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„Russland heute“: Süddeutscher Verlag kippt Vertrieb der Beilage

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Website von "Russia beyond the Headlines"

Der Süddeutsche Verlag hat den Vertrieb der Beilage "Russland heute" vorerst gekippt. Die März-Ausgabe hätte dem Blatt bereits Anfang der vergangenen Woche beiliegen sollen. "In Absprache mit dem Kunden", heißt es beim Verlag, sei der Termin "geschoben" worden.

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Russia beyond the the headlines“, so der offizielle Titel des Blattes, ist kein Produkt des Süddeutschen Verlags, sondern eine „kundenfinanzierte Fremdbeilage“, wie es im Verlagsjargon heißt. Sprich: „Russland heute“ wird wie eine Anzeige bezahlt, von einer eigenständigen Firma produziert und nur beigelegt. Dennoch erhoffen sich Kunden von der Art des Vertriebs natürlich, dass ein wenig vom Image des Titels, dem man beiliegt, auf die eigene Publikation abstrahlt.

Die monatlich erscheinende Russland-Zeitung ist ein Art Ableger der russischen Regierungszeitung Rossijskaja Gaseta. Sie unabhängig zu nennen, wäre also nicht korrekt. Obwohl das Blatt sich selber so vorstellt, laut Internetseite nämlich als Blatt für „politische, wirtschaftliche und kulturelle Berichterstattung aus und über Russland“. Weiter: „Wir bringen Nachrichten und Analysen von professionellen unabhängige Journalisten vor Ort. Darüber hinaus ist Russia beyond the Headlines die Austauschplattform für Experten, Meinungsmacher und Kommentatoren.“

Die Zeitung liegt nicht nur der SZ bei, sondern einer ganzen Reihe von sehr bekannten Zeitungen auf der ganzen Welt – über Europa (u.a. El Pais, Le Figaro), USA (Washington Post) bis Japan (Mainichi Shimbun). Die Publikation dürfte eines der aufwändigsten Beispiele für Staats-PR in journalistischer Erscheinungsform darstellen. Genau darum hat nun der Verlag der SZ vorerst den Vertrieb gestoppt. Denn vor allem wegen der Krim-Krise befürchtet die Chefredaktion der SZ, dass über „Russland heute“ eine parteiische Sichtweise in die SZ hineingetragen wird.

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Der taz sagte Vizechef Wolfgang Krach: „Wir wissen, dass es Russland heute darum geht, ein positives Russlandbild zu vermitteln. Das halten wir zu einem Zeitpunkt, wo Russland Soldaten und Panzer auf die Krim schickt, grundsätzlich nicht für richtig.“ Die Entscheidung für den Stopp habe aber der Verlag getroffen.

„Russland heute“ war auch ins Gerede gekommen, weil Zeit Online dem freien Autoren Moritz Gathmann, der auch als Gastredakteur für das Blatt berichtet hatte, die Mitarbeit aufgekündigt hat. Gathmann hat mittlerweile seine Mitarbeit für „Russland heute“ beendet.

Ein neuer Termin für den Vertrieb der März-Ausgabe sei noch nicht festgelegt, teilt der Süddeutsche Verlag mit. Gut möglich, dass es diesen Termin nie geben wird.

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