Anzeige

Gruner + Jahrs Magazin-Newcomer der 90er: Nur Gala kam durch

Gala-Erstausgabe mit Sophia Loren-Cover, langjähriger G+J-Kommunikator Kurt Otto: Erinnerungen an eine wechselvolle Vergangenheit
Gala-Erstausgabe mit Sophia Loren-Cover, langjähriger G+J-Kommunikator Kurt Otto: Erinnerungen an eine wechselvolle Vergangenheit

Zurück in die Zeitschriftenwelt von 1994: Zum 20-jährigen Jubiläum der deutschen Gala erinnert Kurt Otto in einem MEEDIA-Gastbeitrag an die Gründungsphase und turbulente Gala-Zeiten. Am Ende hat sich das Magazin am Markt behauptet, als einziger deutscher Newcomer seiner Zeit im G+J-Portfolio.

Anzeige
Anzeige

Was der neue Blattmacher der Gala-Titel, Christian Krug, anlässlich des Jubiläums mit seinem Team zum 14. April auf die Beine stellt, darauf hatte MEEDIA als Fach-Portal bereits am 1. April einen Schulterblick geworfen. Heute ist es die Gala-Geschichte allemal wert, einen Blick zurück zu richten auf die Gründungsphase dieses Magazins, das sich trotz erheblicher Geburtswehen, eines stockendenden Starts und einer sich anschließenden wechselvollen Entwicklung der ersten Jahre letztlich zu einer G+J-Erfolgsgeschichte mausern sollte. Wenn man einmal die G+J-Gründungstitel von 1965, wie stern, Brigitte, und andere, außen vor lässt, dann ist Gala aus heutiger Sicht im Inland die einzige Gründung der 90er Jahre, die heute ihren Erfolgskurs gefunden hat.

Die frühen 90er Jahre waren für G+J mühevolle Zeiten der Markenpflege der „alten“ Stammtitel wie stern, Brigitte oder Capital. Denn ein Wachstum über Zukauf von Zeitschriften wurde für G+J zunehmend vom Bundeskartellamt blockiert. Notwendig war damals eine Arrondierung des G+J-Portfolios durch Newcomer im In- uns Ausland mit mittelfristiger Ertragsperspektive die Direktive über Jahrzehnte. Nicht so ganz einfach, denn der Werbemarkt wurde unter den Großverlagen angesichts des anhaltenden Siegeszug des Free-TV immer schärfer. Organisches Wachstum im Printmarkt des In- und Auslandes, darauf kam es damals an: 1965 war es sieben G+J-Gründungstitel, 1970 bereits 10, 1980 14 und 1990 bereits 28 Titel im Inland, darunter viele Line Extensions.

Das allein aber reichte für das Durchstarten von G+J speziell in den 90er Jahren freilich nicht. Obwohl es damals wirtschaftlich im Druck- und Verlagshaus  zum Besten stand: Der Überschuss des Geschäftsjahres 1993 lag am Baumwall bei stattlichen 365 Millionen Mark, 48 Prozent mehr als im Jahr davor und sechsmal soviel wie bei Springer. Und dies, obwohl der seit Jahren anhaltende Siegeszug des Privatfernsehens die Anzeigenumsätze in den deutschen Gruner + Jahr-Zeitschriften, immer noch dem Rückgrat des Hauses, erstmals leicht um knapp 1,5 Prozent gedrückt hatte.

Die Signale der G+J-Gesellschafter Reinhard Mohn und John Jahr sen. und des damaligen Vorstandsvorsitzenden Gerd Schulte-Hillen standen also auf freie Fahrt für Newcomer im In- wie im Ausland. Man wollte jetzt vorrangig und ohne Zaudern jene Zeitschriftensegmente besetzen, die für G+J in Deutschland noch unbeackertes Neuland waren: so das Segment der People-Magazine und das der Programmzeitschriften wie der damaligen Auflagen-Raketen TV Spielfilm (Verlagsgruppe Milchstraße) und TV Movie (Bauer Verlag). Also ein ambitioniertes Programm im offenen Schlagabtausch mit den anderen Großen wie Springer, Burda oder Bauer. Man kann auch sagen: Der Fight ging um Zeitschriftenmärkte, von denen man bei G+J damals nur wenig Ahnung hatte oder wo man sich schon einmal eine blutige Nase geholt hatte.

