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Die „Spiegel-Affäre“ als TV-Film: Die Rock’n’Roller des Rudolf Augstein

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Am Mittwochabend prallen im Ersten Rudolf Augstein und Franz-Josef Strauß aufeinander. Wer die "Spiegel-Affäre" nicht schon am Freitag auf Arte gesehen hat, sollte das heute nachholen. Warum? Weil's gut gemachtes Zeitgeschichte-TV ist. Journalisten im TV sind und bleiben Klischeefiguren, werden aber in diesem Fall vielschichtiger als anderswo dargestellt.

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Journalisten trinken schon tagsüber, rauchen wie die Schlote, ziehen durch die Betten und sind immer knallhart der nächsten großen Story auf der Spur. Ja, auch in der „Spiegel-Affäre“ wird dieses Bild vermittelt. Und zutreffend wurde auf die Anleihen verwiesen, die Drehbuch (Johannes Betz) und Regie (Roland Suso Richter) bei „Mad Men“ genommen haben.

Der Film, produziert fürs Erste von Gabriela Sperl, ist zugespitzt auf das Duell zwischen Rudolf Augstein und dem damaligen Verteidigungsminister Franz-Josef Strauß. Sebastian Rudolph (Augstein) und Francis Fulton-Smith (Strauß) spielen diese Männerfeindschaft ausgezeichnet. Vor allem dem oft eher leichten TV-Stoffen zugewandten Fulton-Smith hätte man die Rolle des bulligen Strauß nicht ohne weiteres abgenommen – er überzeugt.

Die Charaktere sind vor allem interessant erzählt, weil sie nicht eindimensional daherkommen. Der als dunkle Figur gesetzte Strauß ist nicht nur der Kriegstreiber, die Dampfwalze – er ist eben auch Vater, manchmal von Zweifeln geplagt. An einer Stelle des Films sagt er zu Augstein: „Was haben Sie eigentlich gegen mich als Mensch?“ Da weicht Augstein aus, redet sich heraus mit Terminen.

„Wundschießen“ wolle er den Strauß, verhindern, dass der CSU-König auch noch Kanzler wird. Drohe doch mit Strauß ein atomarer Krieg, ein beispielloses Aufrüsten. Im Jahr 1962 waren diese Gefahren real. Wer Augstein in der Sache nicht unterstütze, heißt es an einer Stelle, der könne „gleich zu Burda gehen und Schnittmuster klöppeln“. Ja, so ging’s zu beim Spiegel. Nicht, sagt Augstein-Tochter Franziska. In der Süddeutschen schrieb sie, solch ein Spruch sei „gestrickter Quark“ gewesen. Zumal die Redakteure in Wahrheit „nicht so keck“ wie im Film gewesen seien.

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Die ins Drehbuch geschriebene Keckheit – daran mitgewirkt hat übrigens der Ex-Spiegel-Chef Stefan Aust – bekommt natürlich dem unterhaltenden Element des komplex erzählten Films. Mal schnell 10 Minuten eine Pizza holen geht eigentlich nicht. Da ist es freilich um so besser, wenn es zwischendurch von Spiegel-Mann Leo Brawand (der im Wandschrank saß) tönt: „Was wir hier machen ist Rock’n’Roll!“

„Dafür interessiert sich ja keiner“, sagt Film-Augstein enttäuscht, als er das Manuskript von Conrad Ahlers zur legendären „Bedingt abwehrbereit“-Story gelesen hat. „Langweiliger Schwachsinn“ sei die Geschichte gar. Von der Verfilmung der Folgen, die dieser vermeintlich langweilige Text für den Spiegel sowie Presse und Politik in Deutschland hatte, lässt sich das zum Glück ganz und gar nicht behaupten.

Die „Spiegel-Affäre“ läuft am Mittwochabend um 20.15 Uhr im Ersten. Im Anschluss eine Dokumentation. Hier eine Themenseite zur Affäre.

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