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„ADAC geführt wie ein zu groß geratener Kegelverein“

Ex-ADAC-Präsident Peter Mayer. Image-Reparatur ausgeschlossen
Ex-ADAC-Präsident Peter Mayer. Image-Reparatur ausgeschlossen

Kein Tag ohne neue ADAC-Enthüllung: Am Mittwoch zeichnet die SZ ein verstörendes Bild der Automobil-Institution: Der gelbe Ober-Engel Peter Meyer habe ein "Milliardenunternehmen wie einen zu groß geratenen Kegelverein" geführt. Unterdessen soll Unicef-Chef Jürgen Heraeus den ADAC auf "zukunftsfesten Kurs" bringen.

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Die Süddeutsche beruft sich auf eine ganze Reihe von „Whistleblowern“ auch aus den Führungsetagen der ADAC-Zentrale in München. Das Blatt hatte mit seiner Berichterstattung über Manipulationen bei der Vergabe des Auto-Preises „Gelber Engel“ die schwerste Krise in der 111-jährigen Geschichte des Vereins losgetreten. Nach Kommunikationschef Michael Ramstetter legte auch Präsident Peter Meyer sein Amt nieder, und noch ist unklar, ob Geschäftsführer Karl Obermair und der Rest des Präsidiums ihre Posten ebenfalls verlieren werden. Beim ADAC trafen nach Darstellung der SZ bislang nur wenige die Entscheidungen, „eine Handvoll ehrenamtlicher Funktionäre, und manchmal reichte auch nur einer: der Präsident.“ Das soll sich künftig ändern.

Laut SZ ist man sich beim ADAC derzeit nur in einem einig: Das Krisenmanagement sei „ein Desaster“ gewesen, die mediale Außenwirkung „verheerend“. Einer der Hauptverantwortlichen dafür ist Ex-Präsident Peter Meyer, der sich lange gegen seinen Rückzug gewehrt hatte und sich in der aktuellen Ausgabe der „Motorwelt“ für die 19 Millionen Mitglieder und Abonnenten in einem bigotten Interview als vordersten Aufklärer präsentiert hatte. Nach Darstellung der SZ ist Meyer auch sonst wenig peinlich: Die Zeitung zitiert aus einem Krimi, in dem der Autor Peter Meyer über den ADAC-Präsidenten Peter schreibt. Was die Lektüre des Fundstücks aus dem vergangenen Jahrzehnt zutage fördert, bilanziert die SZ so: „Es ist verstörend zu lesen, wie Meyer über sich selbst schreibt – in einem Tonfall, so voller ehrlicher Anerkennung, so ehrfürchtig, dass man es kaum glauben möchte.“

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Der Krimi-Meyer ist nicht nur wie der gleichnamige ADAC-Präsident Jäger und Jaguar-Fahrer, sondern – natürlich – auch einer, der bei der (erfundenen) flotten Pannenhelferin „Britta“ richtig gut ankommt. Textprobe: „Herr Präsident, Sie sind der erste Mann, der mich unheimlich nervös gemacht hat.“ So viel Selbstbeweihräucherung tut weh, förderte aber laut SZ beim ADAC ein Klima, in dem wie beim „Gelben Engel“ nach Gutsherrenart Wahrheiten verdreht und neu erschaffen wurden. Die systematische Durchsuchung von Computern und E-Mails von Michael Ramstetter zeigte, dass der mächtige Kommunikationschef eine Reihe von Gewinnszenarien entwarf, bevor er sich für eine Variante entschied. Auch sonst nahm es Ramstetter mit der Wahrheit offensichtlich nicht so genau. So korrigierte die SZ die überlieferte Lesart, wonach er selbst Wortschöpfer des Preises „Gelber Engel“ gewesen sei. Tatsächlich stamme der Vorschlag von der Ehefrau eines Unternehmensberaters.

Nachdem jetzt auch eine fristlose Entlassung Ramstetters juristisch geprüft wird, ist unklar, ob er dann womöglich kompromittierende Informationen über den Ex-Präsidenten und anderer Führungskräfte publik macht. Bislang hatte der Kommunikationschef mit Hinweis auf seinen Arbeitsvertrag geschwiegen; bei einem Prozess wäre er daran nicht mehr gebunden. Schadensbegrenzung soll nun ein erfahrener Unternehmer und Krisenmanager betreiben: Wie am Mittwoch bekannt wurde, wird Jürgen Heraeus den ADAC auf „seinem umfassenden Reformweg begleiten und aktiv mit Rat, Kritik und Wissen zur Seite stehen“. Heraeus ist erstes Mitglied eines neu geschaffenen Beirats, der die Organisation auf einen „zukunftsfesten Kurs bringen soll“, heißt es beim ADAC. Der 77-Jährige ist seit 2008 Vorsitzender von Unicef Deutschland und stellte dort bereits die seinerzeit verloren gegangene Reputation wieder her.

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