Die große IVW-Analyse der Zeitungsauflagen

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Publishing Die Quartalsauflagen der deutschen Zeitungen zeigen auch diesmal nur sehr wenige kleine Lichtblicke. Für fast alle Titel geht es weiter nach unten, Wachstum ist nur bei den ePaper-Ausgaben zu sehen. Bei den Überregionalen verlieren Bild, F.A.Z. und Neues Deutschland besonders heftig. Einzige Gewinner ohne Sondereffekte: der Westfälische Anzeiger aus Hamm und das Handelsblatt.

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Beginnen wir unseren großen Blick auf die deutschen Zeitungsauflagen mit den Regionalblättern. In Berlin hat sich die B.Z. wieder an der Berliner Zeitung vorbei geschoben. Das kleine Minus von 0,7% täuscht allerdings etwas über die Realitäten bei Springers Boulevardblatt hinweg, denn es kam insbesondere durch 5.000 zusätzliche sonstige Verkäufe zustande. In den harten Kategorien Abo und Einzelverkauf ging es hingegen um mehr als 6.000 nach unten. Ähnlich sieht es beim Tagesspiegel aus: Ohne die 3.800 zusätzlichen sonstigen Verkäufe gäbe es auch hier ein Minus. Richtig bitter läuft es beim Berliner Kurier, der inzwischen deutlich unter der 90.000er-Marke angekommen ist.

In den anderen östlichen Bundesländern sieht es für alle großen Regionalzeitungen ähnlich aus: Sie büßen zwischen 1,9% (Ostsee-Zeitung und Volksstimme) und 3,5% (Leipziger Volkszeitung und Zeitungsgruppe Thüringen) ein. 2,0% verloren hat der Weser-Kurier in Bremen, deutliche 4,2% und 5,3% das Hamburger Duo Abendblatt und Morgenpost. In Hamburg schrumpft die Zahl der Zeitungskäufer damit weiter deutlich überdurchschnittlich.

IVW 2014/I: Die größten Regionalzeitungen (Teil 1)
Platz Titel / Belegungseinheit verkaufte Auflage*
2014/I vs. 2013/I in %
Berlin
1 B.Z. 129.982 -956 -0,7
2 Berliner Zeitung 120.912 -8.868 -6,8
3 Der Tagesspiegel 112.350 1.667 1,5
4 Berliner Morgenpost 108.605 -4.650 -4,1
5 Berliner Kurier 86.690 -6.160 -6,6
Brandenburg
1 Märkische Allgemeine Gesamt 126.983 -4.157 -3,2
2 Märkische Oderzeitung Gesamt + Oranienburger Generalanzeiger + Ruppiner Anzeiger + Gransee-Zeitung 99.983 -3.466 -3,4
Mecklenburg-Vorpommern
1 Ostsee-Zeitung Gesamtausgabe 138.880 -2.712 -1,9
Sachsen-Anhalt
1 Mitteldeutsche Zeitung Gesamt Sachsen-Anhalt Süd MZ-Gesamt + Naumburger Tageblatt 205.688 -5.964 -2,8
2 Volksstimme Gesamt 184.467 -3.668 -1,9
Sachsen
1 Freie Presse Gesamt 255.807 -7.720 -2,9
2 Sächsische Zeitung 010 Gesamt 240.650 -7.435 -3,0
3 Leipziger Volkszeitung Gesamt 200.257 -7.263 -3,5
Thüringen
1 ZGT Thüringen Gesamtausgabe (TA+TLZ+OTZ) 274.258 -10.002 -3,5
Bremen
1 Weser-Kurier Gesamtausgabe 158.974 -3.302 -2,0
Hamburg
1 Hamburger Abendblatt 192.356 -8.384 -4,2
2 Hamburger Morgenpost 92.038 -5.126 -5,3
Daten-Quelle: IVW / Tabelle: MEEDIA

Vier vermeintliche Gewinner gibt es im zweiten Teil der Übersicht. Doch auch hier hat das fast komplett mit Sondereffekten zu tun. So wuchs die sh:z in Schleswig-Holstein wegen 3.000 zusätzlicher sonstiger Verkäufe, die mrw Mediaregion Ruhrgebiet/Westfalen wegen 2.100. Bei der Vermarktungs-Kombi RheinMainMedia ging es um 35,4% nach oben, weil im vergangenen Jahr die Frankfurter Rundschau noch nicht mitgezählt wurde. Als einziger tatsächlicher Aufsteiger bleibt der Westfälische Anzeiger aus Hamm übrig, der abzüglich von 1.350 sonstigen Verkäufen tatsächlich über dem Vorjahr landet – und das sowohl bei den Abos, als auch bei den Einzelverkäufen. Irgendetwas wird also richtig gemacht in Hamm.

