„Shootrs“: Wie UFA und Divimove neue YouTube-Stars aufbauen wollen

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Die YouTuber Celo und Abdi machen beim UFA-Programm "Shootrs" mit

Digital Economy Wer im Jahr 2014 bekannt werden will, geht nicht ins Fernsehen, sondern bastelt sich ein Videoformat bei YouTube. YouTube-Stars wie Y-Titty und Le Floid schießen wie Pilze aus dem Boden, in einem medialen Paralleluniversum zur klassischen TV-Branche. Sogenannte Multi-Channel Networks (MCN) helfen den YouTubern dabei, sich besser zu vermarkten. Die UFA und das MCN Divimove stellten am Mittwoch ihr Programm "Shootrs" vor.

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Divimove ist nach eigenen Angaben das „führende“ Multi-Channel Network in Europa. Die Videos erzielten insgesamt eine Reichweite von 300 Millionen Views monatlich. Im vergangenen Jahr hatte sich die UFA, die zum Reich der RTL Group gehört, an der Berliner Firma beteiligt. Ziel: die gemeinsame Entwicklung von Videoformaten. Die UFA hilft bei der Professionalisierung der Videos, Divimove vermarktet die Web-Stars. Gemeinsam sucht man neue Talente. Die UFA stelle jährlich ein siebenstelliges Budget zur Verfügung, sagt Jens-Uwe Bornemann, der u.a. Chef des Kreativlabors UFA Lab ist. Was eine Vorstellung davon geben mag, wie viel sich die Partner von den künftigen Erlösen versprechen. Doch zunächst werde investiert – geplant wird für einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren.

Eine Reihe der auserwählten Shooting Stars stellten die Partner am Mittwoch vor. Das „Shootrs“-Programm soll die YouTuber gezielt fördern. An Selbstvertrauen mangelt es den „Talenten“, wie die Hauptdarsteller ihrer eigenen Formate bei der UFA genannt werden, nicht. Der Minecraft-Spieler Docm77 beispielsweise hat bereits knapp 500.000 Abonnenten auf seinem YouTube-Format. Für die Gamer sei er so etwas wie früher Boris Becker für die Tennisfans, sagt er. Sein Format sei authentisch, niemand könne ihm vorschreiben, was er zu sagen oder nicht zu sagen habe.

Die Modedesignerin Melissa, die als „Breedingunicorns“ unterwegs ist, ist erst seit drei Wochen mit einem eigenen Format am Start. In ihren Filmen zeigt sie beispielsweise, wie ein Handy verschönert werden kann. „Man würde nie jemanden wie mich im Fernsehen sehen“, sagt sie über sich. YouTube sei ihre Bühne. Wobei seitens der Macher gerne darauf verwiesen wird, dass YouTube zwar die Basis für den Reichweitenerfolg solcher Formate darstelle, die Google-Tochter aber beileibe nicht die einzige Plattform sei, auf der man präsent sein wolle.

Die Diskrepanz zum klassischen linearen TV ist ein Lieblingsthema. Die UFA sieht die YouTuber als Ergänzung ihres Produktionsspektrums. Die Divimove-Macher wollen die Trennung zwischen klassischem TV und den Web-Kanälen gar ein stückweit aufheben. YouTuber wie Docm77 sehen das lineare TV jedoch eher nicht als begehrenswerte Destination. In seinen Worten: „Unter Jugendlichen sind Fernsehformate je eher verpönt“. In der neuen Bewegtbildwelt gehe es darum, Trends schnell umzusetzen und mit den Fans zu sprechen. Wenn „Wetten, dass…?“ auf YouTube gelaufen wäre und die Fans in den Umbau der Show einbezogen worden wären – dann hätte es die Sendung vielleicht noch viel länger gegeben als nur bis Ende 2014, sagt Daniele Rizzo, Schauspieler und Comedian.

TV-Erfahrung hat Kim Gloss („Beauty-Ikone“), die u.a. beim Dschungelcamp 2013 mitmachte. Auch sie soll bei „Shootrs“ mitwirken. Ein fertiges Format gibt es noch nicht, naheliegenderweise will sie sich mit Beauty-Produkten beschäftigen. In einem Probevideo trägt sie bereits ein Präparat auf ihren Arm auf („Schaut mal bitte, wie der glänzt“). Was nach klassischen Mustern eher unfertig aussieht, ist in der YouTube-Welt oft ein Hit. Neue Videos, beispielsweise von der Beauty-Expertin Daaruum (wird von Divimove-Konkurrent Mediakraft vermarktet), erreichen schnell exorbitante Abspielzahlen. Solche Formate lassen sich glänzend vermarkten – beispielsweise mit klassischer Pre-Roll-Werbung oder auch mit Product Placements. Markenpartnern könne man Talente, „maßgeschneiderte Inhalte“ und eine hohe Reichweite anbieten, werben die Partner für ihre Formate.

Die YouTube-Helden von Y-Titty gerieten zuletzt unter Schleichwerbe-Verdacht. Divimove-Geschäftsführer Philipp Bernecker hält eine Trennung von Inhalten und Werbung für „sehr wichtig“. Er begrüße es, wenn auch regulatorisch mehr Klarheit geschaffen werde, was erlaubt sei und was nicht. „Transparenz“ heißt das Zauberwort. Auch dazu hat Docm77 eine Meinung. Die Debatte um angebliche Schleichwerbung sei „ein typisch deutsches Problem“. Sponsoring sei normal und für ihn selber gelte das Motto: „Mich kann man gar nicht kaufen.“

Die größte Furcht aller Entertainer, also auch der neuen Generation von YouTube-Stars, formulieren die Rapper Celo & Adbi in einem ihrer Videos, in dem sie Fan-Fragen beantworten. Wie wische man einem Typen mal so richtig einen aus? Antwort: „Ignorieren ist das Schlimmste. Das geht rein ins Herz.“

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