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Wie der TV-Markt der Zukunft aufgeteilt wird

Sky-Deutschland-Chef Brian Sullivan und die VoD-Konkurrenz
Sky-Deutschland-Chef Brian Sullivan und die VoD-Konkurrenz

Vor kurzem hat der Pay-TV-Sender Sky Deutschland seine erste Jahresbilanz mit einem operativen Gewinn vorgelegt. 35 Millionen Euro hat das einstige Sorgenkind der Medienbranche vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen 2013 verdient. Kein Grund, sich zufrieden zurückzulehnen, denn der nächste Ärger steht schon vor der Tür. Streaming und Video on Demand (VoD) gelten als neue Mega-Trends in Sachen Fernsehen.

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Ganz ohne komplizierte Receiver, teure Satelliten-Technik oder Kabel kommt das TV der Zukunft mit Maxdome, Netflix & Co übers Internet auf heimische HD-Fernseher. Mit Amazon und Netflix stehen mächtige neue Spieler in den Startlöchern. Auch Sky rüstet sich für neue Internet-Angebote. Der Markt der Video-on-Demand Dienste in Deutschland ist mächtig in Bewegung. Gerade hat der E-Commerce-Riese Amazon angekündigt, auch hierzulande seinen Prime-Service, der bisher vor allem einen gratis Premiumversand enthielt, mit der Online-Videothek der Unternehmenstochter Lovefilm zu verschmelzen. Für 49 Euro pro Jahr erhalten Prime-Kunden bei Amazon künftig Zugriff auf eine Online-Video-Bibliothek, die über 12.000 Spielfilme und Serienfolgen umfasst – ein absoluter Kampfpreis.

Konsumierbar sind die Filme und Serien längst nicht mehr nicht nur über PCs, Laptops, Smartphones und Tablets, sondern über den Umweg so genannter Settop-Boxen, wie etwa Apple TV oder über internetfähige Spielekonsolen, auch am heimischen HD-Flachbildfernseher. Und angeblich tüftelt Amazon auch bereits an einer eigenen Settopbox für den TV-Empfang, was nur folgerichtig wäre.

Mitspieler in dem Zukunfts-Markt sind neben Amazon noch die Vivendi-Tochter Watchever, die mit Bild.de kooperiert, Videoload von der Deutschen Telekom und iTunes von Apple. Die Online-Videothek Maxdome, die zum TV-Konzern ProSiebenSat.1 (P7S1) gehört, ist mit angeblich 35 Prozent Marktanteil und einem Katalog von über 50.000 Filmen und Serienfolgen derzeit wohl führend im VoD-Sektor in Deutschland. Die Umsätze in der Sparte Digital & Adjacent, zu der Maxdome gehört, stiegen im 3. Quartal bei P7S1 um 53 Prozent auf 124 Mio. Euro.

Dieser Erfolg will verteidigt werden, denn mit Netflix steht so etwas die Mutter der Streaming-Dienste kurz vor einem Start in Deutschland. Netflix wurde hierzulande vor allem deshalb bekannt, weil das US-Unternehmen mit der Serie “House of Cards” nicht nur ein hervorragendes und hoch spannendes Stück Fernsehen in Eigenregie produzieren ließ. “House of Cards” stellt auch traditionelle Konsum- und Programmier-Gewohnheiten des TV-Geschäfts auf den Kopf. Netflix stellte den Polit-Krimi mit Kevin Spacey als komplette Staffel auf einen Schlag seinen Abonnenten zur Verfügung. TV-Programm war gestern – jeder soll so viele Folgen schauen, wann und wie oft er oder sie will.

Für Deutschland sicherte sich Sky die Rechte an der hochgelobten Serie und strahlte die erste Staffel noch im konventionellen Wochenrhythmus auf dem Serienkanal Sky Atlantic HD aus. Bei der zweiten Staffel übernahm Sky hierzulande bereits die Methode Netflix. Die zweite Staffel “House of Cards” wurde auch in Deutschland von Sky auf einen Schlag über die On-Demand-Dienste Sky Anytime (stationär) und Sky Go (mobil) Abonnenten zur Verfügung gestellt. Die TV-Sehgewohnheiten ändern sich, die Medienanbieter versuchen Schritt zu halten.

