können Sie punkten

Zum ersten Mal in diesem Jahr ist die Lieblings-Würstchenbude der beiden Kölner Ermittler zurück – und zum ersten Mal ist die Curry-Wurst ausverkauft. „Tatort“-Fans können die berühmte Ballauf-und-Schenk-Wurst übrigens auch im echten Leben testen. Sie steht aber – anders als im Krimi – nicht mit Panorama-Blick auf den Dom auf der rechten Rheinseite, sondern im neu gebauten Rheinauhafen in Köln. Hier werben die Betreiber mit dem Kölner „Bratort“.

Eher peinlich

Die immer wiederkehrenden Auseinandersetzungen zwischen Schenk und Ballauf. Ohne Reibungen gibt es zwar kein gutes Team – übertreiben muss man es aber auch nicht.

Offene Fragen

Offen bleibt die Frage, wie lange sich die neue Ermittler-Assistentin wohl halten wird. Der Kölner „Tatort“ fahndet schon länger nach einer neuen Franziska-Besetzung.

Fazit

Ein „Tatort“, wie er sein muss. Der Zuschauer ist schnell im Plot, das Thema brandaktuell. Die Kameraeinstellungen unterstützen die Dynamik der Geschichte – der Film handelt schockierend nah an der Realität und zeigt kleine Engel als gewalttätige Monster. Eine tolle Quote für „Ohnmacht“ wäre mehr als berechtigt.

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