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Wochenrückblick: Kai Diekmanns Ego-Reporter-Trip auf den Maidan

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Kai Diekmann, Ego-Großmeister, Bartträger und Bild-Chef erfindet die Selfie-Reportage auf dem Maidan und macht den Wulff-Anruf auf seiner Mailbox zur besucher-Attraktion bei Bild. Digital-Denker Tim Renner kämpft mit Berliner Beamten-Bögen. Und Unbekannte projizieren Forderungen ans Springer-Hochhaus.

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Bildschirmfoto 2014-02-28 um 11.25.30

Kai Diekmann hat die Selfie-made Reportage bei der Bild eingeführt. Der Bild-Chefredakteur ist persönlich mit Smartphone bewaffnet in die Ukraine geflogen und hat für Bild.de eine Foto-Reportage samt Wackel-Videos und authentisch verfremdeten Smartphone-Schnappschüssen gemacht. “Meine 36 Stunden auf dem Maidan in 36 Handy-Bildern”, heißt das dann.  Das kann man entweder total egomanisch finden oder superklug – je nachdem. Schlecht gemacht ist das Stück jedenfalls nicht. Zwei Dinge fallen auf: 1. Die Handy-Reportage vom Chef findet nur online bei Bild.de statt. Das dokumentiert, dass bei Bild das Digitale tatsächlich Chefsache ist. 2. Wenn Kai Diekmann sich auf den Maidan begibt, um total authentische, raue Handy-Bilder aufzunehmen, dann hat er sicherheitshalber trotzdem den Profi-Fotografen Daniel Biskup im Schlepptau, damit der ihn profimäßig ausgeleuchtet samt Smartphone und im frisch gewaschenen Hoodie superauthentisch vor einem ukrainischen Schutthaufen fürs Aufmacherfoto ablichten kann. Die Inszenierung ist Teil des Programms.

Der frühere Musikproduzent und Digital-Vordenker Tim Renner (“Digital ist besser”) wird ja nun Kultur-Sekretär in Berlin. Auf seiner Facebook-Seite hat Renner seinen Erstkontakt mit der Behördenwelt dokumentiert. Er postete einen Ausschnitt des Personalfragebogens für Beamte7Beamtinnen und kommentierte dazu: “Oha, das fängt ja heiter an …” Mal sehen, wie lange es dauert, bis Mr. Digital mit dem Beamten-Apparat in Konflikt gerät.

Veit Dengler, der Geschäftsführer der Neuen Zürcher Zeitung hat dem Handelsblatt ein Interview gegeben. Darin erklärt er, dass er für die Marke NZZ Potenzial im deutschsprachigen Raum sieht. “Wir haben bereits die internationale Ausgabe, die könnten wir ausbauen”, sagt er. Auf die Frage nach dem “Wie” antwortet Dengler, man könne mehr ins Marketing investieren oder die Ausgabe “inhaltlich ausbauen”. Das wäre aber “extrem teuer”, Partnerschaften seien “eine Möglichkeit”, eine engere Kooperation mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung verwirft er aber, denn der geneigte Leser “könnte sich dann einfach eine ‘FAZ’ kaufen”. Stimmt. Ich vermute mal, das wird so schnell nix mit einer NZZ-Offensive in Deutschland. Es ist ja auch nicht so, dass in Deutschland ganz viele betuchte Leser nach neuen Zeitungen lechzen.

Jetzt haben sie den Christian Wulff also freigesprochen. Die Bild hat den Rummel rund um das Prozess-Ende und die Ausstrahlung des Wulff-Films “Der Rücktritt” bei Sat.1 zum Anlass genommen, sich selbst noch einmal ausführlichst für die Aufdeckung der Wulff-Affäre zu belobigen. Wobei es in dem Prozess ja gar nicht um den umstrittenen Haus-Kredit des Ex-Bundespräsidenten ging, sondern um ein paar Leberkäs-Semmeln auf dem Oktoberfest oder so ähnlich. Egal. Bild-Chef Diekmann (s.o.) hat Wulff-Darsteller Kai Wiesinger jedenfalls vorab bei Bild die berühmte Wulff-Mailboxnachricht vorgespielt. Kurz danach hat Bild den kompletten Wortlaut der Nachricht dann veröffentlicht. Zurückhaltung schien wohl nicht mehr angebracht. Da mit dem Prozess auch die ganze Wulff-Show zu Ende zu gehen scheint, holt man nochmal raus, was geht. Es würde einen nicht wundern, wenn die bei Bild eine lebensgroße Wulff-Puppe im Foyer aufstellen lassen würden. Und wenn man auf einen Knopf drückt, wird die Mailbox-Nachricht abgespielt. “… bin gerade auf dem Weg zum Emir … Emir … Emir …”).

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Eines noch zum Thema Wulff. Dieses Foto tauchte nach dem Freispruch bei Facebook auf:

Bildschirmfoto 2014-02-28 um 15.49.09

Zu sehen ist die Fassade des Springer-Hochhauses in Berlin bei Nacht. Irgendjemand scheint auf die Fassade wie Worte projiziert zu haben: “Entschuldigen Sie sich bei Herrn Wulff! Sofort!” Ob es eine Fälschung ist oder nicht, bleibt im Dunkel der Berliner Nacht verborgen. Auch im Dunkeln bleibt, was denn passiert, wenn Springer sich nicht bei Herrn Wulff entschuldigt.

Womöglich schickt denen dann jemand André Kemper vorbei.

Schönes Wochenende!

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