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Thomas Rabe und die Frage nach einem Stellenabbau beim stern

Bertelsmann-Chef Thomas Rabe.
Bertelsmann-Chef Thomas Rabe.

Die Zeit hat für ihre aktuelle Ausgabe (erscheint am morgigen Donnerstag) Bertelsmann-Chef Thomas Rabe interviewt. Götz Hamann aus der Wirtschaftsredaktion und Zeit-Chef Giovanni di Lorenzo persönlich haben den obersten Bertelsmann getroffen. Neben vielen bekannten Aussagen, ist vor allem die Passage über Gruner + Jahr interessant. Die Zeit bringt mehrfach einen angeblichen Stellenabbau beim stern ins Gespräch.

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Die stern-Redaktion solle „deutlich um mehr als zehn Prozent schrumpfen“, sagt die Zeit – es ist nicht erkennbar, ob di Lorenzo oder Hamann die Frage stellen – „Wieso?“, fragt die Zeit. Bertelsmann-CEO Thomas Rabe weicht aus: „Ich möchte mich zu solchen Spekulationen und zu einzelnen Titeln nicht äußern. Das ist eine Aufgabe des dortigen Managements und des jeweiligen Chefredakteurs. Aber ich kann Ihnen sagen: Wir sind bereit, in Gruner + Jahr zu investieren. Mehr noch: Wir sind sogar bereit, dafür in den nächsten Jahren teilweise auf Gewinne und Dividenden zu verzichten!“

Die Zeit hakt daraufhin nochmals nach: „Der stern ist das publizistische Aushängeschild des Verlags – und er macht Gewinn. Warum soll die Redaktion kleiner werden?“ Rabe antwortet: „Ich werde mich zum stern nicht äußern. Grundsätzlich gilt: Die Strategie von Gruner + Jahr ist es, in neue Kompetenzen zu investieren. Wer im Zeitschriftengeschäft heute nicht erkannt hat, dass Veränderungen sein müssen, ist aus der Zeit gefallen. Wir müssen handeln, solange wir noch die Freiheit und die Ressourcen dazu haben.“ Vor allem der hintere Teil der Antwort ließe sich dahingehend interpretieren, dass an den Stellenstreichungs-Spekulationen beim stern, die die Zeit ins Spiel gebracht hat, doch etwas dran sein könnte.

Bei G+J nachgefragt heiß es, dass da nichts dran sei. Es gebe keine Pläne in der Größenordnung von zehn bis 20 Prozent beim stern, so ein Verlagssprecher gegenüber MEEDIA. Lediglich Fluktuation, insbesondere durch Altersteilzeit führe zu einem „natürlichen Stellenabbau“, da solche Positionen nicht immer nachbesetzt würden. Dass sich ein Mitbewerber in einem Interview mit einem Medien-Vorstandschef so explizit zu einem angeblichen Stellenabbau bei einem Konkurrenten äußert, ist doch recht bemerkenswert.

Das Print-Geschäft bezeichnet Rabe als „sicher das herausforderndste im Konzern“. Für die Gruner-Vorstandschefin Julia Jäkel ist er voll des Lobes: „Julia Jäkel, die neue Vorstandschefin, hat zuvor als Verlagsleiterin bei Schöner Wohnen, Essen & Trinken und Brigitte gemeinsam mit den Redaktionen vorgemacht, wie man mit gutem Handwerk den rückläufigen Trend bei Auflagen und Anzeigen drehen kann. Ob Print oder digital – am Ende zählt der kreative, interessant aufbereitete Inhalt.“ 

Rabe gesteht ein, im Bildungsgeschäft, dem er ähnlich großes Potenzial zutraut wie dem Musikgeschäft, noch nicht soweit zu sein, wie er erhofft hat. Und um die Bertelsmann Cash-Cow RTL Group macht er sich im Zeit-Interview gar keine Sorgen: „Das Geschäftsmodell ist robust, das fängt schon mit den steigenden Reichweiten an, wenn Sie klassisches und Online-Fernsehen zusammenzählen. Bewegtbild war nie so gefragt wie heute. Zweitens ist TV-Werbung hochgradig effizient und im Vergleich zu anderen Medien preiswert. Wenn Sie eine Marke auf breiter Ebene aufbauen wollen, ist es das einzige Medium, das eine kritische Nutzermasse erreicht.“

Ein bisschen Privates erfahren wir dann auch noch über den Bertelsmann-Boss: Er trinkt keinen Alkohol und keinen Kaffee, sondern Ingwertee. Er geht bergsteigen in Südtirol. Sein Dienstwagen ist ein Mini doch in den Mountains von Berlin fährt er lieber Mountainbike.

 

 

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