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Stimmen zu ZDF/Klopp: „Der Reporter, ein grinsendes Milchbärtchen“

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Ein Interview und seine Folgen: Nach dem missratenen Klopp-Interview mit ZDF-Mann Jochen Breyer schießt sich die Sportpresse auf das ZDF ein. Die Bild fragt noch: "Wie viel Schuld hat Jürgen Klopp". Der Tagesspiegel sieht das missratene Interview als "symptomatisch für eine Art trashigen Fußballjournalismus im Fernsehen". Vor allem "Milchbärtchen" Breyer muss sich mittlerweile einiges an Kritik anhören.

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Franz Josef Wagner hat viel Verständnis für Klopp. Er zieht vor allem über Jochen Breyer her: „Da der Reporter, ein grinsendes Milchbärtchen, der sein Mikro hält wie einen Babyschnuller – und da Sie“. Für Wagner ist Klopp „pure Natur, erfrischend, männlich. Er quatscht keine Phrasen. Er lässt sich nichts gefallen. Schon gar nicht von einem Baby-Reporter. Bevor der einen Mann wie Jürgen Klopp interviewt, sollte er erst mal anfangen bei Blindekuh und Federball.“

Natürlich hat die Redaktion das Feld nicht nur Wagner überlassen, sondern arbeitete auch selbst. In einem langen Fleißstück listet die Bild alle Klopp-Auffälligkeiten der vergangenen Jahre auf. Das Boulevard-Blatt kommt zu dem Schluss: „Fakt ist: Klopp rastet fast nur nach Pleiten aus, hat mehrfach betont, ‚kein guter Verlierer‘ sein zu wollen“. Weiter heißt es in dem Stück: „Klopp weiß, dass er überreagiert. Er hatte am Anfang des Jahres Besserung gelobt, sagte gegenüber der Welt: ‚Ich bin bereit, an mir zu arbeiten. Und eine doofe Frage sollte auch kein so großes Problem sein.'“

Im Tagesspiegel beschäftigt sich Markus Ehrenberg grundsätzlich mit dem aktuellen Zustand der Post-Spiel-Interviews im deutschen Fernsehen. Für ihn war das Klopp-Interview kein Einzelfall, sondern „irgendwie symptomatisch für eine Art trashigen Fußballjournalismus im Fernsehen. Der Spalt zwischen Fragestellern und Fußballstars scheint größer zu werden.“

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In seinem Blog beschäftigt sich Gregor Keuschnig mit dem, was passierte, als Klopp das Studio verlassen hatte. „Da lästern Breyer und Kahn in aller Öffentlichkeit weiter, suchen fast rührend nach Entschuldigungen für Klopps angeblichen Ausraster. Von den ‚bösen Medien‘ höhnt Breyer, der sich dabei sichtlich am längeren Hebel wähnt. Das ist gängige Praxis: Kritik an ihrer eigenen Berichterstattung wenden Sportreporter immer gegen den Kritik Übenden. Sie wähnen sich dabei als Sprachrohr des Zuschauers oder des Fans. In Wahrheit sind sie auf der Suche nach dem Fettnäpfchen, dem Eklat, der einen Aussage, die eine Diskrepanz zwischen Mannschaft und Spieler X oder Kapitän Y dokumentiert. Kommt man ihnen auf die Schliche argumentieren sie mit der Pflicht zur Berichterstattung.“

Auch Tobias Rüther nimmt sich in der FAZ die Rolle des Senders und seiner Journalisten vor und weniger Jürgen Klopp: „Die fünf Minuten vom Mittwochabend zeigten wieder einmal den kaum zu ertragenden Opportunismus im Fernsehsportjournalismus: Wenn es gut läuft, siegen die Moderatoren und Kommentatoren immer schön mit, wenn es schlecht ausgeht, wissen sie aber ganz genau, woran es gelegen hat. Das ist eine Machtfrage.“

Taz-Autor Jürn Kruse schaute nach der ZDF-Übertragung der Champions League noch die „Markus Lanz“-Sendung, in der er es auch um Klopp und das Interview ging: „Nur dass Jürgen Klopp mittlerweile arge Schwierigkeiten hat, seinen GesprächspartnerInnen (Béla Réthy, Claudia Neumann, Oliver Kahn und nun Breyer) den nötigen Respekt entgegenzubringen, oder dass langweilige FragenstellerInnen, die überhaupt nichts beim Gegenüber provozieren, eine Zumutung für den Zuschauer sind, das findet niemand in der Runde perfide. Schade.“

Im Kölner Stadtanzeiger kommt Frank Nägele zu dem Schluss: „Der offensichtliche Plan der ZDF-Sportredaktion , BVB-Trainer Jürgen Klopp nach der Hinspiel-Niederlage bei Real Madrid vor laufenden Kameras zu provozieren, funktionierte auf dämliche Weise perfekt.“

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