1994 wurde daher bei G+J zu einem Jahr der Innovationen: Am 13. April startete die deutsche Gala, im September erschien Tango und im Dezember betrat G+J mit TV Today das Segment der 14-täglichen Programmies im von Springer, Bauer und Verlagsgruppe Milchstraße dominierten TV-Zeitschriftenmarkt. Tango, eine groß und laut angekündigte „neuartige Informationsillustrierte“ wurde nach einem knappen Jahr zum furiosen G+J- Flopp des Jahrzehnts, TV Today gelang es nie, im „Haifischbecken“ der Programmies an die Auflagendimension seiner direkten Konkurrenten aufzuschließen.

Ein Wort noch zu Tango: Parallel zum Gala-Launch im Frühjahr 1994 holte G+J für den Start von Tango den Blattmacher Hans-Hermann Tiedje ins Haus. Die stern-Redaktion tobte. Tietjes Blatt sollte, wie es damals von Verlagsseite hieß hieß, auf die „schweigende Mehrheit der von Computer und Fernsehen geprägten 19- bis 40jährigen ausgerichtet sein, die bisher die Bunte und Bild liest. O-Ton: „Uns interessiert alles, was Thema ist in Deutschland. Wir werden viel Optik, Lesernähe, hohe Aktualität bieten. Wir wollen, dass es kracht.“ Was dann ja auch mit dem Crash von Tango passierte.

Bleibt damit die Gala. Die Wiege der deutschen Gala stand in Frankreich. Dort hatte 1993 der damalige G+J-Auslandsvorstand Axel Ganz instinktsicher für den Geschmack im Nachbarland das People-Magazin Gala mit einer Startauflage von 500.000 Exemplaren gegründet. Die Gala-Gründung in Paris zeigte beispielhaft, das vieles zu Gold wurde, was Axel Ganz in Paris verlegerisch anfasste. Worauf gründete sich der Erfolg über seine journalistische Intuition hinaus? Zunächst darauf, dass der damalige G+J-Auslandschef Axel Ganz jede Zeitschrift wie auch die französische Gala konsequent aus dem eigenen Kulturraum und Medienumfeld heraus entwickelte. Sein Erfolgsrezept war dabei einfach und überzeugend, aber umso schwerer in der verlegerischen Umsetzung: „Alles gründlich machen, möglichst perfekt“, so seine Überzeugung: „Wenn 90 Prozent stimmen, muss man sich für die restlichen zehn Prozent noch einmal besonders ins Zeug legen.“

Gala-Erfinder Axel Ganz: „Er lächelt, selbst wenn er jemanden hinrichtet“

Zum Erfolg von Ganz trug bei, dass ihm der G+J-Vorstand in Hamburg allen Freiraum gewährte, ihn auch bei anfänglichen Misserfolgen unterstützte. Und Ganz füllte diese Entscheidungsfreiheit aus. Ihm half sein journalistischer Instinkt für die Bedürfnisse fremder Märkte, er beherrschte überdies die Kunst, sich mit viel Bauchgefühl auf die jeweiligen Leser einzustellen, wie das ja auch bei Henri Nannen der Fall war. Anders als der polternde Nannen aber war Ganz stets ein Meister der Motivation und einer Menschenführung der leisen Töne. Der Spiegel schrieb einmal in einem Ganz-Porträt: „Er lächelt, selbst wenn er jemanden hinrichtet.“

Der Gala-Einführungserfolg in Frankreich animierte das G+J-Management am Hamburger Baumwall, diesen Titel auch in Deutschland zu starten, natürlich unter Beachtung des Ganz-Credos, Gala nicht als eine Sprachadaption, sondern als eine deutsche Eigenentwicklung zu launchen. Bei diesem Unterfangen saß bei G+J immer noch der Schock in den Knochen, als 1977 sein erstes People-Magazin Leute nach nur drei Monaten und zweistelligen Millionenverlusten jämmerlich scheiterte. Deshalb wollte man am Baumwall 17 Jahre später jetzt alles richtig machen.

