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Quoos über Hoeneß-Story: „Warte heute noch auf Kiste Champagner“

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Die Steuer-Affäre um Uli Hoeneß ist vorbei. Mit dem Verzicht auf Revision setzt der nun ehemalige Bayern-Präsident auch der Berichterstattung ein Ende und gesteht sich ein: er hat verloren. Als Gewinner gehen Jörg Quoos und seine Focus-Redaktion aus der Sache hervor. Sie haben damals zuerst über den Fall berichtet - und den Staat seitdem finanziell bereichert, findet Quoos.

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Der Chefredakteur des Nachrichtenmagazins diskutierte bei Markus Lanz mit seinem ehemaligen Kollegen und Sport Bild-Chefredakteur Alfred Draxler, mit dem CSU-Mitglied und dem ehemaligen Chefredakteur des Bayernkurier, Wilfried Scharnagl, sowie mit TV-Richter Alexander Hold (der auch im richtigen Leben Jurist ist) und Steueranwalt Ingo Flore. Natürlich ging es nicht nur um den Urteilsspruch des Landesgerichts in München, sondern auch um die Rolle der Medien, speziell um die Rolle des Focus, der den Steuerfall als erstes Blatt publik gemacht hat.

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22. April 2013: Der Focus bringt Hoeneß auf den Titel – mehr oder weniger.

Wie selten erlebte der Zuschauer einen Moderator, der aufgeklärt und aufgeräumt durch eine hochkarätige und intellektuell besetzte Runde führte. Mit Recht wollte Lanz von seinem Gast Quoos mehr über die Entstehung der Focus-Geschichte erfahren. „Es war die vielleicht absurdeste Szene, die ich in meinen 25 oder 30 Jahren als Journalist erlebt habe. Wir saßen damals in der Redaktion an einer riesigen FC-Bayern-Geschichte, an einer Lobeshymne auf den FC Bayern. Der Verein stand kurz vor der deutsche Meisterschaft und wir haben einen Titel gemacht: FC Bayern Supermacht, in der wir das ganze Geschäftsmodell, den Erfolg von Uli Hoeneß dargestellt haben. Wir haben ein  Riesen-Interview mit Uli Hoeneß gemacht“, erklärt Quoos. Damals war es der 5. April, Schlussredaktion beim Nachrichtenmagazin in München, als Quoos von einem Informanten erfahren habe, dass Hoeneß ein geheimes Konto in der Schweiz besitze, Steuern hinterzogen und die Behörden eine Razzia beim ehemaligen Bayern-Präsidenten vollzogen hätten. „Diese Geschichte haben Sie dann auf dem Tisch und fragen sich: Was mache ich jetzt?“ Der Focus hielt die Story zurück, brachte sie zwei Wochen später,

Quoos hat Hoeneß der Öffentlichkeit ausgeliefert – diesen Vorwurf könnte man Fragen des Moderators Markus Lanz entnehmen. Wieso? Zum einen, erklärt Quoos, sei Hoeneß bisheriges Auftreten in Steuerfragen ein Grund gewesen. „Die Tatsache, dass Uli Hoeneß in diesen Fragen so eindrucksvoll die Öffentlichkeit gesucht hat und sich als Vorbild für die Markus Lanz - Antwortschreiben von Uli Hoeneßganze Nation hingestellt hat, ist für Journalisten, die mit dem Gegenteil konfrontiert werden, natürlich ein absoluter Grund, das Thema auch zu veröffentlichen.“ Quoos war im dritten Monat seiner Chefredakteurskarriere beim Focus. „Hoeneß kommt in Bayern auf der Höhe des Papstes, vielleicht sogar noch darüber“ – zudem ist Focus-Herausgeber Helmut Markwort enger Hoeneß-Vertrauter. „Mir war schon klar, dass das eine ganz sensible Geschichte und Materie ist, und wir haben wirklich lange und sehr akribisch recherchiert. Wenn Sie sich erinnern, war sie (Anmerk. der Red.: die Geschichte) sehr faktenbasiert vorgetragen“, verteidigte Quoos seine Entscheidung. „Wir haben Hoeneß schriftlich konfrontiert und er hat auch geantwortet. Das war, wenn Sie so wollen, das Geständnis und die Geschichte war damit atombombensicher.“

Quoos: „Print hat Impact“
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Trotz der eigentlich fundiert vorgetragenen Argumentation, wollte Lanz seinen Gesprächspartner nicht einfach so „herauslassen“. Er wollte wissen: Wieso stellt man Hoeneß an den Pranger, während andere hinterrücks davonkommen? Quoos begründete seine Entscheidung mit der Dimension des Falls. Gleichzeitig, und das ist ein netter Versuch, argumentierte er mit den erzieherischen Folgen. „Print hat Impact“, so Quoos. „Nach unserer Geschichte im Focus hat sich die Zahl unserer Selbstanzeigen verdreifacht.“ Bei grober und konservativer Rechnung, habe Finanzminister Wolfgang Schäuble seit der Berichterstattung 150 Millionen Euro eingenommen – nur durch diese Öffentlichkeit, so Quoos. „Und ich warte heute noch auf die Kiste Champagner als Dankeschön.“ 

Die „Markus Lanz“-Sendung vom 13. März 2014 gibt es in der ZDF Mediathek zu sehen. 

 

(ms)

 

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