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Lokalzeitung Die Harke in der Kritik wegen Durchsuchungsfoto

Umstrittene Berichterstattung: Die Harke
Umstrittene Berichterstattung: Die Harke

Mit einem Bericht über Durchsuchungen der Privatwohnung des Ex-Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy hat die Lokalzeitung Die Harke für Aufsehen gesorgt. Ein gezeigtes Foto der Wohnung Edathys, das von einer gegenüberliegenden Balustrade aus geschossen wurde, sorgt für Beschwerden. Der Deutsche Journalisten Verband hält die Veröffentlichung des Bildes für problematisch.

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von Patrick Schwarz

Die Lokalzeitung Die Harke aus Nienburg in Niedersachsen zählt mit täglich fast 19.000 verkauften Exemplaren nicht gerade zu den Branchengrößen. Für viel Wirbel sorgt sie nun aber durch ihre Berichterstattung über die Ermittlungen gegen den SPD-Politiker Sebastian Edathy wegen des Verdachts auf Besitz von Kinderpornografie. Edathy kündigte am Montag per Facebook an, Strafanzeige zu stellen, weil die Presse bei der Hausdurchsuchung „zugegend war“.

Nicht nur dass einer der Harke-Redakteure als Erster über den Verdacht auf Besitz kinderpornografischen Materials berichtete und daraufhin zahlreiche deutsche Leitmedien auf seinen Artikel verwiesen. Auch ein Foto, das laut Bildunterschrift einen Raum von Edathys Privatwohnung in Rehburg zeigt, sorgt für Aufregung.

Auf dem Bild erkennt man einen mit Kisten und Unterlagen vollgestellten Raum, sieht die Bilder, die an der Wand hängen und Polizeibeamte, wie sie die Wohnung durchsuchen.

Umstritten ist, ob die Redaktion mit der Veröffentlichung des Bildes journalistische Regeln verletzt hat. Nach eigenen Angaben hat der Autor und Fotograf zwar die Wohnung des SPD-Politikers nicht betreten, ist aber auf eine Balustrade vor der Wohnung im ersten Stock gestiegen, um das Foto zu schießen. Auf die Frage, ob er die Veröffentlichung des Fotos problematisch findet, sagte der Redakteur: „Ich sehe da kein Problem.“

Der niedersächsische Journalisten-Verband sieht das anders. Er hält das Foto presserechtlich für problematisch. So ist die Unverletzlichkeit der Wohnung in Artikel 13 des Grundgesetzes geschützt. Und im Pressekodex, einer Selbstverpflichtung der Medienbranche, heißt es, dass „bei der Beschaffung von Bildern keine unlauteren Methoden angewandt werden dürfen“ und dass „die Presse das Privatleben der Menschen achtet.“

Die ehemalige Bundesfamilienministerin und Bundestagsabgeordnete Kristina Schröder (CDU) schrieb auf Twitter jedenfalls: „Fotos aus Privatwohnungen zu drucken, die nicht freigegeben wurden, ist einfach unsäglich.“

Dieser Text erschien ursprünglich bei handelsblatt.com. MEEDIA gehört zur Verlagsgruppe Handelsblatt.

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