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Zoff um eat24-Abschiedsbrief: US-Medien unterstellen Facebook Arroganz

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Ist das Social Network noch "social" genug? Ein US-Unternehmen macht per Blogeintrag Schluss mit Facebook und wirft dem Netzwerk vor, sich nicht mehr ausreichend zu kümmern. Ein Facebook-Sprecher reagiert zackig. Jetzt stellen sich US-Medien die Frage: Ist das Social Network zu groß geworden für die kleinen Unternehmen?

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Kennen Sie eat24? Wahrscheinlich nicht. Doch der US-Essenslieferdienst hat etwas getan, was sich nur die wenigsten Unternehmen in diesen Tagen trauen: Er macht höchstoffiziell “Schluss” mit Facebook. Das ist an sich schon verwunderlich genug. Allerdings hat sich ein hochrangiger Mitarbeiter des Social Networks geäußert. Nun stellt die US-Presse die Frage: Ist Facebook zu groß, um sich noch um die kleinen Unternehmen zu kümmern?

Die Diskussion kommt zu einem Zeitpunkt, an dem das Netzwerk präsenter ist als jemals zuvor: Über 1,23 Milliarden Menschen nutzen das Facebook weltweit, 19 Milliarden Dollar bezahlte CEO Mark Zuckerberg für den Messaging-Dienst WhatsApp, der mittlerweile über 650 Millionen Nutzer zählt. Als wäre das nicht schon genug, machte Zuckerberg nun zusätzlich zwei Milliarden Dollar locker, um sich die Virtual-Reality-Brille Oculus Rift einzuverleiben – die noch ein gutes Jahr von der Marktreife entfernt ist. Darüber hinaus verspricht das Unternehmen eine lang angelegte Multi-App-Strategie. Kurzum: Bei Facebook dreht sich gerade sehr viel um die Zukunft des Unternehmens.

Da stellt sich ausgerechnet jetzt die New York Times die Frage: Ist Facebook zu groß geworden, um sich noch zu kümmern? Gemeint ist die Reaktion des Unternehmenssprechers Brandon McCormick auf den “Abschiedsbrief” von eat24. Der US-Lieferdienst beklagte, dass ihn die Änderungen an den Algorithmen im News Feed enorm benachteiligen würden. Tatsächlich haben Unternehmen damit zu kämpfen, dass Facebook Inhalte seit einigen Monaten anders gewichtet. Während Medien und ihre Beiträge – aufgrund höherer Zugriffe durch die Nutzer – mittlerweile bevorzugt werden, werden Händler und Anbieter lokaler Geschäfte weniger häufig angezeigt in den News Feeds. Um auf eine Reichweite wie vor der Umstellung zu kommen, verlangt Facebook von den Unternehmen Geld für das “Sponsoring” von Beiträgen.

„Du nimmst die Beiträge und versteckst sie vor unseren Freunden“

“Ganz ehrlich: Dein Verhalten gibt uns das Gefühl, als würdest Du uns nicht respektieren”, erklärt eat24 in einem Blogeintrag, der sich an Facebook richtet. “Vielleicht denkst Du, unsere Beiträge kämen aus dem Nichts. Aber wir investieren sehr viel Zeit, um die Menschen glücklich zu machen.” Der Vorwurf an das Social Network: “Was tust Du? Du nimmst die Beiträge und versteckst sie vor unseren Freunden.”

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Kritiker dürften die Reaktion von Facebook-Sprecher McCormick als arrogant werten. Er schreibt: “Wir haben gerne über Eure Witze (…) gelacht, aber mittlerweile sind sie nicht mehr so lustig. Es passieren einige ernsthafte Sachen in der Welt. Einer meiner Freunde hat gerade erst ein Baby bekommen, ein anderer hat soeben ein Foto von seinen hausgemachten Cupcakes gepostet.” Facebook habe herausgefunden, dass die Menschen am meisten Wert legen auf diese persönliche Dinge legen – und weniger auf “Sushi-Porn”.

Facebook gibt den Nutzern, was sie wollen

Hat Facebook eine Arroganz-Problem? Vielmehr ein Problem der Übervölkerung. Weil immer mehr Unternehmen immer mehr Nutzer erreichen wollen, ist der Kampf um die Gunst der Nutzer knüppelhart geworden. Durchschnittlich sind Facebook-User mit 342 Kontakten befreundet und Fan von rund 40 Seiten. Setzt jeder Kontakt und jede Seite nur einen Beitrag ab, müsste der Nutzer rund 380 Beiträge am Tag lesen. Unmöglich! Deswegen sortieren Filter im Hintergrund die ausgewählten Beiträge vor. Teilweise zum Nachteil von Unternehmen, die sich auf Facebook eine größere Reichweite versprechen. Wer sich nicht frühzeitig um seine Präsenz im Social Network gekümmert hat und davon ausgeht, seine Facebook-Kommunikation nebenher laufen zu lassen, der spürt schnell Ernüchterung. Die Anforderungen an originelle, erfolgsversprechende Kommunikation sind gewachsen.

Man kann die Reaktion von Facebook – gepaart mit den für viele undurchschaubaren Investments von Zuckerberg – als arrogant werten. Doch tatsächlich ist das Problem vielschichtiger. Denn tatsächlich haben die Umstellungen am News Feed von Facebook ein Ziel: sich nach den Vorlieben der Nutzer zu richten. Und die wollen offenbar mehr Nachrichten lesen und weniger Werbung im News Feed ausgespielt bekommen. Würde Facebook den Nutzern nicht das liefern, was sie verlangen, würde die Nutzungsdauer signifikant abnehmen. Was wiederum auch die Seitenbetreiber zu spüren bekämen.

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