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Netflix hat sich kürzlich für seine Europa-Expansion 400 Mio. Dollar frisches Kapital besorgt. Deutschland dürfte bei den Plänen eine wichtige Rolle spielen. In Stellenanzeigen hat Netflix bereits deutschsprachige Mitarbeiter gesucht. Ein Start des Dienstes hierzulande ist nur eine Frage des “wann”, nicht des “ob”.

Pay-TV-Platzhirsch Sky baut vor und hat mit Sky Snap eher halbherzig ebenfalls ein VoD-Angebot nach Netflix-Vorbild gestartet. Sky könnte aber noch deutlich weitergehende Pläne in der Vorbereitungsphase haben. Sky-Kunden wurden mit einer vom Meinungsforschungsinstitut TNS Infratest durchgeführten Umfrage zu ihren Ansichten über ein rein Internet-basiertes Sky-Abo ohne Satelliten-Receiver befragt. In der Umfrage heißt es u.a.: “Nun überlegt sich Sky, eine reine Internet-Variante seines Angebots anzubieten – ohne Empfang über Kabel, Satellit oder IPTV und einen entsprechenden Receiver. Die Fernsehsender von Sky können über das Internet mit einer Vielzahl an internetfähigen Geräten empfangen werden. Über Smart TV Apps, IP Boxen wie z. B. Apple TV oder Spielekonsolen, die mit dem Internet verbunden werden, können die Inhalte von Sky auch auf dem Fernseher angeschaut werden. Sky-Kunden haben zudem die Möglichkeit, Programme über Computer, Laptop, Smartphone oder Tablet – und somit auch unterwegs – zu sehen.”

Abgefragt werden dann en détail die Vorlieben der Kundschaft, welche Pakete man zu welchem Preis abonnieren würde etc. Offiziell bestätigt wird der Start eines solchen Angebots von Sky natürlich nicht, die Firma ist schließlich auch an der Börse notiert. Ein Sky-Sprecher sagt auf Anfrage lediglich: “Um unseren Kunden ort- und zeitunabhängig das bestmögliche Entertainment-Erlebnis zu bieten, entwickeln wir unser Portfolio kontinuierlich weiter. Dafür ist es natürlich wichtig, mittels Marktforschung permanent den Markt zu beobachten und die Bedürfnisse der Konsumenten zu verstehen, um generelle Entscheidungsgrundlagen zu schaffen.”

So oder so: Der VoD-Markt in Deutschland ist heiß und wird noch heißer. Die etablierten Anbieter Maxdome und Sky müssen ihre Positionen gegen die neuen Kräfte Netflix und Amazone verteidigen. Apple sitzt mit seinem iTunes-Angebot zwischen den Stühlen. Der Handel mit Inhalten ist für den Hardware-Hersteller eher Mittel zum Zweck, um noch mehr teure iPhones und iPads zu verkaufen. Immerhin hat Apple in den USA Netflix bereitwillig Platz auf der Apple TV Box eingeräumt. Amazons Prime Angebot wird ebenfalls über Apple TV empfangbar sein und die TV-Box des iPhone-Herstellers wird auch in der Kundenbefragung von Sky explizit als neue Abspielmöglichkeit genannt. Die Telekom-Tochter Videoload spielt keine große Rolle mehr und Neuling Watchever hat gewiss zu kämpfen, wenn Amazon und Netflix mit Macht den Markt betreten.

Einer fehlt bisher in dem sich anbahnenden Rennen um die Zukunft des Fernsehen: die RTL Group. Die Bertelsmann-Tochter konzentriert sich mit Angeboten wie RTL now oder Clipfish im Digital bisher vor allem auf die Werbevermarktung von eigenen TV-Inhalten und Mediatheken, die eng an die jeweiligen konventionellen TV-Sender gekoppelt sind.

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