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WhatsApp-Kauf: Zuckerbergs Machiavelli-Methode

2014 hat die Firma von Mark Zuckerberg den Kurznachrichtendienst WhatsApp übernommen
2014 hat die Firma von Mark Zuckerberg den Kurznachrichtendienst WhatsApp übernommen

Man neigt gern dazu, den wenig eloquenten Nerd Mark Zuckerberg zu unterschätzen. Der 29-Jährige ist kein großer Redner und steht nicht gerne im Vordergrund. Hinter den Kulissen feilt Zuckerberg indes weiter am Image des eiskalten Dealmakers, der sich nimmt, was er will. Die vermeintlich überteuerte WhatsApp-Übernahme unterstreicht: Zuckerberg will alles – kostete es, was es wolle. 


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Mark Zuckerbergs Waterloo ist noch immer präsent: Ein 26-jähriger im Hoodie rang auf der Bühne der AllThingD-Konferenz um Fassung und Worte – und wollte zu schwitzen nicht mehr aufhören. Die Haudegen des Wall Street Journals, Walt Mossberg und vor allem die bissige Kara Swisher, grillten den ungeübten Bühnengast, bis bei Mark Zuckerberg der Schweiß rann und er sich seines Hoodies entledigte – die ultimative Blamage war perfekt.

Konnte ein vermeintlich so unsouveräner CEO  das größte Internet-Unternehmen seit Google führen? Er kann. In den vergangenen Jahren, vor allem nach dem maßgeblich von den konsortialführenden Banken verpatzten Börsengang, wuchs Zuckerberg immer mehr in seine Aufgabe herein. Er verbesserte sich rhetorisch. Und machte hinter den Kulissen klar, dass er offenkundig eine Gabe besitzt, die große CEOs ausmacht: Deals abschließen, wenn sie wichtig sind.

Erstes Ausrufezeichen mit Instagram-Übernahme

Steve Jobs, Zuckerbergs großes Vorbild, war ein Meister des Umgarnes und Bekehrens. Die Spaziergänge, auf denen Jobs Kooperationspartner buchstäblich umdrehte, sind legendär. Auch Zuckerberg, für den Jobs in Walter Isaacsons Biografie ausdrücklich lobende Worte findet, scheint die Gabe zum Vertragsabschluss zu besitzen. 

Mit der im Nachhinein bemerkenswert günstigen Übernahme von Instagram, die für unter 800 Millionen Dollar durchging, setzte Zuckerberg das erste Ausrufezeichen – Gründer Kevin Systrom ist bis heute fest in Menlo Park verankert und spielt bei Facebook eine zentrale Rolle. Der Deal wurde seinerzeit am Osterwochenende auf eigene Faust binnen 48 Stunden eingetütet.

WhatsApp-Deal zwei Jahre in der Anbahnung
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Deutlich länger dauert die Anbahnung nun bei WhatsApp. Wie der BusinessInsider berichtet, war der Abschluss tatsächlich seit der Zeit der Instagram-Übernahme in der Mache. Es gab im Frühjahr 2012 ein erstes Treffen zum Kaffee zwischen dem Facebook-CEO und seinem Kollegen bei WhatApp, Jan Koum. Ein Wandertrip folgte. 

Doch der Deal sollte noch auf sich warten lassen. Die beiden Firmenchefs blieben in Kontakt, Zuckerberg intensivierte mit der Zeit wieder seine Bemühungen. Am 9. Februar ging der Facebook-CEO nach Angaben des US-Techblogs in die Charmeoffensive über: Zuckerberg lud Koum zum Dinner ein und unterbreitete ihm das Angebot.

Deal bringt Facebook Zeit und Ruhe – und Zuckerberg Respekt 

Der 37-jährige gebürtige Ukrainer überlegte fünf Tage – und traf zur Übereinkunft am Valentinstag in Zuckerbergs Haus ein. Was nach dem vielleicht großzügigsten Valentinsdinner der Techgeschichte klingt, ist am Ende des Tages nicht anders als Machiavellismus in Reinkultur: Der Facebook-Chef räumt mit seinen Waffen einen aufkommenden Rivalen aus dem Weg und bindet ihn gleichzeitig strategisch im eigenen Unternehmen ein. 

So teuer erkauft der Deal auf den ersten Blick erscheint – tatsächlich finanziert Facebook ihn zum Löwenanteil mit der hochfliegenden eigenen Aktie –  er kauft Facebook Zeit und Ruhe bei der Expansion im mobilen Internet. Und ganz nebenbei bringt er seinem Gründer gehörigen Respekt ein. Was für einen Unterschied zu den Tagen des verschwitzten Hoodies …

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