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„Frühstück für immer“: Der neue Leipzig-„Tatort“ im MEEDIA-Check

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"Frühstück für immer": Szene aus dem Leipzig-"Tatort"

Mit "Frühstück für immer" (am 16. März um 20.15 Uhr im Ersten) hat der MDR einen sehenswerten "Tatort" aus Leipzig hingelegt. Nicht zwingend wegen des Ermittlerduos Saalfeld und Keppler, sondern wegen der von Regisseurin Claudia Garde gut erzählten Geschichte über Single-Frauen am Rande der Selbstkontrolle.

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Die Story: Julia Marschner wird tot aufgefunden. Nach einer durchfeierten Nacht bei einer „Ü40“-Party. Exakt an der Stelle, wo vor drei Jahren schon einmal ein Mörder eine Frauenleiche abgelegt hatte. Der Fall führt das Kommissarduo Saalfeld und Keppler auf ganz unterschiedliche Fährten. Unter Verdacht stehen u.a. der cool-nervöse Freund von Marschners Tochter, ein Flirtcoach (Motto: „Hokus Pokus Koitus“) und ein Schönheitschirurg mit einer Vorliebe für S/M-Praktiken. Die Story hinter der Story beschäftigt sich mit dem Älterwerden. „Wenn man in ein gewisses Alter kommt, verschwindet man einfach in den Augen der Männer“, sagt eine Freundin des Opfers.

Sind die Ermittler in Form? Spektakuläre Leibesübungen werden dem Ermittlerteam aus Leipzig nicht abverlangt. Während sich der Frauen-Freundeskreis des Mordopfers zwischen Party und Resignation über unerfülltes Familienglück bewegt, wirken Saalfeld und Keppler harmonisch wie selten. Fast ein wenig zu harmonisch. Keppler leistet sich kleine Anzüglichkeiten, Saalfeld blickt öfter gedankenverloren ins Leere. Ob sie schon mal auf einer „Ü40“-Party gewesen sei? Antwort: „Nein, da darf ich noch nicht rein.“

Der Satz zum Mitreden bzw. Mitstreiten: „Frauen sehnen sich nach Komplimenten, gerade in dem Alter, in dem sie kippen, zwischen 40 und 50.“

Was taugt das Drehbuch? Angelegt als klassischer WhoDunnit-Krimi, aber mit der Substory von Autorin Katrin Bühlig interessanter und geheimnisvoller erzählt als beliebige Massenware. Die Charaktere sind schön ausgeleuchtet, die Spuren zu den Verdächtigen gut gelegt. Kein „Tatort“-Meilenstein, aber deutlich über dem Durchschnitt.

Gossip: Hat Keppler beim ebenfalls unter Verdacht stehenden Flirtcoach Tom Römer insgeheim eine Stunde gebucht?

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Eher peinlich: Keppler im Flirtmodus will man eigentlich nicht sehen. Die Beziehung der beiden Ermittler zueinander spielt zum Glück nur eine Minirolle. Ganz überflüssig ist sie freilich nicht, denn das Begehren nach dem Begehrtsein, das die Frauen-Clique um das Mordopfer umtreibt, spiegelt sich hier.

Beste Performance: Was mal schön ist – im Ensemble gibt es keinen Ausfall. Franz Dinda als bockig-verschlagener Nachwuchs-Womanizer gibt eine sehr gute Figur ab. Kürzer im Bild, aber wirkungsvoll: Victoria Trauttmansdorff als schwer zu lesende Gattin des Schönheitschirurgen mit den zwei Gesichtern.

Offene Frage: Lassen sich die Frauen im Leipzig-„Tatort“ nun auf den körperlicher Gewaltanwendung nicht abgeneigten Arzt ein, weil sie jenseits der 40 sind? Oder hat die Angst vor dem Altern mit der Bereitschaft zu S/M-Spielchen gar nix zu tun und die Peitschen sind nur ein requisitorisches Schmankerl? Die Sinnhaftigkeit der Verknüpfung bleibt unklar.

Einschaltempfehlung auf einer Skala von 1 bis 10: 8

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