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Internet-IPOs: Die unheilvollen Echos von 1999 werden lauter

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Die Verluste steigen, die Toleranz der Investoren wird größer, die Kurse ziehen steiler an. Bis jetzt: In der vergangenen Woche stürzten eine Reihe von Internetaktien so schwer ab wie schon lange nicht mehr. Hat die Trendwende begonnen?

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Das Jubiläum verstrich fast unbemerkt: Seit exakt fünf Jahren läuft der Bullenmarkt, wie Anleger das Börsenumfeld steigender Kurse nennen, nun schon. Im März 2009 nahm in den Wirren der Finanzkrise alles seinen Anfang. Seitdem läuft die Hausse und läuft und läuft – bis heute. Und das in allen charakteristischen Stadien: der anfänglichen Skepsis, der rationalen Zuwächse, der Euphorie.

Nun scheint es, als wären Anleger im letzten Stadium angekommen. Die Euphorie schien seit dem Börsengang von Twitter, spätestens aber seit der 19 Milliarden Dollar schweren WhatsApp-Übernahme durch Facebook ins Grenzenlose zu wachsen. Die nächsten großen Internet-IPO-Kandidaten wie Dropbox und Airbnb werden bereits mit 10 Milliarden Dollar gehandelt, während der App-Spiele-Entwickler King am Mittwoch mit einer Bewertung von 7 Milliarden Dollar an der Wall Street debütierte.

Castlight: „Überbewertetster Börsengang des Jahrhunderts“   

Im Gegensatz zum Candy Crush-Anbieter King, der wenigstens Gewinne präsentieren kann, verbrennen die nächsten Börsenneulinge dagegen kräftig Geld, werden von Anlegern aber trotzdem so gefeiert, als wäre es noch mal 1999. Da wäre etwa der cloudbasierte Gesundheitsinformationsanbieter Castlight, der im vergangenen Jahr Umsätze von ganzen 13 Millionen Dollar erzielte, dabei aber Verluste in fünffacher Höhe einfuhr. Allein die Marketingaufwendungen waren dreimal so hoch wie die Umsätze. 

Die Wall Street jedoch ignorierte die äußerst fragwürdige Entwicklung und reagierte auf die erstaunliche Börsenbewertung von 1,4 Milliarden zu Ausgabekursen von 16 Dollar je Aktie in der vorvergangenen Wochen noch mit satten Kursaufschlägen, die die Marktkapitalisierung auf mehr als drei Milliarden Dollar schießen ließ; am Donnerstag waren es immer noch 2,2 Milliarden Dollar. Yahoo Finance nannte Castlight „den überbewertetsten Börsengang des Jahrhunderts“.

Box: Verluste größer als Umsätze

Doch Castlight ist kein Einzelfall. Seit Twitter im vergangenen November vorgemacht hat, dass man auch mit Verlusten in der aktuellen Geschäftsbilanz prächtige Kursgewinne an der Wall Street einfahren kann, wagen sich Tech- und Internet-Unternehmen wieder früher als in den vergangenen Jahren an den Kapitalmarkt. 

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So auch Dropbox-Konkurrent Box, der zu Wochenbeginn seinen Zulassungsantrag bei der SEC einreichte. Er liest sich unterm Strich nicht gut: Umsätzen von 124 Millionen Dollar im vergangenen Jahr – dem immerhin schon achten Geschäftsjahr – stehen Verluste von 168 Millionen Dollar gegenüber. Trotzdem wird Box nach der jüngsten Finanzierungsrunde mit mehr als 2 Milliarden Dollar bewertet.

Harte Woche für Internetaktien

Nicht anders ging die Internet-Euphorie um die Jahrtausendwende zu Ende: nach immer ambitionierteren Bewertungen krachte es von einem Tag auf den anderen. Und Henry Blodget, seinerzeit wohl berühmtester Internetaktienanalyst der Welt und heute mit dem Business Insider einer der profiliertesten Verleger des Internet-Zeitalters, warnte jüngst vor einem Crash in den Dimensionen von 1929.

Und tatsächlich wird das Donnern lauter. Online-Spiele-Anbieter King versemmelte seinen Börsengang am Mittwoch komplett – die Aktie stürzte aus Sorge um die zu starke Abhängigkeit von Erfolgsspiel Candy Crush zum Debüt um 16 Prozent ab.

 „Mini-Tech-Crash“: Internetaktien gehen auf Tauchstation

Mit dem ersten im großen Stil gefloppten Internet-IPO seit Facebook kam der gesamte Sektor unter den Hammer. Anteilscheine von Twitter verloren in den vergangenen drei Handelstagen fast 15 Prozent an Wert, Facebook gab im Zuge der Oculus-Übernahme ebenfalls fast 10 Prozent nach, während sich selbst die Google-Aktie um 6 Prozent verbilligte.

Die Überflieger Amazon und LinkedIn notieren unterdessen auf 6-Monatstiefs. Grund genug für den Business Insider, den jüngsten Ausverkauf zum „Mini-Tech-Crash“ hochzujazzen. Ob daraus ein echter Crash wird, werden die nächsten Monaten zeigen. Klar scheint jedoch: Der Wind hat gedreht.

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