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Nazi-Posse als Zeilenfutter: die Bild und ihr Heino-Maskottchen

Heino (l.), Jan Delay, Bild-Zeitung
Heino (l.), Jan Delay, Bild-Zeitung

Die Bild-Zeitung und Heino - da haben sich zwei gefunden. Am heutigen Donnerstag hat die Bild wieder mal eine Heino-Zeile im Angebot: “Nazi-Streit um Heino”. Es geht darum, dass der Musiker Jan Delay Heino in der österreichischen Presse als “Nazi” bezeichnet hat. Bestes Schlagzeilenfutter. Heino und die Bild sind mittlerweile ein eingespieltes PR-Gespann.

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Zugegeben: Jan Delays Interview in der österreichischen Presse ist eine Steilvorlage. Der Hamburger Musiker regt sich darüber auf, dass Heino ein Lied von ihm gecovert hat und dann bezeichnete er ihn auch noch als Nazi: “Das war wirklich schlimm. Wir haben extra nichts gesagt, weil wir ihm kein Forum geben wollten. Alle sagten plötzlich: Ist doch lustig, ist doch Heino. Nee, das ist ein Nazi. Das vergessen die meisten Leute, wenn die Leute über Heino reden. Der Typ hat in Südafrika während der Apartheid im Sun City gesungen. Und sein Repertoire: ‘Schwarzbraun ist die Haselnuß’, Soldatenlieder… Es ist schrecklich, wenn so jemand einen Song von dir singt.”

Während des Apartheid-Regimes in Südafrika (Rassentrennung), galt es unter Musikern als verpönt, Konzerte in dem Freizeitkomplex Sun City zu geben, der der weißen Bevölkerung vorbehalten war. Der Bild sagte Heino dazu: „Ich habe meinen Rechtsanwalt beauftragt, mit allen rechtlichen Mitteln gegen Herrn Delay vorzugehen.“ Heinos Anwalt bestätigt: „Wir haben gegen Jan Delay Strafanzeige wegen des Verdachtes der Beleidigung, übler Nachrede und Verleumdung gestellt.“ Da muss sich der Herr Delay nicht wundern, dass die Bild und die Staatsanwaltschaft auf der Matte stehen, wenn er Heino einen Nazi nennt.

Die Nazi-Posse passt zur endlosen Dauerberieselung der Bild mit Heino-Stories. Wenn nichts mehr geht, Heino ist bei Bild immer für eine Story gut. Das Heino-Festival in der Bild-Zeitung nahm im vergangenen Jahr richtig Fahrt auf, als Heino das Album “Mit freundlichen Grüßen” veröffentlichte. Darauf coverte er Lieder von bekannten Pop- und Rockstars, u.a. Rammstein, die Ärzte und eben Jan Delay.

Seither protokolliert Bild eifrig und notorisch begeistert jeden Schritt, den “Neu-Rocker” Heino unternimmt. Kurz nach dem Start des Albums fabulierte die Bild etwas vom “Rockerkrieg gegen Heino”, weil angeblich die Bands Rammstein und die Ärzte gegen Heinos Platte “auf die Barrikaden” gingen. Danach fantasierte die Bild etwas von Heinos “verbotenem Album”. Der Torten verkaufende Karamba-Karacho-Sänger – plötzlich war er ganz verrucht. Die Bild störte es auch nicht, als Rammstein und die Ärzte erklären ließen, dass an den Meldungen überhaupt nichts dran sei. Rammstein bezeichnete die Bild-Berichte vom “Rockerkrieg” als “Lug und Trug”. Allerdings taten sich die bösen Rocker-Buben später auch mit Heino zusammen und wurden dafür mit Bewienerungen in der Bild entlohnt.

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Für Heino und sein  Album war das alles beste PR. Und die Heino-Festspiele in der Bild gehen seither heiter weiter. Hier ein Auszug aus den vielen, vielen, vielen Heino Stories der Bild: “Nach Album Zoff – In Hamburg lernt Heino das Rocken”, “Ganz Deutschland hört ihn rocken – Heino bricht Download Rekord”, “Heino: Mick Jagger machte mich zum Rocker”, “Heino rockt die Bild-Party”, “Heino ist jetzt King of Rock”, “Nach Kritik von Sänger Campino – Heino attackiert die Toten Hosen”, “Scorpions kneifen vor Heino”, “Heino über Proll-Rapper Bushido: ‘Der Mann muss dringend gestoppt werden’”, “Heino: So war meine Nacht mit Rammstein”, “Erst Barkassenfahrt, dann Beachclub – Heino chillt in Hamburg”, “Privatdetektive engagiert! Heino sucht seinen besten Freund Ralf Bendix”, “Schlager-Legende stellt Back-Buch vor: Hier verrät Heino seine süßesten Geheimnisse”, “Brille gegen Maske – Heino fordert Cro heraus!”, “Heino beim Tokio Hotel Friseur”, “Heino rockt den Dom”, “Heino im Live Konzert: So cool rockt er das Wohnzimmer”, “Heino singt Rammstein in der Kirche”, “Die 7,5 irrsten Dinge, die Sie nicht über Heino wussten”, “Nach Attacke von Bushido: Heino rappt zurück

Und das ist – wie gesagt – nur eine Auswahl.

Entweder Heino sagt Irgendetwas zu einem Thema, zu dem er von der Bild angerufen wird. Oder Heino stellt sich für Gaga-Interviews und Foto-Shootings zur Verfügung. Oder Heino inszeniert zusammen mit der Bild Reibereien mit anderen, gerade angesagten Musikern. Oder Heino tritt auf Bild-Veranstaltungen auf, die er dann zu “rocken” pflegt. Man könnte den Eindruck gewinnen, dieser Heino ist ein ständiger Mitarbeiter der Bild-Zeitung.

So gesehen ist es natürlich kein Wunder, dass die Bild den Nazi-Spruch Jan Delays über ihr Lieblings-Maskottchen Heino zum Anlass genommen hat, gleich eine ganze Reihe von Artikeln abzufeuern. Für Bild und Heino ist das eine so genannte Win-Win-Situation. Heino – dessen musikalisches Repertoire eher überschaubar ist – bleibt bestens im Gespräch und die Bild hat was zu schreiben. Heino kennt schließlich fast jeder. Man könnte auch sagen: Heino ist in dem berühmten Bild-Fahrstuhl bis ins oberste Stockwerk gefahren. In welche Richtung es danach gehen könnte, kann sich jeder selbst ausrechnen.

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