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Kiels Ex-OB Gaschke kritisiert „zu viel journalistisches Übermenschentum“

(c) dpa
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Sie war über Wochen und Monate Thema in den Medien, nun äußert sie sich erneut kritisch über die Presse: Die ehemalige Kieler Oberbürgermeisterin Susanne Gaschke prangert in der "taz.am wochenende" ein "journalistisches Übermenschentum" an. Damit schließe sie sich den Äußerungen von FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher an.

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„Seit es unmodern ist, dass Journalisten weltanschaulich identifizierbar sind, greift eine pseudoneutrale Schiedsrichterei um sich, die für jeden, der ihr ausgeliefert ist, unerträglich wird“, schreibt die ehemalige Journalistin in der taz. Es gebe zu wenig unabhängiges Denken in Redaktionen, zu viel würde abgeschrieben, auch Falsches. „Es gibt zu viel Verschmelzung von Nachricht und Kommentar.“ Ferner wirft die über eine Steueraffäre gestolperte Politikern den Journalisten „Wehleidigkeit“ vor: „Jede Kritik an Journalisten ist ein Angriff auf die Pressefreiheit.“ Sie sehe die Medienkritik als einen „einzigen Ausweg“.

Der 46-Jährigen wird vorgeworfen, rechtswidrig einem Steuerdeal in Millionenhöhe mit einem Augenarzt zugestimmt zu haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelte wegen des Verdachts der Untreue in besonders schwerem Fall. Mit ihrer Journalisten-Schelte wiederholt sie die Kritik während ihrer Abschiedrede im Oktober 2013: „Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass es hier nicht um 21 tote Menschen wie bei der Duisburger Love Parade geht, obwohl unsere monopolistische Stadtzeitung beide Ereignisse infamerweise in Zusammenhang gestellt hat.“

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Seit 1997 war Gaschke als Redakteurin der Zeit für die Rubrik „Junge Leser“ zuständig. 2011 wurde sie Herausgeberin des Kindermagazins Leo der Zeit. Im November 2012 wechselte die Journalistin in die Politik und wurde zur Oberbürgermeisterin von Kiel gewählt.

Auch SZ-Investigativchef Heribert Prantl äußert sich in der taz zur Kritik an der vierten Gewalt: „Die Mediengewalt wird bisweilen müde, sie schläft ein; dann fährt sie wieder hoch, schreckt auf, haut um sich; sie erregt sich über Skandale, die keine sind; wirkliche Skandale erkennt sie des Öfteren nicht.“ In der Causa Wulff hätte es schon gemessen an der Frequenz der Berichte eine Form von Gewalttätigkeit gegeben. „Es geht um Aufklärungsmacht, nicht um Vernichtungskraft.“

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