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“Deiwelsmilch”: der Katzenberger-Krimi als verschenkte Chance

Die Katze als Bulle
Die Katze als Bulle

Ist es eigentlich eine gute Idee, die Ultra-Blondine Daniela Katzenberger zur Hauptsendezeit im Ersten die Hauptrolle in einem pfälzer Regionalkrimi spielen zu lassen? Unbedingt! Ist der Film “Frauchen und die Deiwelsmilch”, der heute Abend um 20.15 Uhr in der ARD läuft, auch gelungen? Keinesfalls! Doch das liegt nicht an der Katzenberger.

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Regionalkrimis sind eine typisch deutsche Angelegenheit. Die vielen Eigenheiten und Dialekte der Bundesländer eignen sich hervorragend für leicht verdauliche Fiction. Und wenn die Krimis dann noch mit Schrulligkeiten, drolligen Dialekten und obskuren Nahrungsmitteln komödiantisch aufgeladen werden – umso besser. Das mag keine Hochkultur sein, wenn es ordentlich gemacht ist, kommt aber gute Unterhaltung dabei raus und das sollte man keinesfalls als gering erachten.

Vor allem in Buchform erfreuen sich Regionalkrimis ungebremster Beliebtheit, Kluftinger und der “Dampfnudelblues” lassen schön grüßen. Davon ausgehend hat man sich bei der ARD überlegt, einen pfälzer Regionalkrimi anzubieten. Für die Hauptrolle kamen sie auf Daniela Katzenberger. Da mögen jene, die gewohnheitsmäßig aufschreien, den Untergang des Abendlandes ausrufen. Aber eigentlich war das eine super Idee. Die Katzenbergerin kommt aus dem rheinland-pfälzischen Ludwigshafen und beherrscht den ortsytpischen Singsang von Geburt an (lernen kann man das ohnehin nicht). Und sie ist eine Type.

Der Titel des Katzenberger-Buches “Sei schlau, stell dich dumm” könnte auch die Devise für ihre Filmfigur Miri Marxer sein. Sie ist die bauernschlaue Angestellte bei der Stadtkasse in einem typisch pfälzischen Kaff mit einem Faible für Zahlen, Computertricks und herrenlose Hundchen. Miri wird in “Frauchen und die Deiwelsmilch” in eine reichlich verworrene Krimikiste verstrickt. Der böse Bürgermeister hängt mit drin, es geht um den mysteriösen Tod eines Weinbauern und um Erdöl in der Pfalz (gibt es wirklich!).

Der pfälzische Dialekt ist in einer abgesofteten Version allgegenwärtig, ebenso regionale Spezereien wie die Riesling-Schorle aus dem 0,5-Liter Dubbeglas und Lewwerworscht-Brot. Und im Bürgermeister-Büro hängt an der Wand ein Porträt des großen Pfälzers Helmut Kohl. Hajo! Der pälzer Katzekrimi hätte eine prima lustige Angelegenheit werden können. Hätte. Wenn da nicht diese leidige Sache mit den Drehbüchern wäre, die wie ein Fluch über deutschen TV-Produktionen liegt.

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Es gibt zu viele Handlungsstränge, die im Sande verlaufen. Nebenfiguren – wie der mal böse, mal gute Dorfpolizist – sind ungenau ausgearbeitet. Zu wenig wird erklärt. Weiß der Nicht-Pfälzer aus dem Effeff, dass es diesem deutschen Landstrich wirklich Erdöl gibt? Kaum. Zu viel wird verschenkt. Eine Reiz von Regionalkrimis besteht darin, das sich ein “Städter” in die Provinz verirrt. Dieser Clash of Cultures wird mit dem schmierigen Assi des Bürgermeisters zwar angerissen, aber nur ungenügend ausgearbeitet. Hier wurde massig Gag-Potenzial einfach liegengelassen. Schade für die größtenteils aus der Pfalz stammenden, gut aufgelegten Schauspieler und die solide Regie.

Das Drehbuch hätte besser mehr Wert auf eine stringente Handlung und weniger auf die Überzeichnung des Rauhaardackels “Frauchen” als Superhund gelegt. Wie der Dackel Spuren sucht und Autos verfolgt, erinnert in der ganzen irrealen Übergeigtheit an die Drehbuch-Kapriolen aus dem “Traumschiff”. Die unfreiwillige komische Rentner-Show im ZDF kann und sollte aber nicht Vorbild für einen Regionalkrimi sein, der auch ein jüngeres Publikum ansprechen will. Aber wie gesagt: An der Katze liegt es nicht.

“Frauchen und die Deiwelsmilch” läuft heute Abend um 20.15 Uhr im Ersten.

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