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Tanzen, daten, kotzen: „Markus Lanz“ als Resterampe für RTL-Promis

Trash-Promis bei „Markus Lanz“: Weshalb so viel RTL im ZDF-Programm?
Trash-Promis bei "Markus Lanz": Weshalb so viel RTL im ZDF-Programm?

Kein vergleichbares TV-Talk-Format findet in der Berichterstattung so viel Beachtung wie die ZDF-Sendung "Markus Lanz" - auch schon vor der Übernahme von "Wetten, dass..?" durch den Moderator. In den vergangenen Wochen wurde der Talk aber immer stärker zur PR-Maschine für einen Konkurrenz-Sender. "Markus Lanz" entwickelte sich zur Resterampe für RTL-Promis.

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Mit „Markus Lanz“ hat das ZDF eine Boulevard-Talk-Show in der deutschen TV-Landschaft etabliert. Kein vergleichbares Format erfährt in der Berichterstattung so viel Aufmerksamkeit.

Allein in diesem Jahr sorgte Lanz für viel Zündstoff – allerdings meist negativ. Da war das misslungene Interview mit Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht, auf das eine Online-Petition gegen den Moderator und seinen Stil folgte. Lanz‘ Talk war zwischenzeitlich so populär, dass sogar die Nackt-Protestantinnen der Femen seine Sendung stürmten. Jüngst wurde Lanz kritisiert, weil er den CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer wegen seiner Dissertation angeblich zu hart angegangen sei (Scheuer hat seinen Doktor in Prag gemacht und darf hierzulande den Titel nicht überall tragen, weshalb er ihn abgelegt hat).

Für Medien liefert „Markus Lanz“ aber vor allem Futter, weil die Sendung viel C-Promi-Stoff liefert – auffälligerweise meist vom ZDF-Konkurrenten und Lanz‘ Ex-Sender RTL. Seit Januar entwickelt sich der ZDF-Talk zu so etwas wie einer RTL-Resterampe, auf der Promis aus Dschungelcamp, „Bachelor“ oder „Let’s Dance“ fleißig die Werbetrommel für die Shows und eigene Projekte rühren dürfen. Bei Lanz sitzt fast nur, wer gerade ein Buch, einen neuen Film oder ein neues Comedy-Programm an den Start gebracht hat. Oder eben gerade aus einer RTL-Produktion kommt. Der Talk ist eine Einladung zur hemmungslosen Promotion.

Ein Drittel der Sendungen mit RTL-Prominenz

Allein in diesem Jahr sendete Lanz jede Woche rund drei Ausgaben seines Talks – bis zum gestrigen Mittwoch 48 Episoden. In den ersten vier bis sechs Wochen dieses Jahres gab es bei Lanz gefühlt nur ein, maximal zwei Themen: „Wer denkt was über das Dschungelcamp?“ und „Welches Frauenbild vermittelt eigentlich der Bachelor?“. Ein Blick auf die Gästeliste bestätigt den Eindruck: Von Januar bis Ende April saßen in fast einem Drittel aller Sendungen C(asting)-Prominente von RTL. Immer kurz vor einem Staffelstart (Lilly Becker, Joachim Llambi für „Let’s Dance“), während einer laufenden Staffel (Jan Kralitschka, Monica Ivancan für „Der Bachelor“ sowie Peer Kusmagk, Olivia Jones oder Fiona Erdmann für „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“) oder nach einer Staffel. Besonders nach dem Dschungelcamp von RTL entstand der Eindruck als hätte das halbe Zeltlager einen Direktflug von Australien nach Hamburg genommen, um bei „Markus Lanz“ von den Erfahrungen zu berichten (darunter Winfried Glatzeder, Gabriela „Gabby“ Rinne, Melanie Müller, Larissa Marolt). Larissa Marolt durfte dann auch gleich ihre Teilnahme bei RTLs Tanzformat „Let’s Dance“ promoten.

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Weshalb setzen die „Markus Lanz“-Produzenten in ihren Sendungen so sehr auf RTL? Wirft der eigene Sender zu wenig interessante Persönlichkeiten ab? Traut sich der Moderator nach dem Wagenknecht-Ausrutscher nicht mehr an politische Themen? Versprechen sich die Macher durch solche Gäste von Quotengiganten wie dem Dschungelcamp zu profitieren? Wahrscheinlich von Allem ein bisschen. Seitens der Produktionsfirma Fernsehmacher, beziehungsweise Mhoch2 (Produktionsfirma von Markus Lanz und Markus Heidemanns) heißt es, bei „Markus Lanz“ werde eine „breite Themenvielfalt“ abgedeckt. „Bei der Auswahl der Gäste spielt die Senderzugehörigkeit keine Rolle“, so Sprecher Sven Hegner. Dass unter den bisher 250 Gästen in 2014 laut Produzentenangaben „fast sechs Prozent“ Gäste aus dem RTL-Programm gewesen sind, sei „wenig überraschend“. Tatsächlich talkt bei Lanz auch mal Prominenz von beispielsweise ProSieben. Mit Moderator Klaas Heufer-Umlauf, „Germanys Next Topmodel“-Juror Thomas Hajo oder auch Ex-Topmodel-Kandidatin Tessa, verhältnismäßig weniger, als RTL-Personal.

Die Verantwortlichen von RTL können sich schon mal auf weitere Sendezeit im ZDF freuen. In dieser Woche empfängt Markus Lanz Investigativ-Journalist Günter Wallraff, der in Zusammenarbeit mit einem seinen Reporter-Schützlingen vor zwei Wochen mit einer Zalando-Reportage für Aufregung sorgte und erst am Montag mit einer neuen Folge von „Team Wallraff“ das Tagesthema Burger King setzte. Das ist zwar kein Trash-TV aber auch die beiden Wallraff-Reportagen liefen bei RTL.

 

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