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„Tierquäler“-Anzeige: Uni wirft FAZ & Co. Verletzung der Menschenwürde vor

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Die Uni-Bremen ist sauer auf die FAZ, die Zeit, den Tagesspiegel und den Weser Kurier. In einem offenen Brief kritisiert der Universitäts-Direktor Bernd Scholz-Reiter, dass die Zeitungen eine ganzseitige Anzeige der Tierversuchsgegner Bundesrepublik Deutschland druckten, in der der Bremer Affenforscher Andreas Kreiter scharf kritisier wird. Tatsächlich ist die Anzeige heftig – aber kein Fall für den Werberat.

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In der Anzeige wird unter der Überschrift „Kreiter macht eiskalt weiter“ unter anderem sehr detailliert beschrieben, wie der Forscher vermeintlicherweise vorgeht. „Zuerst wird den hochentwickelten Tieren der Schädel aufgefräst und operativ eine Haltungsvorrichtung angebracht, um den Kopf später fixieren zu können, sowie Öffnungen für das Einführen von Elektroden angelegt. „Danach bekommen die Tiere eine Kappe aus medizinischem Zement, die mit den Schrauben verbunden ist und einen Bolzen enthält“, schildert Kreiter in einem Interview selbst. Nach dem operativen Eingriff wird ihr Schädel in einem sog. Primatenstuhl (einem Plexiglasgestell) festgeschraubt, so dass eine Bewegung des Kopfes ausgeschlossen ist“.

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Das ist harter Tobak und dürfte bei vielen Lesern der Zeitung kaum für viel Freude am Frühstückstisch bei der Morgenlektüre sorgen.

In seinem offenen Brief schreibt nun aber Scholz-Reiter, dass in „der Anzeige eine Fülle unwahrer Behauptungen aufgestellt“ würden. „So werden die anerkannten und im wissenschaftlichen Wettbewerb um Forschungsmittel ständig überprüften und begutachteten Methoden von Professor Kreiter als antiquiert und pseudowissenschaftlich diffamiert. Die Universität Bremen verwehrt sich nachdrücklich gegen diese Unterstellungen.“

Nach Meinung des Uni-Chef wird in der Anzeige Kreiter in seiner Menschenwürde angegriffen und das „Menschsein abgesprochen“. Damit sei die Grenze zulässiger öffentlicher Meinungsbildung und -äußerung überschritten.

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Deshalb wendet sich Scholz-Reiter direkt an die Zeitungen, die die Anzeige druckten: „Die Verantwortung für diesen Angriff auf die Menschenwürde ist nicht nur eine Frage an den im Sinne des Presserechts Verantwortlichen, also den Auftraggeber der Anzeige. Die Frage nach der ethischen Verantwortung geht in einem solchen Fall auch an Sie als Verantwortliche, die diese Anzeige angenommen und veröffentlicht haben.“

Sein offener Brief endet mit dem Appell an die Zeitungen künftig Anzeigen, die „ganz offensichtlich die Menschenwürde von Personen verletzen, nicht mehr anzunehmen“.

In der Bild äußerte sich Kreite. Auf die Frage, ob er ein Tierquäler sei, antwortete er: „Nein, natürlich nicht! Nur ein Makake, der sich wohlfühlt, kann auf unsere komplizierten Verhaltensaufgaben dressiert werden. Alle Eingriffe erfolgen wie beim Arzt oder beim Tierarzt. Wir arbeiten mit den Tieren unter Vollnarkose und vermeiden Schmerzen.“ Die Anzeigen-Kampagne bezeichnete er als „dümmlich“.

Sanktionen oder anderen Ärger müssen FAZ, Zeit & Co. allerdings nicht befürchten. Wie Radio Bremen berichtet, sind beim Deutschen Werberat zu diesem Fall zwar bereits drei Beschwerden eingegangen. Der allerdings ist nach eigenen Angaben nicht zuständig, weil es sich bei der Anzeige nicht um Werbung handelt.

Die Tierversuchsgegner wollten ihre Anzeige auch in der Süddeutschen Zeitung schalten. Diese lehnte die Anzeige allerdings ab.

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