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„Tatort“ Geo: Wie sich die ARD mit der G+J-Zeitschrift anlegen wollte

Ort, an dem sich eine Tat zugetragen hat Gehirn: Geo-Chef Peter-Matthias Gaede
Ort, an dem sich eine Tat zugetragen hat Gehirn: Geo-Chef Peter-Matthias Gaede

Markenschutzbemühungen können bisweilen seltsame Blüten treiben. Nach Infos von MEEDIA hat die ARD versucht, der Gruner-Zeitschrift Geo zu untersagen, den Begriff "Tatort" für einen Geo-Titel zu verwenden. Stein des Anstoßes war der Geo-Titel vom Oktober vergangenes Jahr: "Tatort Gehirn - Schuldig, unschuldig? Wie verantwortlich sind wir für unser Handeln." Geo-Chef Peter Matthias Gaede ließ das nicht auf sich sitzen und reagierte mit einer spitz formulierten Replik.

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Kornelia Reiter, Marketing Managerin bei der ARD, hat die Geo-Redaktion nach Infos von MEEDIA angeschrieben und mitgeteilt, dass der Begriff „Tatort“ nur im Zusammenhang mit der populären ARD-Krimireihe gleichen Namens verwendet werden dürfe. So eine Vorlage lässt Geo-Chefredakteur Peter-Matthias Gaede nicht ungenutzt. Aus dem Gruner+Jahr-Umfeld wurde MEEDIA die pointiert formulierte Antwort Gaedes an die ARD zugänglich gemacht.

„Ich nehme an, dies haben Sie auch bereits der Duden-Redaktion, sämtlichen deutschen Polizeidienststellen sowie dem „Bundesverband Pädagogik in der Forensik“, dem Deutschen Richterbund und der Berliner Vereinigung der Staatsanwälte mitgeteilt“, schrieb der Geo-Chef an die ARD-Frau. Und weiter:

Ich habe daraufhin rasch und willig im Synonym-Wörterbuch nachgeschaut, um zu sehen, mit welchem Wort wir zukünftig jenen, ähem, Flecken bezeichnen könnten, an dem sich irgendwas, tja, Verbotenes, jedenfalls Ungutes ereignet hat. Danach könnten wir im Wiederholungsfall eine Geschichte wie jene, mit der GEO im Oktober 2013 eine Hirnforschungs-Geschichte aufgemacht hat, ohne Verletzung Ihrer Markenrechte wie folgt nennen:

Ort, an dem sich eine Tat zugetragen hat Gehirn.

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Eleganteres fällt leider auch den Hohepriestern der deutschen Sprache nicht ein. Nun wäre das, nun ja, ein wenig umständlich formuliert. Etwa so, als käme die ‚Tagesschau‘ demnächst als ‚Optisch-verbale Übersicht über Ereignisse der letzten zwölf bzw. 24 Stunden‘ daher. Etwas sperrig, fände ich. Weswegen ich doch hoffe, dass wir den Tatort, der sich seit etwa 1856, wenn ich nicht irre, im deutschen Sprachgebrauch wie ein freier Geist herumtreibt, eben doch weiterhin auch für unsere Zwecke nutzen dürfen.

Dito ein aus Kriegen, von der National Rifle Association (USA), aus James-Bond-Filmen und vielleicht sogar von unserem erfolglosen Biathlon-Team bekanntes Fadenkreuz sowie ein Daktylogramm (vulgo Fingerabdruck), das seit dem englischen Naturwissenschaftler Francis Gordon und dem argentinischen Kriminologen Juan Vucetich (beide 19. Jahrhundert) eine gewisse Rolle bei der Identifizierung von Personen spielt und symbolisch für Erkenntnisse in der Kriminalistik steht.“

Gaede gibt die Geo-Chefredaktion zum 1. Juli auf eigenen Wunsch an Christoph Kucklick ab. Als publizistischer Berater bleibt er G+J erhalten. Und hoffentlich auch als Autor amüsanter E-Mail-Korrespondenzen …

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