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Zu spät und zu wenig Geld: Investor Hommels über Startups in Europa

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Facebook bezahlt 19 Milliarden Dollar für WhatsApp? Kein Thema, meint Klaus Hommels, einer der wenigen europäischen Internet-Investoren mit einem klingenden Namen. Die Rolle des Kaufpreises bei einer Übernahme werde überbewertet, sagte er auf der Startup-Konferenz Hy! In Berlin. Probleme für die europäische Wirtschaft sieht Hommels vielmehr in der Tatsache, dass zu spät zu wenig Geld in Startups fließe.

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Hommels spricht aus langjähriger Erfahrung als Investor u.a. bei Skype, Facebook, Xing und Spotify. Die „Achillesferse Europas“ sieht er in dem drohenden Verlust der Hoheit über Daten und Betriebssysteme. Alle großen Plattform- und Betriebssystem-Betreiber sitzen in den USA oder in Asien. Europäischen Internet-Unternehmen fehle etwas, das Hommels „Querschnittsrelevanz“ nennt.

Sein aktuelles Beispiel: Die Nobeltaxi-Firma Uber, in die Google zuletzt 250 Millionen Dollar steckte. Die Summe spiele gar keine so große Rolle. Vielmehr sei Uber ein strategisches Investment, denn: Google experimentiert mit selbstfahrenden Autos, Google verfügt über die Kartenanwendung Maps. „Uber baut das Beförderungs-Betriebssystem“, sagt Hommels auf der Startup-Konferenz Hy! in Berlin.

Um dahin zu kommen, werde die Firma mit Geld quasi überschwemmt. Ganz im Gegensatz zu Startups wie MyTaxi und Hailo, die mit nicht genügend finanziellen Mitteln ausgestattet würden. Über eine solche Querschnittsrelevanz wie Google, die nach und nach in viele unterschiedliche Geschäfts- und damit Lebensbereiche expandieren, verfügt kaum ein anderes und schon gar kein deutsches oder europäisches Tech-Unternehmen. Ein Unternehmen wie Xing, in das Hommels berets früh investiert hatte, werde in seinen eigenen Worten mittlerweile „zunehmend an den Ramd gedrängt“.

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Was nun die Strategie bei Übernahmen angeht, ist Hommels ebenfalls ziemlich radikal. „Nur die ungewöhnlichen Deals werden Erfolg haben.“ Exemplarisch sei der Kauf von YouTube wiederum durch Google vor einigen Jahren gewesen. Teuer? Relativ, wenn man bedenkt, dass YouTube heute so etwas wie das Fernseh-Betriebssystem der Zukunft ist.

Und WhatsApp? 19 Milliarden für die Aussicht, künftig die mobilen Nutzer auch von Facebook um 50 Prozent zu steigern, seien ein akzeptabler Preis. Vor allem, weil die Übernahme teilweise mit Anteilen an Facebook bezahlt werde. Viel fragwürdiger sei doch, warum die europäische Telekommunikationsindustrie sich die Firma nicht gekauft habe – bei einem viel größeren Gesamtumsatz als Facebook. Komische Idee? Nicht wirklich, wenn man bedenkt, dass WhatsApp allein in Europa jeden Tag Millionenumsätze, die mit dem Verschicken von SMS generiert werden, bedroht.

Hommels‘ Rat: Mehr Geld auch in der frühen Investitionsphase in vielversprechende Startups stecken, mehr Geld insgesamt auf den Tisch legen. Positivbeispiele für Europa seien Zalando, Spotify und Klarna: „It only works with scale.“

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