Große Verluste verzeichnet hingegen weiter die Funke-Mediengruppe mit WAZ, NRZ, WP, WR und IKZ. Fast 60.000 weitere Käufer gingen verloren – ein Minus von 8,5%. Auch der Express gehört mit einem Minus von 5,5% zu den großen Verlierern des Quartals, ebenso die Braunschweiger Zeitung in Niedersachsen und das Aachener Duo mit Verlusten von 4,0% bzw. 4,4%.

IVW 2014/I: Die größten Regionalzeitungen (Teil 2)
Platz Titel / Belegungseinheit verkaufte Auflage*
2014/I vs. 2013/I in %
Niedersachsen
1 HAZ-Wirtschaftsraum Hannover 413.821 -10.053 -2,4
2 Nordwest-Zeitung/Zeitungsregion Nordwest 277.837 -4.233 -1,5
3 Neue Osnabrücker Zeitung/ Zeitungsgruppe Südwest-Niedersachsen 276.512 -508 -0,2
4 Braunschweiger Zeitung Gesamtausgabe 144.785 -5.987 -4,0
Schleswig-Holstein
1 sh:z Gesamtausgabe 205.818 1.324 0,6
2 Kieler Nachrichten GAK Gesamt 98.190 -1.542 -1,5
3 Lübecker Nachrichten Gesamt 94.588 -1.835 -1,9
Nordrhein-Westfalen
1 Funke-Mediengruppe Funke-Medien-G (WAZ+NRZ+WP+WR)+IKZ 634.547 -59.181 -8,5
2 Rheinische Post Gesamt 325.888 -10.328 -3,1
3 Zeitungsgruppe Köln Abozeitungen Gesamt (Kölner Stadtanzeiger/Kölnische Rundschau) 299.891 -7.700 -2,5
4 mrw Mediaregion Ruhrgebiet/Westfalen Gesamtausgabe 1000 266.826 1.112 0,4
5 Zeitungsgruppe Neue Westfälische Gesamt 501 234.374 -5.260 -2,2
6 ZGM Ztg-Gr Münsterland 217.695 -2.978 -1,3
7 Zeitungsgruppe Köln Express Gesamt 155.171 -9.023 -5,5
8 WA-Westfälischer Anzeiger Gesamtausgabe 135.899 2.359 1,8
9 Westdeutsche Zeitung plus Gesamt 134.564 -3.492 -2,5
10 Westfalen-Blatt Gesamtauflage 117.520 -1.533 -1,3
11 Aachener Zeitung/Aachener Nachrichten Gesamt 114.699 -5.307 -4,4
Hessen
1 RheinMainMedia Gesamt 220.475 57.619 35,4
2 HNA Regional Hessen+WLZ/FZ 179.652 -6.367 -3,4
Daten-Quelle: IVW / Tabelle: MEEDIA

Vergleichsweise zart sind die Verluste auch diesmal im Süden der Republik: In Baden-Württemberg und Bayern verzeichnen die meisten Titel Verluste von weniger als 2%, einige sogar von weniger als 1%. Die Auflage der kriselnden Abendzeitung wuchs sogar um 5,9% – allerdings auch hier nur wegen 8.300 neuen sonstigen Verkäufen, die der Zeitung kaum Geld in die Kassen spülen. Vergleichsweise besser sieht es beim Konkurrenten TZ aus. Zwar liegt auch er abzüglich des Plus bei den Bordexemplaren unter dem Vorjahr, allerdings nur leicht. Im Einzelverkauf ging es hier sogar um 0,8% nach oben – eine ungewöhnlich gute Entwicklung für eine Boulevardzeitung.

