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ARD/ZDF im WM-Fieber: Fußball-Party mit Hindernissen

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Getreu dem WM-Motto „all in one rhythm“ wollen ARD und ZDF auf der wohl wichtigsten TV-Party diesmal gemeinsam tanzen. Um die logistischen Herausforderungen der Weltmeisterschaft in Brasilien überhaupt stemmen und bezahlen zu können, setzen die Sender auf eine nie dagewesene Kooperation. Bei der Besetzung ihrer Teams bauten beide ihre Mannschaften um.

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Ähnlich wie bei den Winterspielen in Sotschi teilen sich die TV-Riesen auch in Brasilien wieder ein Studio und viele technische Einrichtungen. Tatsächlich wurden weite Teile des Olympia-Equipments direkt aus Russland in 40 Schiffscontainern an die Copacabana geschickt.

Die Zusammenarbeit zwischen Erstem und Zweiten spart Geld, ist aber auch der komplizierten logistischen Situation geschuldet. In Brasilien wird in zwölf verschiedenen Stadien gekickt. Zwischen den Austragungsorten liegen oftmals Tausende von Kilometern. „Schon deshalb ist eine enge Kooperation wichtig“, erklären Volker Herres (ARD-Programmdirektor) und der ZDF-Chefredakteur Peter Frey bei der gemeinsamen Vorstellung ihrer WM-Pläne in Hamburg.

„Nur hinter dem Schirm sind wir nett zu einander“

Natürlich versprechen sie trotzdem, dass die „Übertragungen für die Zuschauer unterscheidbar bleiben sollen“. Alleine die unterschiedlichen Moderatoren und Experten-Teams würden das gewährleisten. „Nur hinter dem Schirm sind wir nett zu einander“, scherzt Herres. Damit ist der Ton schon vorgegeben. Denn nach dem Willen des Programmdirektors soll das Erste diesmal nicht „das Ernste sein, sondern auch mit einer gewissen brasilianischen Leichtfüßigkeit“ die Aufgabe in Südamerika angehen.

Pk ARD und ZDF zur WM 2014

Hört man nur den Planungschefs beider TV-Mannschaften zu, wird die WM jedoch alles andere als eine Party. Sie jammern jetzt schon. Die Stadien seien zu weit entfernt, die Technik schwer berechenbar, es ist heiß und überhaupt stehe das Verkehrssystem immer kurz vor dem Kollaps. Zur Sicherheit wollen die Sender diesmal sogar einen Ersatzreporter im Sendezentrum vorhalten, falls es einer der vorgesehen Star-Reporter nicht rechtzeitig zu den Live-Spielen ins Stadion schafft. „Das Land und die Situation ist kompliziert. Wir können oftmals nicht das machen, was wir wollen, sondern das, was möglich ist.“

Für das ZDF scheint der Schritt, sich sogar ein Studio oder genauer eine Dachterrasse über der Copacabana mit der ARD zu teilen, etwas schmerzhafter zu sein. Immerhin sind die WM-Bühnen (im Sony-Center, auf der Seebühne in Bregenz oder in der Ostsee) der Mainzer noch – im Guten wie im Schlechten – bestens im Gedächtnis.

Bei der Mannschaftsaufstellung ihrer Moderatoren- und Reporterteams wechselten beide Sender durch
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Beim ZDF berichtet jetzt Katrin Müller-Hohenstein von der deutschen Nationalmannschaft. Während ihr Job an der Seite von Experte Oliver Kahn nun von Oliver Welke übernommen wird. Die Stelle beim DFB-Team wurde frei, weil sich Michael Steinbrecher dazu entschlossen hatte, eine akademische Laufbahn einzuschlagen und nicht mehr als Sportmoderator zu arbeiten.

„Ich finde ohnehin, dass wir im Moment zu viel Häme haben“

Bei ihrer Präsentation gab sich Müller-Hohenstein redlich Mühe, dem Eindruck entgegenzuwirken, dass ihre neue Aufgabe eine Herabstufung sei. „Wer das so sieht, dem kann ich nicht helfen“, entgegnete sie den Kritikern. Chefredakteur Frey versicherte dazu noch, dass Müller-Hohenstein „eines der wichtigsten Gesichter des ZDF in Brasilien“ sei. Die Kritik konterte er mit dem Hinweis: „Ich finde ohnehin, dass wir im Moment zu viel Häme haben“.

Als Moderatoren setzt das ZDF auf Béla Réthy, Wolf-Dieter Poschmann, Oliver Schmidt und Thomas Wark. Zudem verpflichten die Mainzer Hasan Salihamicic, der von Deutschland aus mit Promis und Fußballern die Spiele kommentieren soll.

Bei der ARD melden sich Tom Bartels, Gerd Gottlob und Steffen Simon aus dem Stadion. Von der Dachterrasse aus analysieren Mehmet Scholl und Matthias Opdenhövel, der Gerhard Delling ablöst. Dieser wechselt wiederum, wie auch „KMH“ ins Quartier der deutschen Mannschaft. Im Zweiten wird es zudem noch eine Spätschicht geben, die von Reinhold Beckmann und dem brasilianischen Ex-Profi Giovane Elber bestritten wird. „Schon bei Ran und Ranissimo hatten wir zusammen viel Spaß“, kommentierte Beckmann.

Vor allem im Online-Bereich haben sich beide Sender viel vorgenommen. So wird es unter anderem eine neue WM-App geben, die für alle wichtigen Szenen verschiedene Kamera-Blickwinkel anbietet. Der Zuschauer soll so zu seinem eigenen Regisseur werden.

Interessant ist der Aspekt, dass es vor allem für Statistiker nicht unerheblich ist, welcher Sender ein Spiel überträgt. So konnte die deutsche Mannschaft bislang immer nur dann Weltmeister werden, wenn auch die ARD das Finale übertrug. Das wird auch im Sommer wieder der Fall sein. Allerdings ist sie auch häufiger ausgeschieden, wenn das Erste ein Match übertrug.

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