Anzeige

TV-Karneval in der Krise: Millionen Zuschauer flüchten

„Mer losse d’r Dom in Kölle“
"Mer losse d'r Dom in Kölle"

Den großen Fernseh-Prunksitzungen laufen in diesem Jahr mehr denn je die Zuschauer davon. Von den sieben Shows bei ARD und ZDF, die bis Donnerstagabend zu sehen waren, rutschten sechs auf neue Alltime-Minusrekorde, verloren zusammen in nur drei Jahren mehr als 5 Mio. Zuschauer.

Anzeige
Anzeige

Beispiel „Mer losse d’r Dom in Kölle“: Die ZDF-„Mädchensitzung“ holte sich am Donnerstag zwar den Tagessieg – doch mit 4,58 Mio. Zuschauern gingen gegenüber 2013 heftige 520.000 Zuseher abhanden. Ähnlich heftig ging es für „Düsseldorf Helau“ am Mittwoch bergab: Aus 4,39 Mio. Jecken im Jahr 2013 blieben ein Jahr später noch 3,94 Mio. übrig. Erstmals überhaupt rutschte die ARD-Show unter die 4-Mio.-Marke. Natürlich hatte in diesem Fall sicher auch das parallele Champions-League-Spiel von Schalke 04 gegen Real Madrid einen Anteil an dieser Entwicklung, doch es handelt sich ja um keinen Einzelfall.

„Typisch Kölsch“, „Frankfurt; Helau!“, „Bütt an Bord“: alle Programme fielen auf neue Minusrekorde. Auch die ZDF-Show „Karnevalissimo“ die 2012 und 2013 Pause gemacht hatte, lief so schwach wie nie zuvor. Einzig die Verleihung des Ordens „Wider den tierischen Ernst“ gewann in diesem Jahr immerhin 190.000 Zuschauer gegenüber 2013 hinzu. Zum Vergleich: Sieben von neun Karnevals-Shows wurden 2014 bereits im Ersten und im ZDF ausgestrahlt – „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“ und „Karneval in Köln“ folgen noch. Von diesen sieben liefen sechs auch vor drei Jahren schon. Sie erreichten damals brutto 28,11 Mio. Zuschauer. 2014 sind davon noch 23,01 Mio. übrig. Ein heftiger Rückgang um mehr als 5 Mio. bzw. fast 20% in nur drei Jahren.

Der Hauptgrund für diese dramatische Entwicklung ist der fehlende Nachwuchs. Das junge Publikum interessiert sich fast überhaupt nicht für die TV-Sitzungen. Unter 50-Jährige feiern vielleicht Karneval – aber nicht vor dem Fernseher. Keine der sieben ARD- und ZDF-Shows erreichte bei den 14- bis 49-Jährigen einen Marktanteil von 5%. „Bütt an Bord“, „Frankfurt: Helau!“ und „Düsseldorf Helau“ blieben sogar bei 2,5% und weniger hängen. Beschämende Zahlen für große Sender wie Das Erste und das ZDF. Die Privatsender haben sich ohnehin schon lang aus dem Karneval zurück gezogen und auch Stefan Raabs „TV total Prunksitzung“ wird nach den schwachen Zahlen 2013 wohl eine Eintagsfliege bleiben.

Anzeige

Die Quoten-Entwicklung dürfte dazu beitragen, dass sich ARD und ZDF fragen müssen, ob so viele TV-Sitzungen in den Hauptprogrammen noch nötig sind. Zumal die ARD in ihren Dritten Programmen ja noch viel mehr Karneval zeigt. Vor allem das SWR Fernsehen tut sich hier mit neun aktuellen Shows hervor, und selbst der rbb zeigt eine Sitzung aus Cottbus. Verschont bleiben einzig die Zuschauer des NDR Fernsehens. Interessant ist aber, dass die Shows der Dritten nicht so extrem unter den Zuschauerrückgängen leiden. Vereinzelt schon, doch bei fünf bisher ausgestrahlten Sendungen ging es gegenüber dem Vorjahr auch nach oben. Die Karnevals-Junkies finden ihren Stoff also offenbar auch in den Dritten.

Ein Phänomen bleibt dabei die „Fastnacht in Franken“, die dem Bayerischen Fernsehen regelmäßig die Top-Zuschauerzahl des Jahres beschert. 3,77 Mio. sahen in diesem Jahr zu – zwar 40.000 weniger als 2013, doch immer noch genug, um einen Marktanteil von 12,7% und damit in etwa das Achtfache der BR-Normalwerte einzufahren. Spannend ist dabei vor allem, dass die Franken auch im jungen Publikum mit 570.000 14- bis 49-Jährigen einen Traum-Marktanteil von 5,5% erzielten – und damit die besten Werte des bisherigen Karnevals 2014, auch besser als alles, was im Ersten und im ZDF lief. Irgend etwas macht die „Fastnacht in Franken“ also richtig. Dennoch: 25 öffentlich-rechtliche Karnevals-Shows zwischen dem 14. Februar und dem 4. März – täglich mindestens eine – scheinen angesichts des schwindenden Publikums-Interesses nicht mehr nötig zu sein.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*