Deutlich nach unten ging es hingegen für die Rhein-Zeitung, vor allem wohl wegen der rund 7.000 weggefallenen Verkäufe der eingestellten Mainzer Rhein-Zeitung. In Baden-Württemberg verlor der Mannheimer Morgen überdurchschnittlich stark und im Saarland ging es für die Saarbrücker Zeitung um mehr als 4% bergab.

IVW 2014/I: Die größten Regionalzeitungen (Teil 3)
Platz Titel / Belegungseinheit verkaufte Auflage
2014/I vs. 2013/I in %
Rheinland-Pfalz
1 Die Rheinpfalz Gesamt inkl. Pirmasenser Zeitung 231.313 -4.229 -1,8
2 Rhein-Zeitung Gesamt 188.524 -11.574 -5,8
3 Rhein-Main-Presse Rheinland-Pfalz-Kombi 31 105.807 -50 0,0
Saarland
1 Saarbrücker Zeitung Gesamt 136.125 -5.775 -4,1
Baden-Württemberg
1 Südwest Presse Gesamt 292.967 -5.307 -1,8
2 Stuttgarter Zeitung/Stuttgarter Nachrichten Gesamt 188.001 -4.753 -2,5
3 Schwäbische Zeitung Gesamt 169.381 -2.478 -1,4
4 Badische Zeitung 104 Gesamtausgabe 143.923 -1.399 -1,0
5 Südkurier Gesamt 001 130.216 747 0,6
6 Badische Neueste Nachrichten Gesamt 220 127.816 -1.955 -1,5
7 Schwarzwälder Bote Gesamt 120.182 -2.484 -2,0
8 Mannheimer Morgen Ausgabe B 111.094 -4.109 -3,6
Bayern
1 Augsburger Allgemeine mit Allgäuer Zeitung Gesamt 324.963 -2.361 -0,7
2 Nürnberger Nachrichten Gesamt 266.773 -4.600 -1,7
3 Münchner Merkur Gesamtausgabe 258.890 -3.155 -1,2
4 Passauer Neue Presse Gesamt 161.271 -2.173 -1,3
5 TZ-München 134.692 3.275 2,5
6 Main-Post 50 Gesamt 123.754 -859 -0,7
7 Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung 121.789 -1.317 -1,1
8 Abendzeitung München 114.303 6.351 5,9
9 Mittelbayerische Zeitung Gesamt 113.625 -2.414 -2,1
10 Zeitungsring Mediengruppe Oberfranken/ZRM 110.746 kein Vergleich möglich
Daten-Quelle: IVW / Tabelle: MEEDIA

Kommen wir zu den überregionalen Tageszeitungen und damit ebenfalls zu einer komplizierten Situation. Der Blick auf die Gesamtverkäufe zeigt fünf große Verlierer: Bild, F.A.Z., Welt, Handelsblatt und Neues Deutschland. Insbesondere Welt, F.A.Z. und Handelsblatt bauten allerdings viele Bordexemplare und sonstige Verkäufe ab – Auflagenbestandteile also, die wenig bis kein Geld in die Kassen spülen.

In den beiden wichtigen Kategorien Abos und Einzelverkauf wird bei der Welt so aus einem Minus von 6,5% eins von 2,0%, bei der F.A.Z. aus 6,5% eins von immerhin 5,0% und beim Handelsblatt wird aus einem Minus von 13,6% sogar ein Plus von 1,3%. Der Grund: Die Zeitung hat ca. 1.800 neue Abonnenten gewonnen, insbesondere beim ePaper. Auch ehemalige Papier-Abonnenten wechseln hier in Scharen zum elektronischen Abo.

Die Bild und das Neue Deutschland gehören hingegen auch nach Abzug von Sondereffekten zu den Verlierern: Die Bild rutscht auf 2,26 Mio. Verkäufe per Abo und Einzelverkauf, das Neue Deutschland verfügt nur noch über weniger als 30.000 Käufer, hat sich vom Kiosk mit nur noch 333 Einzelverkäufen weitgehend zurück gezogen. Die taz, die insgesamt im Plus liegt, fällt abzüglich von sonstigen ePaper-Verkäufen ebenfalls ins Minus.