Ursprünglich sollte die deutsche Gala in der Diktion ihrer Entwicklerin und Ex-Chefredakteurin der Bunten, Beate Wedekind, 1993/94 in einer Turbo-Vorbereitungszeit bereits am 3. Februar 1994 mit einer Auflage von 500.000 Exemplaren starten. Das war für eine ausgereifte Objektentwicklung sicher zu kurz gesprungen. Die Welt schrieb am 15. Januar 1994: „Es gab letzte Woche sehr harte Auseinandersetzungen mit einzelnen Vorstandsmitgliedern. Das Projekt stand unter keinem guten Stern.“ Beate Wedekind gab dann bei G+J entnervt auf.

Gruner und Jahr resignierte aber nicht angesichts des abrupten Ausscheidens von Beate Wedekind, sondern machte unverdrossen mit Hochdruck und Bordmitteln weiter: Bereits am 13. April 1994 ging Gala mit einer Startauflage von 500.000 Exemplaren in den Markt. Die medienkritische taz titelte einen Tag später: „In mattem Glanz – Ein neuer Stern am Kioskhimmel: Gala ist da!“ Zwar gab es damals noch keinen Schnupperpreis für die Einführungsausgabe. Aber der Gala-Copypreis wurde in letzter Minute um 50 Pfennig auf drei Mark gesenkt, um den Start zu pushen für das „Unterhaltungsmagazin neuen Typs“. Der Slogan damals: „Gala. Viel zu gucken, viel zu lesen, viel zu staunen.“ Chefredakteur der ersten Stunde war Klaus Freikamp von Frau im Spiegel, die G+J 1977 übernommen hatte und die 1993 noch eine stattliche Verkaufsauflage von 760.000 Exemplaren hatte.

Anzeige

Mit der Zeit wurden die Medienrezensionen der Gala-Ausgaben wurden besser. So meinte der Kress-Report am 14. April 1994: „Was Klaus Freikamp und seine Crew abgeliefert haben, sieht besser aus als die Versuche der Vorgänger. Eine bewundernswert schöne Sophia Loren auf dem Titel spricht Damen ihres Alters an, die sich sehnlich wünschen, einigermaßen so gut auszusehen wie die Millionärin.“ Und der Kontakter urteilte wenig später: „Freikamp macht seine Ankündigung wahr. Populäres Konzept, unverändertes Hochglanz-Großformat wie bei der französischen Namensschwester, große Bilder und Farbstrecken. Nicht mehr so ‚elitär‘ wie der High Society-Klatsch von Wedekinds Nullnummer. Das ist gelungen.“

Gala tat sich trotzdem in den ersten Monaten schwer, die Verkaufsauflage über die Schwelle von 200.000 Exemplare zu hieven. Nach einem Jahr hatte Gala im 4. Quartal 1994 dann doch gegen viele Unkenrufe eines schnellen Scheiterns sein „Jahresziel“ erreicht: ein IVW-Verkauf von 261.794 Exemplaren. Weitere öffentlichkeitswirksame redaktionelle Highlights wurden gesetzt: So schrieb ab Ende Juli die damalige US-First Lady, Hillary Clinton eine wöchentliche Kolumne für Gala über ihr Leben an der Seite des amerikanischen Präsidenten. Im Wettbewerb um die deutschen Exklusivrechte habe sich das Blatt gegen Mitbewerber durchgesetzt.

Entwicklungschefin Beate Wedekind schmiss schon vor dem Start hin, der heutige Blattmacher Krug ist Chefredakteur Nummer sieben

Der Name „Gala“ kommt aus dem Altfranzösischen und verhieß dort Freude. Das wollte auch die deutsche Gala zu allen Zeiten vermitteln. Aber es sollte noch Jahre dauern, bis das Magazin eine stabile Reiseflughöhe im Vertriebs- und Anzeigenmarkt erreichen konnte. Die Liste der bisherigen sieben Gala-Chefredakteure zeigt das: Auf den Gründungschefredakteur Klaus Freikamp folgte von 1994 bis 1996 Stefan Lewerenz, dann 1996 bis 1997 von Marko Schenz, 1997 bis 1998 war Edgar Fuchs Gala-Chefredakteur, 1998 kam Jörg Walberer, der 2001 von Peter Lewandowski abgelöst wurde. Lewandowski war zuvor Blattmacher des deutschen Playboy, brachte also gute Voraussetzungen mit.

