Robotertexte: Stuttgarter Agentur plant vollautomatisiertes Sportportal

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Der Roboterjournalismus ist auf dem Vormarsch. Eine Stuttgarter Kommunikationsagentur hat eine Software entwickelt, die auf Basis großer Datenmengen ohne Dazutun von Redakteuren Artikel ausformulieren kann. Die Maschine soll gegen etablierte Nachrichtenmedien antreten: Die Entwickler planen ein eigenes Sportportal.

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Für einen solchen Einstieg gäbe es vom Redaktionsleiter vermutlich auf die Mütze: „Mit 85 : 108 haben die Dallas Mavericks um Allstar Dirk Nowitzki gegen die Golden State Warriors verloren. Die Mavericks steigen damit auf Platz 8 in der Western Conference ab. Die Warriors steigen auf Rang 6 auf.“ Attraktiv ist anders. Und doch beeindruckt die Nachricht mit dem Hintergrundwissen, dass sie nicht von Menschenhand, sondern von einer Maschine formuliert wurde. Innerhalb weniger Sekunden hat „AX“, so nennt sich die Software der Kommunikationsagentur aexea, einen ausführlichen NBA-Spielbericht über 40 Zeilen produziert.

slide-3-1024Dabei kloppt die Maschine nicht einfach nur Spieldaten runter, sondern ordnet diese auch ein. Im Sportbericht bedeutet das, „AX“ ermittelt den besten Basketballer und bedient sich weiterer Statistiken, um Vergleiche anzustellen. „Für jede Art von Nachricht wird ein Regelwerk konzipiert, das die Basis für solche Schlussfolgerungen bildet. Damit wird ein Informationsmodell erstellt, das die Basis für die spätere Nachricht bildet. Anschließend werden die Inhalte in ein narratives Gerüst eingebunden und in natürliche Sprache umgesetzt“, erklärt das Unternehmen.

Automatisierter Journalismus hat sich in den USA längst etabliert. Forbes beispielsweise lässt ein gesamtes Blog vom US-Unternehmen Narrative Science bestücken. Der Computer schreibt eigenständig Berichte über Bilanzerwartungen an Unternehmen. Erst vor kurzem probierte sich die Los Angeles Times an einem neuen Projekt. Der so genannte Quakebot veröffentlicht fast in Echtzeit Erdbebenberichte, sobald sie eine bestimmte Stärke überschreiten.  Am beliebtesten scheint automatisierter Journalismus in der Sportberichterstattung. Statsheet.com  spezialisiert sich auf Basketball-News. Ein vergleichbares Projekt für Baseball setzt die Northwestern University um.

In der Sportberichterstattung will jetzt auch aexea mitmischen. Derzeit ist die Agentur auf der Suche nach einem strategischen Partner, mit dem sie ein eigenes Portal aufziehen will, das internationale Sportnachrichten abdeckt. Mithilfe der Maschine könnte dies in bis zu acht unterschiedlichen Sprachen möglich sein.  Der Clou hierbei steckt dabei in der Individualisierung. Die Maschine soll für jeden Nutzer passgenau Nachrichten anfertigen. „Ganz gleich, ob er sich für Philip Lahm oder die Tischtennis Kreisliga interessiert“, erklärt Geschäftsführer Salim Alkan. Der Roboterredakteur schafft ein Arbeitsvolumen, das humanoide Redakteure erblassen lässt. Die Serverleistung liege bei 3,6 Millionen Texten pro Tag, meint Alkan.

Ihr Angebot wollen die Macher auch an Verlage herantragen. Anreiz soll die Fähigkeit der Roboterjournalisten sein, in Sekundenschnelle Rohmaterialien aufzubereiten, die von menschlichen Journalisten angereichert werden könnten. Aber auch andere Content-Produzenten profitieren von den Textmaschinen. Im E-Commerce-Segment ist die Agentur bereits seit Jahren aktiv und auf das automatische Erstellen von Produktbeschreibungen spezialisiert – drei Millionen Texte hätte der Algorithmus im vergangenen Jahr heruntergeschrieben. Unter den Kunden befinde sich auch ein Technikportal, das sich bereits von aexea beliefern lässt. Konkrete Namen will das Unternehmen aber nicht nennen.

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