Wie die Springer-Konkurrenz auf den Start von Zeit Hamburg reagiert

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Frische Print-Brise an der Waterkant: Seit Donnerstag liegt die Zeit erstmals mit einem eigenen Hamburg-Teil an den hanseatischen Kiosken - und schon, so scheint es, reagieren die Platzhirsche: die Welt am Sonntag mit einer Kampagne, das Abendblatt mit einem Gipfeltreffen aller (Ex-)Bürgermeister.

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Wahrscheinlich würden sowohl die WamS als auch das Hamburger Abendblatt einen direkten Zusammenhang zwischen ihren aktuellen Aktionen und dem neuen wöchentlichen Rivalen abstreiten. Ein Bezug scheint allerdings mit Blick auf die erste Zeit-Hamburg nicht unbedingt zufällig.

Anhang 2

Eine der Kerngeschichten der neuen Lokal-Zeit sind zwei stadtkritische Beiträge der ehemaligen Bürgermeister Klaus von Dohnanyi und Ole von Beust. Beide bemängeln, dass es in der Hansestadt nicht voran gehen würde. „Wir sind ein großes Baden-Baden des Nordens“, so die Überschrift des Doppelgastbeitrages.

Die Zeit liegt erst wenige Stunden am Kiosk, da lädt das Hamburger Abendblatt zum ersten „Bürgermeistergipfel“. Dabei sollen sich alle noch in Hamburg lebenden Bürgermeister treffen, „um über die Lage der Stadt und die größte Herausforderungen zu diskutieren. Mit dabei sind der amtierende Bürgermeister Olaf Scholz sowie seine Vorgänger Christoph Ahlhaus, Ole von Beust, Klaus von Dohnanyi, Ortwin Runde und Henning Voscherau.“ Das Gespräch ist allerdings eine geschlossene Veranstaltung und findet im Verleger-Büro statt. Via E-Mail können die Leser Fragen einreichen. Dass die Ankündigung der ambitionierten Aktion gerade am Starttag der Zeit Hamburg erfolgt, mag purer Zufall sein. Komisch nur, dass auch ein zweiter Springer-Titel an diesen Tag auf Angriff schaltet:

WamS

Denn auch die Welt am Sonntag scheint der neue Rivale nicht kalt zu lassen. Am Mittwoch war bekannt geworden, dass die Springer-Zeitung ihre Werbeagentur (von Oliver Voss zu Grey Berlin) wechseln würde. Bereits einen Tag später gibt es die ersten neuen Motive. Auf einen geht es um den „Hurenstandort“ Hamburg. In dem Text dazu heißt es: „Frühling! Auch für die Huren auf der Reeperbahn. Hamburg bewirbt seine Huren als ‚Deutschlands beliebteste Tour‘. Zeit, diesem attraktiven Standortfaktor mehr Raum zu geben“. Im Slogan heißt es: „Was Hamburg erregt, lesen Sie bei uns“ oder bei einem anderen Motiv „Was Hamburg erschüttert, lesen Sie bei uns“. Offenbar verteidigt die Zeitung hier die Lufthoheit seiner lokalen Ausgabe und deren Anspruch, die großen Debatten auch weiterhin selbst zu führen.

Bereits vor dem ersten Verkaufstag der neuen Lokal-Zeit hatte Springer die Muskeln spielen lassen und dem Rivalen den Vertrieb für die Hansestadt gekündigt. Ab sofort wird die Wochenzeitung nicht mehr von Springer zugestellt, sondern per Post versandt.

Tatsächlich ist eine verschärfte Konkurrenzsituation das Beste, was dem Medienstandort passieren kann. Alle Alt-Bürgermeister dürften der Analyse wohl zustimmen, dass gerade im Bereich Lokal-Presse schon vielzulange ein gewisser Stillstand in der Hansestadt herrschte.

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