Lewandowski erwies sich fast elf Jahre bei Gala als der Mann der Kontinuität und der Konsolidierung an der Blatt-Spitze. Er stand für das Gala-Objektportfolio bis Oktober 2012. Lewandowski schaffte es in seiner Zeit, Gala zu einer der erfolgreichsten G+J-Marken zu entwickeln und mit der Gründung neuer Line Extensions sowie den Events wie „Couple of The Year“ den Titel zur tonangebenden People- und Lifestyle-Marke im Premiumsegment zu verankern.

Dann wurde Lewandowski im Zuge des einschneidenden G+J-Umbaus unter der neuen Vorstandschefin Julia Jäkel im Herbst 2012 von Christian Krug abgelöst, der jetzt die Gala und seine Print- und Online-Versionen mit kluger Hand führt. Krug bringt als Blattmacher ebenso beste Voraussetzungen mit: Er war einige Jahre stern-Kulturkorrespondent in München, danach in der Spiegel-Gruppe sowie Deutschland-Ressortleiter beim stern und von 2001 bis 2008 Chefredakteur der Milchstraßen-Lifestyle-Ikone Max. Er wird jetzt vorrangig die noch engere Verzahnung zwischen der Gala-Print und ihrer Digitalwelt und angehen und die Strahlkraft der Marke mit Topevents und handverlesenem Publikum erhöhen.

Die Jubiläumsausgabe sagt alles, wie das Gala-Team nach der Berg- und Talfahrt der ersten 20 Jahre den Titel auf Erfolgskurs halten will. Hinsichtlich seiner Objekt-Kennziffern hat sich Gala mehr als stabilisiert: Die MA-Reichweite liegt bei 3,3 % = 2,35 Mio, die Verkaufsauflage bei 314.692 Exemplaren (IVW IV/13). Der Bruttoanzeigenumsatz stieg gegen den Markttrend laut Nielsen von 51 Mio. Euro in 2012 auf knapp 55 Mio. Euro im letzten Jahr.

Das Gala-Portfolio umfasst heute eine stattliche Breite unterschiedlichster Line-Extensions. So erscheint im Frühjahr und Herbst jeweils Gala Style. Seit 2009 ergänzt das Männer-Magazin Gala men die Titelpalette. Und wer täglich Star-News von den roten Teppichen der Welt, aus Königs- und Adelshäusern sowie die neusten Mode-, Beauty- und Lifestyle-Trends benötigt, der kommt Gala.de und der mobilen Gala.de-App auf seine Kosten. Auch im Social Media-Bereich ist Gala inzwischen auf Facebook und Twitter sehr aktiv. Hier will man die jungen User und Leser von morgen an das Gala-Programm binden. Darüber hinaus ist Gala Veranstalter hochkarätiger Events, wie die Gala Spa Awards, der Gala Fashion Brunch auch die Gala Shopping Night.

Immerhin: Die heutige Jubi-Ausgabe wird mit 280 Seiten das dickste Heft in der wechselvollen Gala-Geschichte. Und sie erscheint dem Jubiläum entsprechend mit 20 unterschiedlichen Titelversionen. Und die Abonnenten erhalten ein Cover, das alle 20 Titelbilder vereint. Wer dieses Package nicht allein durch die heute übliche Marketing-Brille sehen will, der kann die Krug-Kampagne auch als Signal der Zustimmung des G+J-Managements zum Gala-Kurs und Turn-around der letzten Jahre werten. Bei der von Vorstandschefin Julia Jäkel geforderten nachhaltigen “Vitalisierung der Kernmarken” scheint Gala zum 2ojährigen gut unterwegs.

Kurt Otto war bis 2010 langjähriger G+J-Pressesprecher.

 

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*