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Springer-Vorstand: Kein Zweifel, dass Verkauf an Funke durchgeht

Der Verlagssitz des Axel Springer Konzerns in Berlin
Der Verlagssitz des Axel Springer Konzerns in Berlin

Der Verkauf des Zeitungs- und Zeitschriftenpaketes an die Funke Mediengruppe wird durchgehen, sagt Springer-Vorstand Andreas Wiele. Trotz der Auflagen des Kartellamtes. Daran bestehe "kein Zweifel", sagte er auf der Springer-Bilanzpressekonferenz. Wiele geht davon aus, dass der Klambt-Verlag als Käufer über "genügend finanzielle Mittel" verfüge.

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Das Bundeskartellamt will den Verkauf eines Pakets von Programmzeitschriften nicht ohne Auflagen durchwinken. Einige Titel müssen weiterverkauft werden. Wiele und seine Vorstandskollegen ließen nun keinen Zweifel daran, dass der Verkauf tatsächlich über die Bühne geht. Trotz aller Skepsis wird es wohl tatsächlich auch so kommen. Schließlich hängt für alle Beteiligten auch zu viel davon ab – der Deal soll letztlich nicht an einigen nicht wirklich relevanten Programmzeitschriften scheitern, die nur einen Bruchteil des Gesamtpakets ausmachen.

Indirekt dankte Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner der Funke-Gruppe, dass sie die „beschleunigte Digitalisierung“ von Springer ermögliche. Nach den neuen Bilanzierungsregeln wirkt die dominante Stellung digitaler Erlösmodelle im Unternehmen nun noch deutlicher. Aber das liegt natürlich auch daran, dass viel Print verkauft wurde. Die Frage wird nun sein, welche digitalen Geschäftsmodelle a) zugekauft und b) neu gegründet werden.

Spekulationen gibt es eine ganze Reihe, von einer Übernahme der Startup-Plattform Gründerszene oder des Rubrikenportals Immowelt bis zum US-Unternehmen Forbes, das mittlerweile auch vor allem digitale Erlöse einfährt. Doch zu möglichen Transaktionen gibt Springer als börsennotiertes Unternehmen wie gehabt keine Auskunft. Zu internen Projekten, von denen es auch eine ganze Reihe geben soll – ebenfalls kein Kommentar. Mit der Wirtschaftsmagazin-Beilage Bilanz kommt am 2. Mai zunächst ein im Kern journalistischer, aber eher konventioneller Titel auf den Markt, bzw. wird den Käufern der Welt mitgegeben.

Die Zahlen sind insgesamt leicht rückläufig, von den 600 Millionen Euro, die durch zwei Großpakete (Funke-Deal, Ringier-Kooperation in Tschechien) gegenüber 2012 aus der Bilanz verschwanden, mal ganz abgesehen. Das EBITDA sei vor allem wegen „Restrukturierungs- und Launch-Kosten“ gesunken – dazu zählt vor allem die Einführung des Bezahlsystems BildPlus. Das Festhalten an Gratismodellen im Netz hält Döpfner, trotz der beispielsweise bemerkenswert steigenden Digitalerlöse des Guardian, für den „vollständig falschen Weg“.

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In der neuen Kategorie „Bezahlmodelle“, die zu etwa 90 Prozent von den Erlösen der Bild und der Welt-Gruppe bespielt werden dürften, lässt sich der Markttrend ablesen. Hier sank das EBITDA der nationalen Modelle bzw. Titel um 24 Prozent gegenüber Vorjahr (nur die fortgeführten Aktivitäten inklusive). Es mag nun keine Kategorie Print mehr geben (Döpfner: „Digital ist in diesem Unternehmen alles“), die Spuren sind weiterhin erkennbar.

Das EBITDA der Vermarktungsmodelle stieg leicht um 5,4 Prozent, wobei allerdings das Performance Marketing (u.a. Zanox) gehörig unter dem Preisdruck im Markt leidet und sinkende Gewinne verzeichnet. Dafür geht es der klassischen Reichweitenvermarktung vergleichbar gut – sie sorgt für das Plus. Formidabel weiterhin das Geschäftsmodell Rubrikenportale (EBITDA plus 22,6 Prozent gegenüber Vorjahr). Ab 2015 könnte theoretisch die Tochter Digital Classifieds an die Börse gebracht werden, wenn der Partner General Atlantic diesen Exit suchen will.

Unterm Strich sank der Konzernüberschuss, nicht nur wegen verkaufter Titel, bereinigt auf 178,8 Millionen Euro. Trotz des fallenden EBITDA wurde die Dividende leicht auf 1,80 pro Aktie erhöht – auch das mag eine Aussage über das Selbstvertrauen sein, das Springer trotz der faktisch geschrumpften Bilanz innewohnt.

Zurzeit lebt der Konzern von den Erwartungen, die er weiterhin weckt. Erwartungen in künftige digitale Geschäftsmodelle, zugekauft oder organisch entwickelt. Zur Springer-Außenwirkung gehört allerdings auch weiter die Betonung, ein Verlag zu sein. Das heißt, es müssen in diesem Jahr auch neue journalistische Geschäftsmodelle auf den Tisch. Und die sollten möglichst auch wirtschaftlich performen. Alles andere wäre eine Fortführung der Situation, dass journalistische Titel, ob gedruckt oder digital, entweder nicht mehr, gerade noch oder noch nicht Geld verdienen. Bei Investoren wecken solche Aussichten keine Regungen abseits eines Schulterzuckens.

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