IVW 2014/I: Die überregionalen Tageszeitungen
Platz Zeitung verkaufte Auflage
2014/I vs. 2013/I in %
1 Bild Deutschland (ohne B.Z.) 2.305.878 -149.812 -6,1
2 Süddeutsche Zeitung 418.355 -2.022 -0,5
3 Frankfurter Allgemeine 316.524 -21.954 -6,5
4 Die Welt Ges. (+ Welt Kompakt) 214.180 -14.957 -6,5
5 Handelsblatt 121.582 -19.146 -13,6
6 taz. die tageszeitung gesamt 56.961 443 0,8
7 Neues Deutschland 31.213 -2.988 -8,7
Daten-Quelle: IVW / Tabelle: MEEDIA
IVW 2014/I: Die überregionalen Tageszeitungen (nur Abo+EV)
Platz Zeitung verkaufte Auflage (Abo+EV)
2014/I vs. 2013/I in %
1 Bild Deutschland (ohne B.Z.) 2.258.924 -128.505 -5,4
2 Süddeutsche Zeitung 348.918 -4.996 -1,4
3 Frankfurter Allgemeine 250.543 -13.123 -5,0
4 Die Welt Ges. (+ Welt Kompakt) 133.893 -2.734 -2,0
5 Handelsblatt 90.290 1.145 1,3
6 taz. die tageszeitung gesamt 49.188 -1.513 -3,0
7 Neues Deutschland 29.741 -3.201 -9,7
Daten-Quelle: IVW / Tabelle: MEEDIA

Bei den wichtigsten Wochen- und Sonntagszeitungen gibt es diesmal keinen Gewinner, auch Die Zeit liegt im Minus. Bei Abo und Einzelverkauf fand sie 2,5% weniger Käufer, ein ähnliches Minus wie bei der Welt am Sonntag. Um 3,8% ging es bei der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung herab, die Bild am Sonntag verlor deutliche 5,6% und nähert sich weiter unaufhörlich der Mio.-Marke. Das 7,9%-Minus der F.A.S. im Gesamtverkauf kommt wiederum durch den Abbau von Bordexemplaren und sonstigen Verkäufen zustande.

IVW 2014/I: Ausgewählte Wochen- und Sonntagszeitungen
Platz Zeitung verkaufte Auflage
2014/I vs. 2013/I in %
1 Bild am Sonntag 1.175.405 -59.606 -4,8
2 Die Zeit 515.502 -4.071 -0,8
3 Welt am Sonntag (+kompakt) 400.850 -1.858 -0,5
4 Frankfurter Allgemeine Sonnt. 319.864 -27.385 -7,9
Daten-Quelle: IVW / Tabelle: MEEDIA
IVW 2014/I: Ausgewählte Wochen- und Sonntagszeit. (Abo+EV)
Platz Zeitung verkaufte Auflage (Abo+EV)
2014/I vs. 2013/I in %
1 Bild am Sonntag 1.126.050 -67.159 -5,6
2 Die Zeit 436.530 -11.367 -2,5
3 Welt am Sonntag (+kompakt) 278.949 -7.757 -2,7
4 Frankfurter Allgemeine Sonnt. 256.666 -10.265 -3,8
Daten-Quelle: IVW / Tabelle: MEEDIA

Die IVW-Analyse zum Publikumszeitschriftenmarkt lesen Sie an dieser Stelle.

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Alle Kommentare

  1. gut!!!!
    wenn es bei den mainstreammedien bergab geht, dann haben die bürger mehr chancen, zu klügeren menschen zu werden. das internet ist voll der wahrheit…
    es wird aufgewacht!!!

      1. Na, dazu ist eben Medien- und Lesekompetenz notwendig.
        Kann man sich selbst gezielt aneignen.

    1. Selten so gelacht!

      Das Internet ist vor allen Dingen voll von geistigen Nichtschwimmern, die irgendeinen Schwachsinn verbreiten.

      1. Ja, das stimmt wohl, aber im Internet gibt es zumindest auch Chancen irgendwo der Wahrheit näher zu kommen.

        Bei den hiesigen Zeitungen und auch im TV und Radio werde ich SICHER manipuliert.

  2. Haben der Rückgang der Wahlbeteiligung und Auflagenverlust etwas gemeinsam? Wer nicht bei Zeiten die Neinzeichen versteht, erhält Meidung (engl. shunning).

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