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„Keiner trauert“: Pressestimmen zu „Wetten, dass…?“

Thomas Gottschalk zu Gast bei Markus Lanz
Thomas Gottschalk zu Gast bei Markus Lanz

"Dann hätte ich das Ding auch gleich selbst an die Wand fahren können" - das war die Reaktion von Thomas Gottschalk auf das angekündigte Aus für "Wetten, dass...?" Ein typischer Gottschalk - schlagfertig, selbstbezogen, ein bisschen böse. Doch lag's wirklich an Markus Lanz, wie Gottschalks Reaktion nahelegt? Die Pressestimmen.

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Was in kaum einer der Analysen fehlte, war der Verweis auf das „Lagerfeuer“ der TV-Nation, das Ende des Jahres erlischt. Mehrere Kritiker zitierten Florian Illies‘ Hommage an „Wetten, dass…?“ in „Generation Golf“. Und Thomas Gottschalks Schatten war am Ende dann doch größer als der von Lanz…Aber schauen wir die Kommentare im Original an:

Arno Frank bei Spiegel Online
„Deutschland 2015 wird dann erstmals nach 215 Abenden in 33 Jahren eines ohne sein televisionäres ‚Lagerfeuer‘ sein. Es können nun die Nachrufe auf eine Ära geschrieben werden. Sehr, sehr, sehr entspannt.“

Alexander Kühn, ebenfalls bei Spiegel Online:
„Das größte Problem war, dass Lanz selbst die Bühne nicht ausfüllte. Je mehr er strampelte, desto weiter entfernte der Talker sich von dem Ziel, Showmaster zu sein. Meist sah es aus, als würde jemand ‚Wetten, das..?‘ nachspielen. Selbst Hollywood-Stars wirkten auf der Couch wie geschrumpft. Und wenn es stimmt, was man aus dem ZDF hört, dann hat es in letzter Zeit häufig geknirscht zwischen der Redaktion und den Lanz-Beratern.“

Arno Frank, diesmal taz:
„Wenn nun pathetisch vom Ende einer 33-jährigen, dem Untergang eines Flaggschiffs oder von einem ‚TV-Monument‘ die Rede ist, das ‚vom Sockel‘ stürzt, sollte zweierlei beachtet werden. Erstens liegt es in der Natur eines jeden Ära, eines Tages zu enden. Und zweitens schnurrt auch ein ‚TV-Monument‘ wie ‚Wetten, dass ..?‘ mit den Jahren naturgemäß ohnehin zusammen – auf die von Kerkeling beschworene vage und leicht erhitzte Erinnerung an Geborgenheit, Heimeligkeit, Sauberkeit und familiäre Harmonie.“

Holger Gertz bei Sueddeutsche.de:
„Dinge entstehen, Dinge vergehen. Vielleicht hätte ein anderer Moderator – oder eine andere Moderatorin – den Verfall aufhalten oder verzögern können. Man weiß es nicht. Es ist auch zu spät, jetzt darüber nachzudenken. Aber es war am Ende schon auch ein bisschen verstörend, Markus Lanz dabei zuzuhören, wie er Cameron Diaz eine ‚wilde Hummel‘ nannte. Kurze Überlegung: Hätte Kulenkampff ernsthaft ‚wilde Hummel‘ zu einer Frau gesagt? Nicht alles war früher besser. Manches schon.“

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Michael Hanfeld bei FAZ.net:
„Gottschalk ging, Lanz kam, und mit ihm war die Sache gelaufen. Ihm fehlt die Lockerheit, die es braucht, einen dreistündigen Kindergeburtstag für Erwachsene zu veranstalten. Lanz ist ein Akrobat, der selbst Kunststücke zeigen will. Gottschalk war ein Gastgeber, der es verstand, andere leuchten zu lassen und ein Gespräch zwischen den Generationen herzustellen. Er konnte noch einen Bogen über die gesamte Nachkriegszeit spannen, bei Lanz gab es davon nichts.“

Jörn Lauterbach bei Welt.de:
„Zwar suche man jetzt nicht nach einem Moderator oder plane gar Konkretes, aber theoretisch denkbar sei die Rückkehr aus den Archiven schon, sagt der Unterhaltungschef. Es gehört nicht überbordend viel Fantasie dazu, sich vorzustellen, dass dann auch Thomas Gottschalk wieder die Showtreppe hinuntersteigt, denn auch für den mittlerweile 63-Jährigen hat sich eine neue Aufgabe in dieser Fernsehwelt nicht finden lassen. Die Not könnte zusammenschweißen – oder um ein letztes Mal mit Markus Lanz zu sprechen: Darüber wird zu reden sein.“

Ulrike Klode bei Stern.de:
„Jetzt ist endlich Platz und Zeit für was Neues am Samstagabend. Mein Appell an die Programmverantwortlichen: Nichts übers Knie brechen und mutig sein. Ich werde es mir anschauen, versprochen. Ein Mal auf jeden Fall.“

Jan Freitag bei Zeit Online:
„Genau diese stahlbetonlockere Lässigkeit kennzeichnet seit Lanz’ Antritt vor 18 Monaten den traurigsten Abgang der Fernsehgeschichte seit dem Tod von Winnetou: Europas einst größte Unterhaltungssendung ist tot und schlimmer noch: Keiner scheint darüber zu trauern.“

Mindestens einer trauert dann aber doch. Frank Elstner, der Erfinder der Show, sagte Spiegel Online:
„Ich habe mich gefühlt wie ein Boxer, der einen Tiefschlag verpasst bekommt. Das ZDF war aber so fair, mich kurz danach noch persönlich darüber zu informieren. Ich hatte gehofft, ‚Wetten, das..?‘ läuft noch ein paar Jährchen.“

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